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ESG‑Kriterien Unternehmen 2026: Was Banken, Kunden und Regulatoren wirklich erwarten

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ESG-Kriterien sind die Kennzahlen, an denen Banken, Großkunden und Regulierung messen, wie ein Unternehmen mit Umwelt, Menschen und der eigenen Führung umgeht. Wer wissen will, welche das konkret sind, braucht keine Regulierungstheorie, sondern eine Liste mit Kennzahl und Adressat. Genau die steht hier, dazu die Regeln, die in Deutschland wirklich gelten, und der Weg zu Zahlen, die einer Prüfung standhalten.

Was sind ESG-Kriterien? Definition für Unternehmen

ESG-Kriterien sind messbare Anforderungen an die Umwelt-, Sozial- und Führungsleistung eines Unternehmens. E steht für Environmental und meint Emissionen, Energie, Abfall und Klimarisiken. S steht für Social und meint Arbeitssicherheit, Weiterbildung, Entlohnung und Menschenrechte in der Lieferkette. G steht für Governance und meint Korruptionsprävention, Verhaltensregeln, Datenschutz und die Zusammensetzung der Führungsgremien.

Der Unterschied zu CSR liegt im Nachweis. CSR beschreibt, was ein Unternehmen freiwillig tut, und wird kommuniziert. ESG-Kriterien werden geprüft, verglichen und in Kredit- und Einkaufsentscheidungen eingerechnet. Ein Nachhaltigkeitskapitel im Imagebericht hilft deshalb nicht weiter, wenn die Bank nach den Emissionen aus Scope 1 und 2 fragt.

Welche ESG-Kriterien gibt es? Die wichtigsten je Säule im Überblick

Eine amtliche Gesamtliste gibt es nicht. In der Praxis landen die Anfragen aber immer wieder bei denselben Punkten. Diese fünfzehn Kriterien decken ab, was in Lieferantenfragebögen, Kreditgesprächen und im freiwilligen Berichtsstandard tatsächlich abgefragt wird, jeweils mit der Kennzahl, die ihr dafür braucht, und mit dem, der danach fragt.

#KriteriumBeispielkennzahlWer fragt danach
1Treibhausgase Scope 1 und 2 (Umwelt)t CO₂e pro JahrBank, Großkunde
2Scope 3 in den wesentlichen Kategorient CO₂e pro JahrGroßkunde, Investor
3Energieverbrauch und Anteil erneuerbarer EnergieMWh, Anteil in ProzentBank, Förderstelle
4Abfall und Kreislaufwirtschaftt Abfall, RecyclinganteilGroßkunde
5Klimarisiken je Standortbewertete Standorte, betroffener UmsatzanteilBank, Versicherer
6Arbeitssicherheit (Soziales)Unfälle je Million ArbeitsstundenGroßkunde, Versicherer
7WeiterbildungStunden je Beschäftigten und JahrInvestor, Bericht
8Entlohnung und TarifbindungAnteil der Belegschaft unter TarifGroßkunde
9FluktuationAustritte in Prozent der BelegschaftInvestor
10Menschenrechte in der LieferketteAnteil geprüfter LieferantenKunde mit Sorgfaltspflicht
11Korruption und Bestechung (Führung)Verurteilungen, Bußgelder in EuroBank, Kunde
12Verhaltenskodex und Compliancevorhanden, Datum der letzten SchulungKunde
13Zusammensetzung des LeitungsgremiumsFrauenanteil in ProzentInvestor
14IT-Sicherheit und Datenschutzmeldepflichtige Vorfälle pro JahrKunde, Versicherer
15Umsatz aus ausgeschlossenen GeschäftsfeldernAnteil am Umsatz in ProzentBank, Investor

Der Realitätscheck dazu: In der Auswertung von 1.401 europäischen Nachhaltigkeitsberichten wiederholen sich genau diese Kennzahlen. Die Berichte stammen allerdings ganz überwiegend von großen Unternehmen, übertragbar sind für kleinere Betriebe deshalb die Intensitätswerte je Beschäftigten oder je Million Umsatz, nicht die Absolutzahlen. Welche Kennzahlen sich zur internen Steuerung eignen, steht in der Übersicht zu den wichtigsten ESG-Kennzahlen.

Welche ESG-Regeln in Deutschland für dein Unternehmen gelten

In Deutschland wirken drei Ebenen: die europäischen Berichtsstandards, die Sorgfaltspflichten in der Lieferkette und die EU-Taxonomie für alles, was als nachhaltige Wirtschaftstätigkeit gelten soll. Was davon euch trifft, hängt an der Größe.

  • Bis 50 Beschäftigte: keine Berichtspflicht. Die Fragen kommen von Kunden und der Bank. Das Basismodul des freiwilligen Standards reicht dafür aus.
  • Um die 250 Beschäftigte: weiterhin keine Pflicht, dafür regelmäßig Lieferantenfragebögen. Hier lohnt das Zusatzmodul, weil Kunden nach Klimazielen und Menschenrechten fragen. Wie das aussieht, zeigen diese VSME-Berichte aus der Praxis.
  • Ab 1.000 Beschäftigten und 450 Millionen Euro Umsatz: berichtspflichtig nach den ESRS, für Geschäftsjahre ab 2027 und damit erstmals im Jahr 2028. Wer nur eine der beiden Schwellen reißt, bleibt draußen.

Unterhalb von 1.000 Beschäftigten gilt zusätzlich ein Deckel: Kunden dürfen nicht mehr Daten verlangen, als der freiwillige Standard vorsieht. Das ist ein Recht, kein Automatismus, im Einkaufsgespräch müsst ihr es aussprechen.

Meine Position zum Omnibus-Paket, das diese Schwellen gebracht hat: Das ist kein Bürokratieabbau, das ist Datenlöschung auf Raten. Wer die Schwelle auf 1.000 Beschäftigte anhebt und gleichzeitig behauptet, am Klimaschutz ändere sich nichts, rechnet nicht nach. Klima- und Biodiversitätsdaten, die nie erhoben werden, tauchen in keinem Finanzrisikomodell auf. Die Lücke zahlen später Kreditgeber und Investoren.

Was Banken, Kunden und Ratings wirklich von dir verlangen

Gefragt wird nicht nach einer Strategie, gefragt wird nach Nachweisen. Diese fünf liegen bei Banken und Großkunden fast immer zuerst auf dem Tisch:

  1. Eine CO₂-Bilanz für Scope 1 und 2, mit Bilanzjahr und Methode.
  2. Der Energieverbrauch der letzten zwei Jahre, aus Rechnungen belegbar.
  3. Ein Klimaziel mit Basisjahr und Zieljahr, keine Absichtserklärung.
  4. Ein Verhaltenskodex und der Nachweis, dass die Belegschaft ihn kennt.
  5. Angaben zur Lieferkette: welche Lieferanten geprüft wurden und wonach.

Ratings sortieren diese Nachweise, sie ersetzen sie nicht. Ecovadis und ähnliche Scores sind Boxticking-Theater: Der Score steigt durch hochgeladene Dokumente, nicht durch weniger Emissionen. Wer das als ESG-Strategie verkauft, verfehlt den Punkt. Bei der Bank entscheidet, ob eure Zahlen aus einer nachvollziehbaren Quelle kommen, und die Aufsicht verschärft diese Frage laufend, wie die 9. MaRisk-Novelle zeigt.

In fünf Schritten zu belastbaren ESG-Kennzahlen

  1. Anwendungsbereich festlegen: welche Standorte, welche Gesellschaften, welches Geschäftsjahr.
  2. Wesentliche Themen bestimmen. Für kleinere Unternehmen reicht eine schlanke Version der doppelten Wesentlichkeitsanalyse, entscheidend ist die Begründung, warum ein Thema draußen bleibt.
  3. Daten dort holen, wo sie ohnehin liegen: Energierechnungen, Lohnbuchhaltung, Fuhrpark, Einkauf. Erst danach über ein Werkzeug nachdenken.
  4. Ziele rechenbar machen, mit Basisjahr, Zieljahr und Geltungsbereich. Der Weg dahin steht in den fünf Schritten zu wissenschaftsbasierten Klimazielen.
  5. Einmal schreiben, jährlich fortschreiben. Der Wert entsteht im Vergleich zum Vorjahr, nicht im ersten Bericht.

Der erste Durchlauf dauert länger als erwartet, weil die Daten verstreut liegen, nicht weil der Standard schwierig wäre. Ab dem zweiten Jahr ist es Routine.

Sehen, wo euer Unternehmen im Branchenvergleich steht, schon beim Schreiben des Berichts.

VSEasy vergleicht eure Kennzahlen mit 1.401 echten Nachhaltigkeitsberichten und zeigt je Modul, wo ihr über und unter dem Branchenmedian liegt. Schritt für Schritt durch den Voluntary Standard, mit KI-Unterstützung und konkreten Business Opportunities statt monatelangem Excel-Chaos.

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Häufig gestellte Fragen zu ESG-Kriterien für Unternehmen

Wie viele ESG-Kriterien gibt es?

Es gibt keine feste Zahl, weil keine Behörde eine abschließende Liste führt. Der Voluntary Standard, früher als VSME bekannt, kommt im Basismodul auf elf Angabenblöcke von B1 bis B11 und im Zusatzmodul auf neun weitere. Die fünfzehn Kriterien in der Tabelle oben decken ab, was in der Praxis abgefragt wird.

Wer muss ESG-Kriterien erfüllen und ab welcher Unternehmensgröße?

Gesetzlich berichtspflichtig sind Unternehmen mit mehr als 1.000 Beschäftigten und mehr als 450 Millionen Euro Umsatz, für Geschäftsjahre ab 2027. Alle anderen erfüllen keine Pflicht, bekommen die Fragen aber trotzdem: von Großkunden im Einkauf und von der Bank bei der Kreditverlängerung.

Was sind ESG-Ausschlusskriterien und wen betreffen sie?

Ausschlusskriterien sind Geschäftsfelder, die Fonds und Banken von vornherein nicht finanzieren, etwa Rüstung, Tabak, Kohle oder Glücksspiel. Betroffen sind nicht nur die Hersteller: Auch Zulieferer mit einem Umsatzanteil in diesen Feldern fallen aus dem Anlageuniversum, oft ohne es zu erfahren.

Welche ESG-Kriterien fragt meine Bank im Kreditgespräch ab?

Meist Scope 1 und 2, den Energieverbrauch, die Klimarisiken der Standorte und die Frage, ob es ein Klimaziel mit Basisjahr gibt. Dahinter steht die Aufsicht: Banken müssen Klimarisiken im Kreditprozess berücksichtigen und reichen die Frage an euch weiter.

Was kostet mich die Erfüllung der ESG-Kriterien als kleines Unternehmen?

Der Aufwand liegt in der Datenbeschaffung, nicht in der Software. Wer Energierechnungen, Lohndaten und Fuhrparkdaten beisammen hat, kommt für den ersten Bericht mit wenigen Tagen Arbeit aus. Teuer wird es, wenn jede Zahl einzeln zusammengesucht oder der Bericht dreimal umgebaut wird.

Johannes Fiegenbaum

Johannes Fiegenbaum

ESG- und Nachhaltigkeitsberater mit Schwerpunkt auf VSME‑Berichterstattung und Klimarisikoanalysen. Begleitet seit 2014 über 300 Projekte für den Mittelstand sowie für Großbanken und Versicherungskonzerne.

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