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16 min Lesezeit

EU Omnibus 2025: –68% Datenpunkte, +2 Jahre Zeit – Bist du betroffen? [Checkliste]

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Das EU-Omnibus-Paket 2025 bringt die größte Vereinfachung der CSRD-Berichterstattung seit Einführung der Richtlinie: –68% Datenpunkte (von 1.000+ auf ~400), +2 Jahre zusätzliche Vorbereitungszeit (Stop-the-Clock) und –80% berichtspflichtige Unternehmen. Die Änderungen betreffen Phase-2-Unternehmen (Geschäftsjahr 2027 statt 2025) und Phase-3-Unternehmen (Geschäftsjahr 2028 statt 2026) besonders stark.

Dieser Artikel ist Teil unseres umfassenden ESRS Leitfadens 2026 und beleuchtet die konkreten Auswirkungen des EU-Omnibus-Pakets auf die CSRD-Berichterstattung.

Wichtig: Das Omnibus-Paket ist noch nicht finales Recht – die Vorschläge müssen noch von EU-Parlament und Rat verabschiedet werden (Stand: Dezember 2024). Nur die "Stop-the-Clock"-Verschiebung wurde bereits angenommen.

Omnibus Quick-Check: Bin ich betroffen? [5-Minuten-Analyse]

Diese Checkliste zeigt dir innerhalb von 5 Minuten, ob und wie stark das Omnibus-Paket dein Unternehmen betrifft. Beantworte die folgenden Fragen:

Schritt 1: Berichtspflicht-Status prüfen

Kriterium Deine Situation Omnibus-Effekt
Unternehmensgröße Mehr als 1.000 Mitarbeiter UND mehr als 450 Mio. EUR Jahresumsatz? JA → Volle CSRD-Berichtspflicht bleibt (keine Erleichterung durch Omnibus)
NEIN → Gehe zu Schritt 2
Phase-Zuordnung Welche Berichtswelle betrifft dich?
• Phase 1: NFRD-Unternehmen (Start 2024)
• Phase 2: ≥250 Mitarbeiter (Start 2027 statt 2025)
• Phase 3: Börsennotierte KMU (Start 2028 statt 2026)
Phase 1 → Keine Stop-the-Clock-Verschiebung
Phase 2/3 → +2 Jahre zusätzliche Vorbereitungszeit
Börsenstatus Ist dein Unternehmen börsennotiert? JA → CSRD-Pflicht nach Phase-Timeline
NEIN + KMUKeine CSRD-Pflicht (freiwillige VSME-Option)

Schritt 2: Omnibus-Vereinfachungen bewerten

Wenn du CSRD-pflichtig bist (Phase 2 oder 3): Welche Erleichterungen greifen konkret für dich?

Vereinfachung Gilt für dich? Konkrete Ersparnis
–68% Datenpunkte
(~400 statt 1.000+)
Alle CSRD-pflichtigen Unternehmen in ersten 2 Berichtsjahren Ca. 30-50% Zeitersparnis bei Datenerfassung
Kosteneinsparung: 50.000-150.000 EUR (Jahr 1-2)
Stop-the-Clock
(+2 Jahre Zeit)
Phase 2: Geschäftsjahr 2027 statt 2025
Phase 3: Geschäftsjahr 2028 statt 2026
Längerer Aufbau von ESG-Infrastruktur
Mehr Zeit für Software-Auswahl und Datenqualität
Vereinfachte Scope 3
(Stufenweiser Ansatz)
Unternehmen bis 750 Mitarbeiter Scope 3 erst ab Jahr 2 verpflichtend
Jahr 1 nur Scope 1+2
Keine branchenspezifischen ESRS
(Sektor-ESRS gestrichen)
Alle CSRD-pflichtigen Unternehmen Wegfall von 50-150 zusätzlichen Datenpunkten je nach Branche
Reduzierte Prüfungsanforderungen
(Limited Assurance leichter)
Alle CSRD-pflichtigen Unternehmen Kosteneinsparung externe Prüfung: 20.000-50.000 EUR/Jahr
ESRS E4 nur qualitativ
(Biodiversität 2025-2026)
Alle CSRD-pflichtigen Unternehmen (temporär) Keine quantitativen Biodiversitäts-Metriken bis 2027

Schritt 3: Lieferketten-Exposition bewerten

Wenn du NICHT CSRD-pflichtig bist: Bist du trotzdem indirekt betroffen als Zulieferer?

Frage Ja Nein
Belieferst du CSRD-pflichtige Unternehmen? Indirekt betroffen → Scope-3-Datenanfragen wahrscheinlich Nicht betroffen (derzeit)
Fordern deine Kunden bereits ESG-Daten? Omnibus-Vorteil: Begrenzung übermäßiger Datenanforderungen
Freiwilliges VSME-Reporting empfohlen
Vorbereitung auf zukünftige Anforderungen sinnvoll
Planst du grüne Finanzierung? VSME-Reporting als freiwilliger Standard empfohlen
(Banken/Investoren erwarten ESG-Transparenz)
Beobachtung des Markts ausreichend

Empfehlung für nicht-pflichtige KMU: Auch wenn du nicht CSRD-pflichtig bist, können freiwillige VSME-Berichte strategische Vorteile bringen:

  • Proaktive Antwort auf Scope-3-Anfragen größerer Kunden
  • Zugang zu Green Finance und ESG-linked Loans
  • Wettbewerbsvorteil gegenüber Konkurrenten ohne ESG-Reporting
  • Vorbereitung auf mögliche zukünftige Berichtspflicht bei Wachstum

Für systematische Bewertung deiner Scope-3-Exposition nutze unseren Scope 3 Quick Check.

Schritt 4: Quick Decision – Zusammenfassung

Du bist stark betroffen wenn:

  • Phase 2 oder 3 CSRD-pflichtig (profitierst von Stop-the-Clock + –68% Datenpunkte)
  • Zulieferer mit hohen ESG-Datenanfragen (profitierst von Begrenzung übermäßiger Anforderungen)
  • Unternehmen bis 750 Mitarbeiter (profitierst von Scope-3-Stufenansatz)

Du bist wenig/nicht betroffen wenn:

  • Nicht börsennotiert + unter 250 Mitarbeiter (keine CSRD-Pflicht, VSME freiwillig)
  • Keine CSRD-pflichtigen Kunden (keine Scope-3-Datenanfragen)
  • Phase 1 NFRD-Unternehmen (keine Stop-the-Clock-Verschiebung, aber –68% Datenpunkte in ersten 2 Jahren)

Nächste Schritte: Für detaillierte Implementierungsplanung siehe unseren CSRD-Bericht 2025: Inhalte, Fristen, Umsetzung mit konkreter Timeline und Ressourcenanforderungen.

Die 5 Haupt-Vereinfachungen des Omnibus-Pakets im Detail

1. Neue Schwellenwerte: –80% berichtspflichtige Unternehmen

Die drastische Reduktion des Anwendungsbereichs um 80% betrifft primär nicht-börsennotierte KMU. Neue Schwelle für volle CSRD-Berichtspflicht:

  • Mehr als 1.000 Mitarbeiter UND
  • Mehr als 450 Mio. EUR Jahresumsatz

Wichtig: Für nicht-börsennotierte KMU unter diesen Schwellenwerten entfällt die Pflicht zur CSRD-Berichterstattung vollständig. Es steht ihnen jedoch frei, freiwillig nach dem vereinfachten VSME-Standard zu berichten – etwa zur Vorbereitung auf zukünftige Kundenanforderungen, für Investor Relations oder zur Sicherstellung von Zugang zu grüner Finanzierung.

2. Stop-the-Clock: +2 Jahre zusätzliche Vorbereitungszeit

Die "Stop-the-Clock"-Regelung verschiebt die Berichtspflichten für Phase 2 und 3 um jeweils zwei Jahre:

Berichtswelle Ursprüngliche Fristen Neue Fristen (Stop-the-Clock)
Phase 1: NFRD-Unternehmen Geschäftsjahr 2024 → Einreichung 2025 Keine Verschiebung (bereits in Umsetzung)
Phase 2: Große Unternehmen (≥250 MA) Geschäftsjahr 2025 → Einreichung 2026 Geschäftsjahr 2027 → Einreichung 2028
Phase 3: Börsennotierte KMU Geschäftsjahr 2026 → Einreichung 2027 Geschäftsjahr 2028 → Einreichung 2029

Strategischer Vorteil: Die zusätzlichen zwei Jahre ermöglichen strukturierten Aufbau von ESG-Infrastruktur, Datenqualitäts-Verbesserungen und Software-Implementierung ohne Zeitdruck. Für konkrete Implementierungs-Timelines siehe CSRD-Bericht 2025 Guide.

3. –68% Datenpunkte: Von 1.000+ auf ~400 (erste 2 Jahre)

Die European Sustainability Reporting Standards (ESRS) wurden massiv vereinfacht:

  • Ursprünglich: 1.000+ verpflichtende Datenpunkte über alle 12 ESRS-Standards
  • Nach Omnibus (Jahr 1-2): ~400 Datenpunkte (Reduktion um –68%)
  • Gestrichene Anforderungen: Branchenspezifische ESRS (Sektor-ESRS), erweiterte Lieferketten-Details, quantitative Biodiversitäts-Metriken (ESRS E4 nur qualitativ bis 2026)

Praktische Auswirkung: 30-50% Zeitersparnis bei Datenerfassung, Kosteneinsparung 50.000-150.000 EUR in ersten zwei Berichtsjahren (externe Beratung, Software, interne Ressourcen).

4. Stufenweiser Scope-3-Ansatz für Unternehmen bis 750 Mitarbeiter

Omnibus-Erleichterung für kleinere CSRD-pflichtige Unternehmen:

  • Jahr 1: Nur Scope 1 + Scope 2 (direkte + indirekte Energie-Emissionen)
  • Ab Jahr 2: + Scope 3 Upstream (eingekaufte Waren/Dienstleistungen)
  • Ab Jahr 3: + Scope 3 Downstream (Produktnutzung, End-of-Life)

Für pragmatische Scope-3-Bewertung nutze unseren Scope 3 Quick Check – zeigt innerhalb 10 Minuten deine größten Emissionsquellen und Quick Wins.

5. Begrenzung übermäßiger Lieferketten-Anforderungen

Das Omnibus-Paket schützt KMU-Zulieferer vor unverhältnismäßigen ESG-Datenanfragen:

  • Obergrenze: Große Unternehmen dürfen nicht unbegrenzt detaillierte Daten von Zulieferern fordern
  • "Nicht verfügbar"-Option: KMU können Datenpunkte als "nicht verfügbar" kennzeichnen, wenn Beschaffung unverhältnismäßig aufwändig
  • Fokus auf Tier 1: Primäre Berichtspflicht nur für direkte Lieferanten (Tier 1), nicht gesamte Wertschöpfungskette

Strategischer Hinweis: Auch mit Obergrenze empfehlen wir KMU-Zulieferern freiwilliges VSME-Reporting – proaktive Antwort auf Kundenanfragen schafft Wettbewerbsvorteil.

Kontroverse: Entlastung oder Verwässerung der CSRD? [Balanced View]

Das Omnibus-Paket polarisiert Stakeholder. Während viele Unternehmen die Vereinfachungen begrüßen, warnen NGOs, Parlamentarier und einige Unternehmen vor systematischer Schwächung der Transparenzpflichten.

Kritische Stimmen: Die 5 Hauptbedenken

1. Gefahr der Daten-Lücken durch reduzierte Berichtspflicht
NGO-Netzwerke und einige Unternehmen befürchten, dass die Anhebung der Schwellenwerte (nur noch Unternehmen >1.000 MA, >450 Mio. EUR) zu systematischen Datenlücken führt. Viele mittelgroße Unternehmen mit signifikanten Umwelt- und Sozialauswirkungen fallen aus der Berichtspflicht.

"Die geplanten Vereinfachungen laufen Gefahr, zentrale Prinzipien der CSRD – wie die doppelte Materialität und die Vergleichbarkeit von ESG-Daten – abzuschwächen" – European Coalition for Corporate Transparency

2. Sektor-ESRS-Streichung verhindert branchenspezifische Accountability
Die ursprünglich geplanten branchenspezifischen ESRS (z.B. für Textil, Automobil, Chemie) sollten sicherstellen, dass branchenkritische Nachhaltigkeitsrisiken systematisch erfasst werden. Die Omnibus-Streichung dieser Standards bedeutet: Generic Reporting statt Branchen-spezifischer Tiefe.

Praktisches Problem: Textilunternehmen ohne Sektor-ESRS können Zwangsarbeit-Risiken in Wertschöpfungsketten weniger systematisch offenlegen als ursprünglich vorgesehen.

3. Begrenzung von Lieferketten-Berichterstattung schwächt Scope-3-Accountability
Die vorgesehene Begrenzung der Wertschöpfungskettenberichterstattung schützt zwar KMU-Zulieferer, könnte aber gleichzeitig zu geringerer Verantwortung großer Unternehmen für ihre indirekten Emissionen und Menschenrechtsrisiken führen.

Paradoxe Situation: Scope 3 macht typischerweise 70-90% der Gesamt-CO2-Emissionen aus – genau dieser Bereich wird durch Omnibus am stärksten vereinfacht.

4. ESRS E4 (Biodiversität) auf 2027 verschoben – kritisches Momentum verloren
Die temporäre Ausnahme für ESRS E4 (nur qualitative Berichterstattung bis 2026) wird kritisiert, weil gerade Biodiversitäts-Reporting den größten Nachholbedarf hat. Verzögerung um 2 Jahre könnte bedeuten: Business-as-usual bei biodiversitäts-kritischen Branchen (Land- und Forstwirtschaft, Infrastruktur, Bergbau).

5. Politisches Signal: EU gibt Wirtschafts-Lobby nach
Einige Fachleute bemängeln, dass die EU mit dem Omnibus-Paket dem Druck aus der Wirtschaft zu stark nachgibt und das ursprüngliche Ziel der CSRD – einheitliche, ambitionierte und zukunftssichere Nachhaltigkeitsberichterstattung – verwässert wird.

Verteidigende Perspektive: Die 4 Haupt-Gegenargumente

1. Pragmatismus statt Perfektion: Umsetzbarkeit war gefährdet
Viele Unternehmen – insbesondere Mittelständler – sahen sich mit der ursprünglichen CSRD überfordert. Die Omnibus-Vereinfachungen stellen sicher, dass die Richtlinie überhaupt implementierbar bleibt, statt in unrealistischen Compliance-Kosten zu ersticken.

2. Fokus auf Material-Relevanz: Qualität statt Quantität
Die Reduktion von 1.000+ auf ~400 Datenpunkte bedeutet nicht automatisch weniger Transparenz – sondern Fokus auf wesentliche Informationen. Die doppelte Materialität bleibt bestehen: Unternehmen berichten, was wirklich relevant ist.

3. Freiwillige VSME-Standards fangen KMU auf
Auch wenn nicht-börsennotierte KMU nicht mehr CSRD-pflichtig sind, können sie freiwillig nach VSME berichten. Dies schafft pragmatischen Mittelweg: Keine Zwangsberichterstattung, aber Option zur Transparenz für diejenigen, die es brauchen (Zulieferer, Finanzierung).

4. Stop-the-Clock ermöglicht bessere Datenqualität
Die +2 Jahre zusätzliche Vorbereitungszeit bedeuten: Unternehmen können ESG-Infrastruktur strukturiert aufbauen statt in Panik zu berichten. Langfristig führt dies zu besserer Datenqualität und nachhaltigeren Prozessen.

Unsere Einschätzung: Balanced Reality-Check

Kritik ist berechtigt: Die Omnibus-Vereinfachungen schwächen faktisch einige Kernelemente der CSRD (Sektor-ESRS, umfassende Lieferketten-Transparenz, Biodiversitäts-Accountability). Die ursprünglich ambitionierte Vision einer vollständigen, vergleichbaren EU-weiten Nachhaltigkeitstransparenz wird abgeschwächt.

Pragmatismus war notwendig: Die ursprüngliche CSRD-Komplexität hätte zu massiver Non-Compliance geführt – entweder durch faktische Überforderung oder durch politischen Backlash. Omnibus ist Kompromiss zwischen Ambition und Umsetzbarkeit.

Die Datenlücken werden bleiben: Auch mit freiwilligem VSME werden viele mittelgroße Unternehmen nicht berichten – die EU hofft, dass Marktdruck (Scope-3-Anfragen, Investor Relations) freiwillige Transparenz erzwingt. Ob das funktioniert, bleibt abzuwarten.

Unser Rat für Unternehmen: Nutzt die Omnibus-Vereinfachungen nicht als Ausrede für Minimalismus – ESG-Transparenz wird Wettbewerbsfaktor bleiben, egal ob gesetzlich verpflichtend oder nicht. Investiert in systematische ESG-Infrastruktur, auch wenn ihr nur freiwillig berichtet. Mehr dazu in unserem VSME Praxis-Guide.

Von Omnibus-Vereinfachungen zur strategischen CSRD-Implementierung

Das Omnibus-Paket schafft Luft zum Atmen – aber die CSRD bleibt komplex. Diese Ressourcen helfen dir, die Vereinfachungen strategisch zu nutzen:

Für CSRD-pflichtige Unternehmen (Phase 2/3)

1. Strukturierte Implementierung mit Stop-the-Clock-Zeitplan
Unser CSRD-Bericht 2025: Inhalte, Fristen, Umsetzung zeigt konkrete Timelines für Phase 2/3 unter Berücksichtigung der Omnibus-Verschiebungen:

  • Jahr 1 (2025/2026): Materialitätsanalyse, Gap-Assessment
  • Jahr 2 (2026/2027): Dateninfrastruktur, Software-Auswahl
  • Jahr 3 (2027): Mock-Reporting, Audit-Vorbereitung
  • Jahr 4 (2028): Go-Live mit optimierten Prozessen

2. Systematische Materialitätsanalyse trotz reduzierter Datenpunkte
–68% Datenpunkte bedeutet nicht: Materialität ignorieren. Die Doppelte Wesentlichkeitsanalyse bleibt Kern der CSRD – unser Guide zeigt, wie du mit Omnibus-Vereinfachungen die wirklich relevanten Themen identifizierst.

3. ESRS-Standards verstehen (auch nach Omnibus-Reduktion)
Alle 12 ESRS bleiben bestehen – nur mit weniger Datenpunkten. Unser ESRS Standards 2026 Komplett-Guide erklärt die Struktur und zeigt, welche Standards auch nach Omnibus material bleiben.

Für nicht-pflichtige KMU (indirekt betroffen)

4. Freiwilliges VSME-Reporting als strategische Option
Auch ohne CSRD-Pflicht profitierst du von strukturiertem ESG-Reporting. Unser VSME Praxis-Guide mit 5 Branchen-Fallstudien zeigt:

  • Wie KMU proaktiv auf Scope-3-Anfragen reagieren
  • Welches VSME-Modul (Basic vs Comprehensive) zu dir passt
  • Konkrete Kosten-Nutzen-Rechnung für freiwilliges Reporting
  • ROI durch besseren Zugang zu Green Finance

5. Quick-Tools für pragmatische Erstbewertung

Fazit: Omnibus als pragmatischer Kompromiss – mit strategischer Vorsicht

Das EU-Omnibus-Paket 2025 bringt faktische Erleichterungen: –68% Datenpunkte, +2 Jahre Zeit, –80% berichtspflichtige Unternehmen. Für Phase-2- und Phase-3-Unternehmen bedeutet dies realistischere Implementierungszeitfenster und geringere Erstjahres-Kosten (Einsparung 50.000-150.000 EUR).

Aber: Noch offen ist, wie stark die neuen Schwellenwerte in der Praxis tatsächlich zu weniger Berichterstattung führen – denn viele Unternehmen entlang der Lieferkette werden trotz fehlender Pflicht weiterhin ESG-Daten liefern müssen (Scope-3-Anfragen). Auch bleibt abzuwarten, wie einheitlich die Stop-the-Clock-Regelung in den Mitgliedstaaten umgesetzt wird.

Kritische Realität: Die Omnibus-Vereinfachungen sind politischer Kompromiss – sie schwächen einige Kernelemente der CSRD (Sektor-ESRS, umfassende Lieferketten-Transparenz, Biodiversitäts-Accountability). Die ursprünglich ambitionierte Vision wird abgeschwächt, aber die Richtlinie bleibt umsetzbar.

Warum frühzeitige Vorbereitung trotz Omnibus entscheidend bleibt

Unternehmen, die die Omnibus-Vereinfachungen nutzen, um ESG-Infrastruktur strategisch aufzubauen (statt Reporting zu minimieren), verschaffen sich mehrere Vorteile:

  • Besserer Zugang zu Kapital: ESG-Transparenz wird Voraussetzung für Green Finance, ESG-linked Loans, Sustainable Bonds
  • Reduzierung finanzieller Risiken: Frühe Identifikation von Klimarisiken, Lieferketten-Vulnerabilitäten, Reputationsrisiken
  • Gestärkte betriebliche Widerstandsfähigkeit: Systematisches ESG-Management führt zu Kosteneinsparungen (Energie-Effizienz, Ressourcen-Optimierung)
  • Wettbewerbsvorteil: Proaktive ESG-Positionierung differenziert von Wettbewerbern, die Minimalismus betreiben

Unser Rat: Nutzt die +2 Jahre durch Stop-the-Clock für strukturierten Aufbau – nicht für Prokrastination. Mit unserem CSRD-Bericht 2025 Guide und den VSME-Praxisbeispielen könnt ihr den gesamten Prozess – von Gap-Analyse bis Audit-Vorbereitung – erfolgreich meistern.

Wichtiger Hinweis: Alle hier beschriebenen Änderungen basieren auf dem Vorschlag der EU-Kommission vom Frühjahr 2025. Eine finale Verabschiedung durch EU-Parlament und Rat steht noch aus (Stand: Dezember 2024). Nur die Stop-the-Clock-Verschiebung wurde bereits formal angenommen.

Omnibus vs. VSME: Welcher Standard passt zu deinem Unternehmen?

Mit dem Omnibus-Paket entsteht eine wichtige Weggabelung: Unternehmen, die durch die angehobenen Schwellenwerte aus der CSRD-Pflicht herausfallen, stehen vor der Frage, welcher Nachhaltigkeitsrahmen für sie künftig sinnvoll ist. Hier kommt der VSME-Standard (Voluntary Sustainability Reporting Standard for SMEs) ins Spiel – ein freiwilliges Berichtsformat, das speziell für kleine und mittlere Unternehmen entwickelt wurde und deutlich schlanker aufgebaut ist als die volle ESRS-Berichterstattung.

Der entscheidende Unterschied: Die CSRD mit ihren ESRS-Standards ist für größere, berichtspflichtige Unternehmen konzipiert und verlangt – selbst nach den Omnibus-Vereinfachungen – erhebliche Ressourcen für Doppelte Wesentlichkeitsanalyse, externe Prüfung und umfangreiche Offenlegungen. Der VSME hingegen bietet ein zweistufiges Modell: ein Basis-Modul mit rund 50 Datenpunkten und ein erweitertes Modul für Unternehmen mit komplexeren Lieferkettenbeziehungen. Für KMU, die vor allem auf Druck von Banken, Kunden oder Investoren berichten müssen, kann der VSME die pragmatischere Wahl sein.

Unsere Empfehlung: Prüfe zunächst, ob du nach den neuen Omnibus-Schwellenwerten überhaupt noch pflichtberichtspflichtig bist. Falls nicht, bewerte den VSME als strukturierten Einstieg – er schafft Transparenz gegenüber Stakeholdern, ohne dich in den vollständigen ESRS-Apparat zu zwingen. Bist du hingegen weiterhin CSRD-pflichtig (Phase 2 oder 3), bleibt der VSME für dich irrelevant; hier gelten die reduzierten ESRS-Anforderungen des Omnibus.

Häufige Missverständnisse zum Omnibus: Was NICHT geändert wird

Rund um das Omnibus-Paket kursieren viele Vereinfachungen, die in dieser Form schlicht falsch sind. Das gefährlichste Missverständnis: „Die CSRD ist praktisch abgeschafft." Das stimmt nicht. Rund 20.000 Unternehmen in der EU bleiben weiterhin berichtspflichtig – darunter alle börsennotierten Unternehmen über den neuen Schwellenwerten sowie große Nicht-EU-Konzerne mit erheblicher EU-Präsenz. Die Kernarchitektur der ESRS-Standards, inklusive der Doppelten Wesentlichkeitsanalyse, bleibt bestehen.

Ein weiteres Missverständnis betrifft die Scope-3-Emissionen: Der Omnibus reduziert zwar die Reportingtiefe und verlängert Fristen, hebt aber die grundsätzliche Pflicht zur Auseinandersetzung mit vorgelagerten und nachgelagerten Emissionen nicht auf. Ebenso bleibt die externe Prüfungspflicht erhalten – zunächst auf „Limited Assurance"-Niveau, mit einer langfristigen Perspektive auf „Reasonable Assurance". Wer hofft, ganz auf eine Prüfung verzichten zu können, liegt falsch.

Schließlich gilt: Die Lieferkettenpflichten gegenüber deinen Geschäftspartnern verschwinden nicht automatisch. Zwar begrenzt der Omnibus übermäßige Datenweitergabe-Anforderungen an KMU, doch große Unternehmen dürfen weiterhin Nachhaltigkeitsinformationen von ihren Lieferanten anfordern – nur eben nicht mehr unbegrenzt. Kurz gesagt: Der Omnibus reduziert den Aufwand spürbar, ersetzt aber keine strategische Auseinandersetzung mit ESG-Themen.

FAQ: Die 7 wichtigsten Fragen zum Omnibus-Paket

1. Ist das Omnibus-Paket 2025 bereits geltendes Recht?

Noch nicht vollständig. Es handelt sich um einen Vorschlag der EU-Kommission, der noch das ordentliche Gesetzgebungsverfahren durchlaufen muss. Änderungen im weiteren Verlauf sind möglich. Einzig die Verschiebung der Fristen ("Stop the Clock") wurde bereits formal angenommen.

Next Step: Beobachte die finale Verabschiedung (erwartet: Q1/Q2 2026) – aber plane bereits jetzt mit den vorgeschlagenen Vereinfachungen, da substantielle Änderungen unwahrscheinlich sind.

2. Betrifft mich das Omnibus-Paket überhaupt?

Prüfe mit unserem Quick-Check oben. Generell gilt:

  • CSRD-pflichtig (Phase 2/3)? → Ja, stark betroffen (–68% Datenpunkte, +2 Jahre Zeit)
  • Nicht-börsennotiertes KMU? → Keine CSRD-Pflicht (freiwilliges VSME empfohlen bei Scope-3-Anfragen)
  • Zulieferer CSRD-pflichtiger Unternehmen? → Indirekt betroffen (Begrenzung übermäßiger Datenanforderungen schützt dich)

Next Step: Nutze unseren Scope 3 Quick Check zur Bewertung deiner Lieferketten-Exposition.

3. Wie funktioniert die "Stop-the-Clock"-Regelung konkret?

Für die Berichtsjahre 2026 und 2027 verschieben sich die Berichtspflichten für Phase 2 (große Unternehmen ≥250 MA) und Phase 3 (börsennotierte KMU) um jeweils zwei Jahre:

  • Phase 2: Geschäftsjahr 2027 statt 2025 (Veröffentlichung 2028 statt 2026)
  • Phase 3: Geschäftsjahr 2028 statt 2026 (Veröffentlichung 2029 statt 2027)

Next Step: Erstelle Implementierungs-Timeline mit CSRD-Bericht 2025 Guide – nutze die +2 Jahre für strukturierten Aufbau statt Prokrastination.

4. Was bedeuten "–68% Datenpunkte" praktisch für meinen Reportingaufwand?

Konkrete Ersparnis:

  • Zeitersparnis: 30-50% bei Datenerfassung in ersten 2 Berichtsjahren
  • Kostenersparnis: 50.000-150.000 EUR (externe Beratung, Software, interne Ressourcen)
  • Wegfall: Branchenspezifische ESRS, quantitative Biodiversitäts-Metriken (ESRS E4 bis 2026)

Next Step: Verstehe die verbleibenden ESRS-Standards mit unserem ESRS Standards 2026 Komplett-Guide.

5. Sollte ich als nicht-pflichtiges KMU trotzdem VSME-Reporting machen?

Ja, wenn eine der folgenden Situationen zutrifft:

  • Du belieferst CSRD-pflichtige Unternehmen (proaktive Antwort auf Scope-3-Anfragen)
  • Du planst grüne Finanzierung (Banken/Investoren erwarten ESG-Transparenz)
  • Starkes Wachstum geplant (Vorbereitung auf mögliche zukünftige CSRD-Pflicht)
  • Wettbewerbsdifferenzierung (ESG-Positionierung gegenüber Konkurrenten)

Next Step: Bewerte VSME Basic vs Comprehensive mit unserem VSME Praxis-Guide – inkl. Kosten-Nutzen-Rechnung.

6. Was passiert mit Scope 3 nach Omnibus?

Stufenweiser Ansatz für Unternehmen bis 750 Mitarbeiter:

  • Jahr 1: Nur Scope 1+2 verpflichtend
  • Ab Jahr 2: + Scope 3 Upstream (eingekaufte Waren/Dienstleistungen)
  • Ab Jahr 3: + Scope 3 Downstream (Produktnutzung, End-of-Life)

Next Step: Identifiziere deine größten Scope-3-Emissionsquellen mit Scope 3 Quick Check – auch wenn erst ab Jahr 2 verpflichtend.

7. Ist die Omnibus-Vereinfachung gut oder schlecht für Nachhaltigkeit?

Kontroverse Bewertung (siehe Kritik-Section oben):

Pro: Pragmatischer Kompromiss – ursprüngliche CSRD war zu komplex und nicht umsetzbar. Omnibus ermöglicht realistische Implementierung.

Contra: Schwächung von Kernelementen (Sektor-ESRS, Lieferketten-Transparenz, Biodiversität). Datenlücken durch erhöhte Schwellenwerte.

Unsere Einschätzung: Nutze die Vereinfachungen nicht als Ausrede für Minimalismus – ESG-Transparenz wird Wettbewerbsfaktor bleiben, egal ob gesetzlich verpflichtend oder nicht.

Next Step: Investiere in systematische ESG-Infrastruktur mit CSRD-Implementierungs-Roadmap – auch wenn du nur freiwillig berichtest.

Johannes Fiegenbaum

Johannes Fiegenbaum

ESG- und Nachhaltigkeitsberater mit Schwerpunkt auf VSME‑Berichterstattung und Klimarisikoanalysen. Begleitet seit 2014 über 300 Projekte für den Mittelstand und Konzerne – unter anderem Commerzbank, UBS und Allianz.

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