Kernproblem: Die VSME-Vorlage gibt euch die Struktur, aber keine Zahlen. Gerade bei Scope 3, Energieintensität oder Relevanzprüfung fehlen belastbare Vergleichswerte. Die Analyse von mehr als 1.000 strukturiert ausgewerteten europäischen CSRD-/Nachhaltigkeitsberichten aus 30+ Branchen liefert genau diese Benchmarks, als Plausibilitäts-Check, für die Relevanzprüfung oder als provisorische Schätzwerte, wenn eigene Messdaten noch fehlen.
Timing: Im Dezember 2025 hat EFRAG drei Supporting Guides für die Comprehensive-Offenlegungen C2 (Verfahrensweisen für nachhaltigere Wirtschaft), C3 (THG-Reduktionsziele und Klimaschutz-Übergang) und C7 (schwerwiegende Vorfälle bei Menschenrechten) veröffentlicht und damit implizit eingeräumt: Diese Module überfordern KMU. Seit dem 11. Januar 2026 verschärft sich der Druck zusätzlich, da große Banken nach EBA-Leitlinie EBA/GL/2025/01 ESG-Risiken verpflichtend in Kreditentscheidungen, ICAAP und Sicherheitenbewertung einbeziehen müssen. Kleinere Sparkassen und Volksbanken folgen ab 11. Januar 2027. Der VSME wird damit faktisch zur Pflicht, auch für nicht-berichtspflichtige Unternehmen.
Lösung: Dieser Artikel liefert euch branchenspezifische CO₂-Durchschnittswerte je Mitarbeitenden, typische Relevanzthemen und Scope-3-Proxies. Nutzt diese Daten als Orientierung für euren ersten Bericht oder zur Validierung eurer eigenen Zahlen vor dem Bankgespräch.
Hinweis: Konkrete Berichtsbeispiele, wie 10 VSME-Berichte von Startups bis Mittelstand strukturiert sind, findet ihr im VSME-Praxis-Guide mit 10 analysierten Reports.
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Wie groß die Unternehmen hinter den Zahlen sind
Ein Punkt, der vor die Nutzung dieser Werte gehört: Die Datenbasis besteht aus CSRD-Berichten, und berichtspflichtig sind die Großen. Von den Berichten mit angegebener Mitarbeitendenzahl (Stand September 2026) entfallen:
| Unternehmensgröße | Anteil |
|---|---|
| unter 250 Mitarbeitende | 3,6 % |
| 250 bis 999 | 8,6 % |
| 1.000 und mehr | 87,8 % |
Der Median liegt bei rund 6.000 Mitarbeitenden. Das sind keine KMU-Berichte, und wer sie als solche verkauft, führt in die Irre.
Brauchbar sind die Werte trotzdem, aber nur in einer bestimmten Form. Absolutwerte helfen euch nicht. Wie viele Tonnen CO₂ ein Konzern mit 6.000 Beschäftigten ausstößt, sagt über einen Betrieb mit 80 Leuten nichts. Intensitätskennzahlen dagegen sind übertragbar, also Emissionen je Mitarbeitendem, je Million Euro Umsatz oder je Tonne Produkt. Sie rechnen die Unternehmensgröße heraus, und genau darauf sind die Benchmarks in diesem Artikel gerechnet.
Die zweite brauchbare Ebene ist qualitativ: welche Themen überhaupt berichtet werden. Wenn 80 Prozent einer Branche den Wasserverbrauch offenlegen und 20 Prozent die Biodiversität, ist das eine Relevanzaussage, die von der Unternehmensgröße weitgehend unabhängig ist. Für die Frage „worüber müssen wir überhaupt reden" ist die Datenbasis deshalb belastbarer als für die Frage „welche Zahl ist normal".
Das „leere Blatt"-Problem: Warum der VSME ohne Benchmarks scheitert
Ihr habt die VSME-Vorlage heruntergeladen, die Struktur durchgearbeitet, und dann kommt der Moment: Modul B3 (Energie und Treibhausgasemissionen), Scope 3 im Zusatzmodul, Modul B2 (Verfahrensweisen, Konzepte und Ziele). Die Tabellen sind leer. Woher nehmt ihr die Zahlen?
Genau hier entsteht die Lücke zwischen Theorie und Praxis. Die EFRAG hat am 11. Dezember 2025 drei Supporting Guides für die Comprehensive-Offenlegungen C2, C3 und C7 veröffentlicht, also genau zu den Modulen, die im Feldtest als „besonders herausfordernd" identifiziert wurden. Die Guides helfen bei der Interpretation, aber sie liefern keine Daten. Sie sagen euch nicht, ob eure 4,5 Tonnen CO₂ je Mitarbeitenden realistisch sind oder ob die Bank bei 15 Tonnen nachfragen wird.
Tatsächlich hat sich die Situation 2026 dramatisch verschärft: Seit dem 11. Januar 2026 müssen EZB-beaufsichtigte Banken nach EBA-Leitlinie EBA/GL/2025/01 ESG-Daten ihrer Kreditnehmer verpflichtend erfassen, prüfen und in Kreditentscheidungen, ICAAP und Sicherheitenbewertung einbeziehen. Kleinere von der BaFin direkt beaufsichtigte Institute folgen ab 11. Januar 2027. Wer keinen strukturierten VSME-Bericht vorlegt, wird mit Schätzungen bewertet, oft zum eigenen Nachteil.
Die Lösung: mehr als 1.000 reale europäische CSRD-Nachhaltigkeitsberichte wurden strukturiert ausgewertet, von IT-Dienstleistern über Hotels bis zu Chemieunternehmen, und die Durchschnittswerte extrahiert. Diese Benchmarks helfen euch in drei Szenarien:
- Plausibilitäts-Check: Sind eure eigenen Zahlen im Branchendurchschnitt oder gibt es Ausreißer, die Rückfragen provozieren?
- Provisorische Schätzwerte (Proxies): Für den ersten Bericht könnt ihr Durchschnittswerte nutzen, wo eigene Messdaten noch fehlen (mit entsprechendem Disclaimer).
- Relevanzprüfung: Welche Themen stufen die berichtenden Unternehmen faktisch als relevant ein? Diese Information hilft beim „Falls-zutreffend“-Grundsatz des VSME (Nr. 15).
Die VSME Data Box: CO₂-Emissionen je Mitarbeitenden nach Branchen
Der Kern zuerst: CO₂-Intensität. Diese Kennzahl wird in Modul B3 (Energie und Treibhausgasemissionen) und im Zusatzmodul bei Scope 3 abgefragt und ist gleichzeitig der Angelpunkt für Bankgespräche. Die Analyse zeigt massive Unterschiede zwischen Branchen, und überraschende Muster innerhalb einzelner Sektoren.
Benchmark-Tabelle: CO₂-Intensität nach Branchen (in t CO₂e pro FTE)
| Branche (SASB-Sektor) | Stichprobe (n) | Median t CO₂e/FTE | Bestes Viertel (p25) | Haupttreiber Scope 3 |
|---|---|---|---|---|
| Gemischte Dienstleistungen | 27 | 0,9 | 0,4 | Pendelverkehr, Geschäftsreisen |
| IT-Dienstleistungen / Software | 46 | 0,5 | 0,3 | Hardware-Lifecycle, Rechenzentren beim Kunden |
| Beherbergung / Hotels | 8 | 8,5 | 1,6 | Gästemobilität, Lebensmittel |
| Kredit- und Finanzdienstleistungen | 96 | 0,8 | 0,4 | Finanzierte Emissionen (Portfolio) |
| Pharmazeutische Industrie | 24 | 2,9 | 1,1 | Rohmaterialien, Chemikalien-Upstream |
| Hoch- und Tiefbau | 37 | 6,2 | 1,7 | Graue Energie (Beton, Stahl) |
| Bekleidung / Textil | 19 | 2,5 | 1,2 | Textilproduktion (Energie/Wasser-intensiv) |
| Chemische Industrie | 20 | 24,8 | 0,5 | Prozessemissionen, Energieträger |
Interpretations-Hinweis: Spannweite und Datenbasis: Die Werte sind Mediane der CO₂-Emissionen pro Vollzeitstelle aus dem ausgewerteten Berichtspool (Stand Juni 2026); n bezeichnet die Berichte je Sektor mit auswertbarem CO₂/FTE-Wert. Materialintensive Branchen (Chemie, Bau, Hotellerie) liegen deutlich höher als bürobasierte Sektoren (Software, Finanz, Dienstleistungen). Die Streuung innerhalb einer Branche ist groß: In der Chemie reicht das Feld vom unteren Viertel bei rund 0,5 t/FTE bis weit über 100 t/FTE im oberen Zehntel, je nach Prozessintensität und Vollständigkeit der Scope-3-Erfassung. Bei kleinen Stichproben (etwa Hotellerie) sind die Werte nur grobe Orientierung.
Für euren VSME Basic Report gilt: Wenn ihr nur Scope 1+2 erfasst (Bürobetrieb, Heizung, Firmenwagen), liegt ihr als Dienstleister meist unter 1 t/FTE. Höhere Werte entstehen dort, wo Scope 3 (Vorprodukte, Logistik, finanzierte Emissionen) einbezogen wird. Nehmt die Spalte „Bestes Viertel" als realistisches Zielbild, nicht den Median.
Was bedeuten diese Zahlen für euch?
Typische Büro- und Dienstleistungsunternehmen liegen bei reinen Betriebsemissionen (Scope 1+2) deutlich unter 5 t CO₂e pro FTE. Wenn ihr als IT-Beratung oder Finanzdienstleister bei 8 bis 10 t/FTE landet (nur Scope 1+2), prüft folgende Punkte:
- Gebäudeeffizienz: Altbau mit Gasheizung vs. Neubau mit Wärmepumpe macht den Unterschied zwischen 0,5 und 5 t/FTE aus
- Flottenemissionen: Firmenwagen (besonders Diesel/Benzin) können 2 bis 4 t/FTE allein ausmachen
- Ökostrom-Status: Konventioneller Strommix vs. Ökostrom bedeutet typisch 0,3 bis 1,5 t/FTE Differenz
Werte im Bereich 10 bis 50 t/FTE (Median) deuten auf produzierendes Gewerbe oder energieintensive Dienstleistungen hin. Bau-, Textil- und Chemieunternehmen bewegen sich hier naturgemäß höher. Innerhalb der Chemiebranche liegt der Durchschnitt wegen weniger prozessintensiver Ausreißer weit über dem Median. Das macht den Median zum relevanteren Vergleichswert.
Extremwerte aus Öl & Gas, Bergbau oder Grundstoffindustrie (teilweise über 100.000 t/FTE) sind für typische KMU-Benchmarking nur bedingt übertragbar. Sie dienen eher als obere Orientierung und zeigen, wie unterschiedlich Geschäftsmodelle wirken können.
Energie-Mix im Mittelstand: Ökostrom-Adoption
Eine weitere zentrale Kennzahl für Modul B3 (Energy Consumption) ist der Anteil erneuerbarer Energien. Die Analyse zeigt:
- 45% der analysierten Unternehmen nutzen bereits 100% Ökostrom für ihren Gebäudebetrieb
- 68% haben mindestens 50% erneuerbare Energien im Mix
- IT- und Finanzdienstleister führen mit durchschnittlich 78% Ökostrom-Anteil
- Produktionsunternehmen liegen bei durchschnittlich 42%, oft aufgrund eigener Photovoltaik-Anlagen
Relevanz für euren Bericht: Wenn ihr noch unter 50% Ökostrom liegt, signalisiert das potenziellen Quick Wins für Scope 2-Reduktion. Banken erwarten 2026 zunehmend einen klaren Dekarbonisierungspfad, und Ökostrom ist der niedrighängende Fruit.
Scope 3 „Hacks": Durchschnittswerte für die schwierigsten Module
Scope 3 (im Zusatzmodul eine Kann-Angabe, Nr. 49 bis 52) ist der Angst-Gegner vieler KMUs, und das zu Recht. Während Scope 1 (direkte Emissionen) und Scope 2 (eingekaufte Energie) noch überschaubar sind, wird es bei der Lieferkette, Geschäftsreisen und Pendelverkehr komplex. Die gute Nachricht: Für das VSME Basic Module reicht eine vereinfachte Schätzung, und genau dafür gibt es für euch Proxies.
Proxy-Werte für typische Scope 3-Kategorien (Dienstleistungssektor)
| Kategorie | Durchschnitt t CO₂e/FTE | Typische Annahmen |
|---|---|---|
| Pendelverkehr (Kategorie 7) | 0,8 | 20 km einfache Strecke, 220 Arbeitstage, Mix PKW/ÖPNV |
| Geschäftsreisen (Kategorie 6) | 1,2 | 5 Inlandsflüge + 15.000 km Bahn/PKW pro Jahr |
| Eingekaufte Waren (Kategorie 1) | 0,5 | Büromaterial, IT-Equipment (abgeschrieben über 3 Jahre) |
| Abfall (Kategorie 5) | 0,1 | 120 kg Restmüll + 80 kg Recycling je Mitarbeitenden und Jahr |
| Upstream Transport (Kategorie 4) | 0,3 | Lieferungen, Kuriere (nur für Handelsbetriebe relevant) |
Anwendungsbeispiel: Ihr seid eine IT-Beratung mit 50 Mitarbeitern und habt keine detaillierten Daten zum Pendelverkehr. Nutzt den Proxy von 0,8 t/FTE = 40 t CO₂e Gesamt. Im Bericht vermerkt ihr: „Schätzung basierend auf Branchendurchschnittswerten (Quelle: Fiegenbaum Solutions Benchmark-Analyse 2026). Für künftige Berichte ist eine eigene Mitarbeiterbefragung geplant."
Disclaimer: Diese Werte sind Durchschnittswerte und ersetzen keine eigene Messung. Für das VSME Basic Module sind sie jedoch ein akzeptabler Ausgangspunkt. Wenn ihr später zum Comprehensive Module wechselt oder in die CSRD-Pflicht fallt, braucht ihr granularere Daten.
Der Relevanz-Kompass: Welche Themen berichtende Unternehmen tatsächlich aufgreifen
Zwar verzichtet der VSME auf die komplexe, formale Doppelte Wesentlichkeitsanalyse der CSRD. An ihre Stelle tritt der „Falls-zutreffend“-Grundsatz (VSME Nr. 15): Bestimmte Angaben sind nur zu machen, wenn sie auf euch zutreffen. Doch hier beginnt das Problem: Um zu entscheiden, zu welchen Themen ihr Verfahrensweisen, Konzepte und Ziele (Modul B2) berichtet, braucht ihr einen Filter. Ohne Filter berichtet ihr entweder über Nichtigkeiten oder überseht Risiken.
Die Frage lautet also nicht „Müssen wir eine Wesentlichkeitsanalyse machen?", sondern „Woher wissen wir, was relevant ist?" Die Analyse von mehr als 1.000 Berichten zeigt eine klare Hierarchie der Themen, die berichtende Unternehmen faktisch als relevant einstufen. Die Berichte stammen von CSRD-pflichtigen, meist großen Unternehmen; für KMU sind die Anteile eine Orientierung, kein Maßstab. Diese Häufigkeitsverteilung ist euer Abkürzung für die Relevanzprüfung:
Top 10 faktisch berichtete Themen (Häufigkeit in analysierten Berichten)
- Energieeffizienz & Klimaschutz (95%), Quasi-Standard, besonders seit dem CO₂-Preis-Anstieg
- Arbeitssicherheit & Gesundheitsschutz (87%), Branchenübergreifend relevant, oft aus ISO 45001 übernommen
- Abfallmanagement & Kreislaufwirtschaft (78%), Steigende Entsorgungskosten machen es finanziell material
- Mitarbeiterzufriedenheit & Weiterbildung (74%), Fachkräftemangel als Treiber
- Lieferketten-Transparenz (68%), Getrieben durch EUDR und Kundenanfragen
- Wasser & Ressourceneffizienz (52%), Besonders relevant für Produktion und Hotels
- Biodiversität & Landnutzung (34%), Überwiegend Landwirtschaft, Lebensmittel, Bau
- Korruptionsbekämpfung & Compliance (31%), Standard bei internationalen Geschäften
- Produktsicherheit & Qualität (29%), Kernthema für Hersteller, weniger für Dienstleister
- Diversity & Inklusion (24%), Steigend, aber noch nicht Mainstream im Mittelstand
Strategische Einordnung: Wenn ihr die Top 5 Themen komplett weglasst, wird euer Bankberater definitiv Fragen stellen. Diese Themen werden als Mindest-Standard erwartet, nicht aus regulatorischer Pflicht, sondern aus faktischer Marktpraxis. Umgekehrt gilt: Wenn ihr in einer spezifischen Branche tätig seid (z.B. Chemie), solltet ihr zusätzliche Themen wie „Produktsicherheit" und „Lieferketten-Compliance" aufnehmen, selbst wenn sie in der Gesamtstatistik seltener sind.
Interessanterweise zeigt sich ein Trend: Themen, die vor drei Jahren noch als „Nice-to-have" galten (Diversity, Biodiversität), werden zunehmend von Großkunden aktiv abgefragt. Die Value Chain Cap des Omnibus-Pakets schützt euch zwar vor übermäßigen Anforderungen, aber die faktischen Markterwartungen steigen trotzdem.
Die DNK-VSME-Migration: Was Bestandsnutzer wissen müssen
Der DNK hat am 2. März 2026 sein VSME-Modul zum General-Availability-Release gebracht (Beta-Phase September 2025 bis Februar 2026). BMWE und BMDS haben die kostenlose Plattform vorgestellt: Eingabemaske für alle Datenpunkte (Basic B1 bis B11 und Comprehensive C1 bis C9), interaktiver Assistent und Gap-Analyse gegen bestehende DNK-Kriterien. Für viele KMU, die bisher DNK-Berichte erstellt haben, bedeutet das: Die Struktur ändert sich, aber die inhaltlichen Anforderungen werden präziser.
Die DNK-Plattform ist kostenfrei, das macht VSME plötzlich zum Mainstream. Aber (und das ist entscheidend): Die Plattform gibt euch nur die Struktur, nicht die Inhalte. Ihr braucht weiterhin Daten, Benchmarks, Vergleichswerte. Genau hier greifen die Analysen von mehr als 1.000 Berichten.
Konkret für DNK-Migranten:
- DNK Kriterium 11 bis 13 (Inanspruchnahme natürlicher Ressourcen): Mappt auf VSME Modul B3 (Energie) und B6 (Wasser). Nutzt die Energie-Intensitäts-Benchmarks zur Validierung.
- DNK Kriterium 3 (Ziele): Wird zu VSME Modul B2 (Ziele zu Konzepten), THG-Reduktionsziele stehen im Zusatzmodul unter C3. Der Relevanz-Kompass hilft euch, realistische Ziele zu setzen (z.B. „Ökostrom-Anteil auf 80% bis 2027" statt unrealistischer Netto-Null-Versprechen).
- DNK Kriterium 13 (Klimarelevante Emissionen): Direkt VSME B3, Scope 3 im Zusatzmodul. Hier sind die Scope 3-Proxies Gold wert.
Offenlegung: Die Benchmarks in diesem Artikel stammen aus derselben Datenbank, die in VSEasy steckt, der Software, die ich selbst gebaut habe. Dort laufen die Vergleiche mit dem Branchenmedian direkt bei der Eingabe mit, ein Wert weit über dem Median löst eine Rückfrage aus statt einer Überraschung im fertigen Bericht.
Der Banken-Druck: VSME als faktische Kreditanforderung ab 2026
Seit 11. Januar 2026 müssen EZB-beaufsichtigte Finanzinstitute ESG-Daten ihrer Kreditnehmer verpflichtend erfassen, prüfen und regelmäßig aktualisieren. Die EBA-Leitlinie EBA/GL/2025/01 ist bindend, kleinere Sparkassen und Volksbanken folgen ab 11. Januar 2027. Konkret bedeutet das:
Was Banken ab 2026 von euch erwarten:
- Strukturierter Nachhaltigkeitsbericht (VSME erfüllt diese Anforderung)
- CO₂-Fußabdruck mit Scope 1, 2 und (idealerweise) Scope 3
- Nachweis von Klimazielen und Dekarbonisierungspfad
- Bewertung klimabezogener Risiken (TCFD-light)
Wer keinen VSME-Bericht vorlegt, wird mit Pauschalwerten bewertet. Beispiel: Die Bank schätzt eure CO₂-Intensität auf 50 t/FTE (Branchendurchschnitt plus Sicherheitsaufschlag), obwohl ihr real bei 8 t/FTE liegt. Das verschlechtert euer ESG-Rating und führt zu höheren Risikoaufschlägen.
Strategischer Vorteil mit Benchmarks: Wenn ihr im Bankgespräch sagen könnt „Unsere 8 t CO₂/FTE liegen 60% unter dem Branchendurchschnitt, hier ist die Quelle", habt ihr ein deutlich stärkeres Argument für bessere Konditionen. Genau dafür sind diese Daten konzipiert.
FAQ: VSME Benchmarks in der Praxis
1. Darf ich Benchmark-Werte offiziell in meinem VSME-Bericht verwenden?
Ja, mit klarem Disclaimer. Das VSME Basic Module erlaubt ausdrücklich Schätzungen, solange ihr transparent macht, dass es sich um Proxies handelt. Formulierungsvorschlag: „Mangels eigener Messdaten für Kategorie X wurde der Branchendurchschnitt gemäß Fiegenbaum Solutions Benchmark-Studie 2026 (mehr als 1.000 europäische CSRD-Berichte) herangezogen. Eine eigene Erhebung ist für [Jahr] geplant."
2. Was passiert, wenn meine Werte stark vom Benchmark abweichen?
Abweichungen sind nicht per se problematisch, aber erklärungsbedürftig. Wenn ihr als IT-Dienstleister bei 150 t/FTE liegt (Benchmark: Median 0,5 t/FTE), solltet ihr die Gründe dokumentieren (z.B. „Eigenes Rechenzentrum mit Diesel-Notstrom" oder „Vollständige Scope 3-Erfassung inklusive Hardware-Lifecycle"). Umgekehrt: Wenn ihr deutlich besser seid als der Durchschnitt, nutzt das als Wettbewerbsvorteil im Marketing und bei Ausschreibungen.
3. Sind die Benchmarks auch für CSRD-pflichtige Unternehmen relevant?
Bedingt. CSRD verlangt deutlich granularere Daten als VSME. Aber für die Wesentlichkeitsanalyse (ESRS 1/2) und als Plausibilitäts-Check für Scope 3-Kategorien sind die Werte hilfreich. Viele Unternehmen nutzen VSME-Benchmarks als Ausgangspunkt und verfeinern dann stufenweise.
4. Wie oft werden die Benchmarks aktualisiert?
Die Datenbank wird quartalsweise mit neu veröffentlichten Berichten aktualisiert. Die hier gezeigten Werte basieren auf dem Stand Juni 2026 (mehr als 1.000 strukturiert ausgewertete Berichte, Veröffentlichungsjahr 2024-2025).
5. Was ist der Unterschied zwischen Durchschnitt und Median?
Der Median ist oft aussagekräftiger, weil er weniger von Extremwerten verzerrt wird. Beispiel Chemische Industrie: Der Median liegt bei 24,8 t/FTE, der Durchschnitt wegen weniger Ausreißer deutlich darüber. Der hohe Durchschnitt entsteht durch wenige prozessintensive Ausreißer. Für eure Orientierung ist der Median relevanter.
6. Deckt die Analyse auch internationale Branchen ab?
Die Datenbank umfasst primär Berichte europäischer Großunternehmen (DACH-Region, Benelux, Skandinavien), ergänzt um ausgewählte SASB-Branchen für internationale Vergleichbarkeit. Für Schwellenländer-spezifische Benchmarks kontaktiert mich direkt.
Ausblick: VSME 2.0 und die EZB-Kritik
Die Europäische Zentralbank hat im Februar 2026 in einer offiziellen Stellungnahme drei Kritikpunkte formuliert: zu wenige Datenpunkte für Risikobewertungen, fehlende Wesentlichkeitslogik (keine Double Materiality) und keine ISSB-Angleichung. Die EZB forderte, VSME durch freiwillige überarbeitete ESRS zu ersetzen.
Die Endfassung liegt inzwischen vor: die Delegierte Verordnung (EU) 2026/1560 vom 3. Juli 2026, der Voluntary Standard (VS), veröffentlicht im Amtsblatt am 21. September 2026 und in Kraft seit 24. September 2026. Eine Wesentlichkeitslogik enthält sie nicht, an ihre Stelle tritt der „Falls-zutreffend“-Grundsatz (Nr. 15). Die ISSB-Standards erwähnt der Rechtstext nicht; Anlage C ordnet die Datenpunkte nur der SFDR, den Säule-3-Offenlegungen der EBA und der Referenzwerte-Verordnung zu. Aufgenommen wurden Erleichterungen für sehr kleine Betriebe (bis zu 10 Mitarbeitende) und die Obergrenze für die Wertschöpfungskette (Value Chain Cap) für Unternehmen mit bis zu 1.000 Mitarbeitenden, anwendbar ab dem Geschäftsjahr 2027. Die bisherige VSME-Empfehlung (EU) 2025/1710 ist damit nicht mehr rechtswirksam.
Meine Einschätzung: Wer jetzt mit dem Basic Module startet, ist richtig positioniert. Der VS ist ein leichtgewichtiger Standard geblieben, und das Basismodul ist die Voraussetzung für das Zusatzmodul (Nr. 7).
Der entscheidende Punkt: Besser einen schlanken Bericht mit Benchmark-Proxies heute als ein perfekter Bericht in zwei Jahren. Der Markt wartet nicht.
Fazit: Ein Benchmark ist kein Gesetz, aber ein Kompass
Die VSME-Vorlage ist ein Werkzeug, aber ohne Daten bleibt sie leer. Die Benchmark-Analyse von mehr als 1.000 realen europäischen CSRD-Berichten liefert euch die fehlenden Puzzleteile: Realistische CO₂-Werte, typische Relevanzthemen, Scope 3-Proxies.
Nutzt diese Zahlen als Orientierung für euren ersten Bericht, als Plausibilitäts-Check vor dem Bankgespräch oder als Argumentationshilfe gegenüber überzogenen Kundenanfragen. Ab 2026 wird der VSME faktisch zur Pflicht, durch Banken, durch Großkunden, durch Markterwartungen. Wer jetzt startet, hat einen Vorsprung.
Ein Benchmark ist kein Gesetz. Er sagt euch nicht, was ihr tun müsst, aber er zeigt, wo ihr steht. Und das ist in einer Welt ohne klare Vorgaben oft der wertvollste Input.
Braucht ihr strategische Unterstützung? Vom Benchmark zum Vorreiter ist der nächste Schritt. Sprecht mich an zu eurer individuellen VSME-Roadmap, von der Datenerhebung über die Relevanzprüfung bis zur Integration in eure Unternehmensstrategie.