Von Johannes Fiegenbaum am 28.01.26, 15:19 · Zuletzt aktualisiert 12. Oktober 2026
Ob sich eine Wärmepumpe in deiner Gewerbeimmobilie rechnet, entscheidet nicht die Förderung. Es entscheiden das Verhältnis deines Strompreises zu deinem Gaspreis und die Jahresarbeitszahl (JAZ), die die Anlage im echten Betrieb erreicht, also wie viele Kilowattstunden Wärme sie aus einer Kilowattstunde Strom macht. Die Förderung bestimmt nur, wie schnell sich die Investition zurückzahlt. Wer mit dem Zuschuss anfängt, plant eine Anlage, die auf dem Papier glänzt und in der Abrechnung enttäuscht. 2026 kommt dazu, dass sich Gesetz und Förderung im Sommer gleichzeitig verschoben haben.
Seit dem 29. Juli 2026 heißt das Gebäudeenergiegesetz Gebäudemodernisierungsgesetz (GModG), und die Pflicht, neue Heizungen zu 65 Prozent mit erneuerbaren Energien zu betreiben, ist gestrichen. Ganz frei ist der neue Gaskessel aber nicht: Wer nach dem 29. Juli 2026 eine Gas- oder Ölheizung in ein bestehendes Gebäude einbaut, muss ab 2029 mindestens 10 Prozent, ab 2030 15 Prozent, ab 2035 30 Prozent und ab 2040 60 Prozent der Wärme aus Biomethan, Bioöl oder Wasserstoff bereitstellen (§ 43 GModG, BGBl. 2026 I Nr. 226). Der Kessel hat also einen Brennstoffpreis, den heute niemand kennt.
Seit dem 21. Juli 2026 gilt außerdem die neue Richtlinie der Bundesförderung für effiziente Gebäude, Einzelmaßnahmen (BEG EM). Für Unternehmen bleibt es bei 30 Prozent Zuschuss, einen Effizienzbonus nennt das aktuelle KfW-Merkblatt 522 nicht mehr. Wichtiger ist, was die Richtlinie (BAnz AT 27.08.2026 B1) ankündigt: Ab dem ersten Quartal 2027 sinkt der Fördersatz für Wärmepumpen auf 15 Prozent, weitere 15 Prozentpunkte gibt es nur bei EU-Ursprung. Beim Austausch einer vor 2008 in Betrieb genommenen Heizung werden ab dem ersten Quartal 2027 pauschal nur noch 25 Prozent der Gesamtkosten als förderfähig angesetzt.
Meine Lesart: Wer ohnehin einen Heizungstausch plant, sollte den Antrag noch 2026 stellen. Für den Höchstbetrag zählt laut KfW der Zeitpunkt der Antragstellung, und für die Umsetzung hast du nach der Zusage 36 Monate Zeit.
Entscheidend ist, wofür die Wärme gebraucht wird. Raumwärme und Warmwasser im Nichtwohngebäude laufen über die KfW, Wärme für Produktionsprozesse über die Bundesförderung für Energie- und Ressourceneffizienz in der Wirtschaft (EEW) beim Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (BAFA).
| KfW 522 (Gebäudewärme) | BAFA EEW Modul 2 (Prozesswärme) | |
|---|---|---|
| Zuschuss | 30 %, ab 1. Quartal 2027 15 % (plus 15 Punkte bei EU-Ursprung) | 40 % große, 50 % mittlere, 60 % kleine Unternehmen |
| Deckel | förderfähige Kosten nach Nettogrundfläche gestaffelt | max. 20 Mio. € Zuschuss je Vorhaben |
| Voraussetzung | Gebäude mindestens 5 Jahre alt, JAZ ≥ 3,0, Heizlast nach DIN EN 12831 | über 50 % der Wärme für Prozesse |
| Antrag | vor Vorhabenbeginn, Vertrag mit aufschiebender Bedingung | vor Vorhabenbeginn |
Quellen: KfW 522, BAFA Modul 2, Stand Oktober 2026.
Der Deckel bei KfW 522: 28.000 € für die ersten 150 m² Nettogrundfläche, dann 197 € je m² bis 400 m², 118 € je m² bis 1.000 m² und 79 € je m² darüber. Beispielrechnung für 1.200 m² Büro: 28.000 € + 250 × 197 € + 600 × 118 € + 200 × 79 € ergibt 163.850 € förderfähige Kosten, also höchstens 49.155 € Zuschuss. Der Stolperstein liegt im Ablauf: Unterschreibst du den Auftrag ohne aufschiebende Bedingung oder beginnen die Arbeiten vor dem Antrag, ist die Förderung weg. Weitere Fördermittel für Unternehmen habe ich separat gesammelt.
Die Energieberatung für Nichtwohngebäude fördert das BAFA mit 50 Prozent des Honorars, ab 500 m² höchstens 4.000 €. Steuerlich ist Vorsicht angebracht: Die degressive Absetzung für Abnutzung (AfA) von bis zu 30 Prozent, oft Superabschreibung genannt, gilt nur für bewegliche Wirtschaftsgüter, angeschafft zwischen 1. Juli 2025 und 31. Dezember 2027 (Bundesfinanzministerium). Eine Heizung für Raumwärme ist in der Regel unselbständiger Gebäudebestandteil und fällt heraus. Bei einer Wärmepumpe, die nur einen Produktionsprozess versorgt, kann es anders aussehen, das klärst du mit deiner Steuerberatung.
Eine Kilowattstunde Wärme kostet mit Gas den Gaspreis geteilt durch den Kesselwirkungsgrad, mit der Wärmepumpe den Strompreis geteilt durch die JAZ. Daraus folgt eine Schwelle, hier mit einem angenommenen Kesselwirkungsgrad von 90 Prozent:
| JAZ im Betrieb | Strompreis darf höchstens das x-Fache des Gaspreises sein |
|---|---|
| 2,5 | 2,8 |
| 3,0 | 3,3 |
| 3,5 | 3,9 |
| 4,0 | 4,4 |
Beispielrechnung mit angenommenen Preisen, setz deine Vertragspreise ein: Ein Bürogebäude braucht 150 MWh Wärme im Jahr, Gas kostet 8 ct/kWh, Strom 25 ct/kWh, beides netto. Der Gaskessel verbraucht 166,7 MWh für 13.333 €. Eine Wärmepumpe mit JAZ 3,2 braucht 46,9 MWh Strom für 11.719 €, mit JAZ 2,6 sind es 57,7 MWh für 14.423 €, teurer als Gas. Rund 2.700 € im Jahr trennen gut von schlecht geplant. Über die 10 Jahre, die du eine geförderte Anlage laut KfW nutzen musst, ist das mehr als der halbe Höchstzuschuss aus dem Beispiel oben.
Meine Position: Vergleiche die Wärmepumpe mit dem Kessel, den du sonst kaufen würdest, nicht mit dem Weiterbetrieb. Dann zählt nur die Mehrinvestition, und dagegen stehen die Bio-Pflicht nach § 43 GModG und ein CO₂-Preis von 55 bis 65 €/t im Jahr 2026 (Deutsche Emissionshandelsstelle). Ab 2028 übernimmt der EU-Emissionshandel für Gebäude. Liegt dein Strom-Gas-Verhältnis über der Schwelle, helfen Eigenstrom aus erneuerbaren Energien und die Netzentgelte: Wärmepumpen über 4,2 kW im Niederspannungsnetz sind steuerbare Verbrauchseinrichtungen nach § 14a Energiewirtschaftsgesetz (EnWG), dafür sinkt das Netzentgelt.
Aktuelle Preise für Wärmepumpen, Solar und andere Clean-Tech-Investitionen stehen automatisch aktualisiert im Fiegenbaum Atlas.
Die Heizlast vom alten Kessel abschreiben. Eine überdimensionierte Wärmepumpe taktet und läuft ineffizient. Die BEG verlangt deshalb eine raumweise Heizlastberechnung nach DIN EN 12831 und einen hydraulischen Abgleich nach Verfahren B.
Die Vorlauftemperatur nicht anfassen. Die Förderanforderungen zeigen, was das kostet: Eine Luft-Wasser-Wärmepumpe muss bei 35 °C eine jahreszeitbedingte Raumheizungs-Energieeffizienz von 150 Prozent erreichen, bei 55 °C nur 125 Prozent. Rüste lieber einzelne Räume mit zu kleinen Heizflächen nach, statt das ganze Gebäude heiß zu fahren.
Den Rechenwert für den Betriebswert halten. Die geforderte JAZ von 3,0 wird nach VDI 4650 berechnet, nicht gemessen. Im Feldtest des Fraunhofer ISE erreichten Luft-Wasser-Wärmepumpen in Bestandsgebäuden im Mittel 3,4, die Spanne reichte von 2,6 bis 4,9. Gemessen wurde in Ein- bis Dreifamilienhäusern, eine vergleichbare Messreihe für Gewerbe kenne ich nicht, aber die Spanne zeigt, wie viel Einregulierung ausmacht. Die BEG verlangt ohnehin, Strom und Wärme zu messen: Werte die Daten im ersten Winter aus und lass nachregeln, sonst zahlt die Anlage jahrelang für eine Einstellung, die niemand mehr hinterfragt.
Im Gewerbe kommt hinzu: Eine große Wärmepumpe verschiebt die Lastspitze. Prüf Lastgang und Anschlussleistung vor der Bestellung, sonst frisst der Leistungspreis einen Teil der Ersparnis. Ab 2028 fördert die BEG nur noch natürliche Kältemittel; bei Propan gehören Aufstellungskonzept und im Maschinenraum Gaswarneinrichtungen nach DIN EN 378 von Anfang an in die Planung. Eine Hybridlösung mit dem vorhandenen Kessel für die Spitzenlast wird nur gefördert, wenn die versorgten Flächen danach zu mindestens 65 Prozent erneuerbar beheizt werden.
Laut Fraunhofer IEG entfällt auf Wärme bis 200 °C für Gebäude und Industrie mehr als drei Viertel des deutschen Erdgasverbrauchs, und Hochtemperatur-Wärmepumpen erreichen mit der nächsten Entwicklungsstufe genau diesen Bereich.
Für Reinigung, Trocknung oder Lebensmittelverarbeitung ist die Technik kein Exot mehr. Der größte Hebel ist dabei meist die eigene Abwärme aus Kälteanlagen, Druckluft oder Prozesswasser. Eine Wärmepumpe, die Abwärme anhebt, arbeitet mit viel kleinerem Temperaturhub als eine, die im Januar Außenluft anzapft. Ich lege deshalb vor jeder Gerätewahl eine Liste der Wärmequellen und Wärmesenken mit Temperatur und Zeitprofil an. Unspektakuläre Tabellenarbeit, die mehr entscheidet als jedes Datenblatt.
Erdgas aus dem eigenen Kessel ist Scope 1, zugekaufter Strom Scope 2. Die Wärmepumpe verschiebt Emissionen von Scope 1 nach Scope 2, und die Summe sinkt. Im Beispiel oben verursachen 166,7 MWh Gas mit 0,201 t CO₂/MWh (BAFA) 33,5 t CO₂. Die Wärmepumpe mit JAZ 3,2 kommt standortbasiert mit dem Strommix 2025 von 344 g/kWh (Umweltbundesamt) auf 16,1 t CO₂, mit JAZ 2,6 auf 19,8 t CO₂. Auch die schlecht eingestellte Anlage spart Emissionen, nur kein Geld.
Für den VSME-Bericht oder deine CO₂-Bilanz weist du Scope 2 standortbasiert und marktbasiert aus. Mit Ökostrom sinkt der marktbasierte Wert weiter, der standortbasierte nicht. Wer beides sauber trennt, muss die Zahl im nächsten Bankgespräch nicht erklären, sondern nur zeigen.
Für Gebäudewärme zahlt die KfW (Programm 522) 30 Prozent Zuschuss, ab dem ersten Quartal 2027 nur noch 15 Prozent plus 15 Prozentpunkte bei EU-Ursprung. Prozesswärme fördert das BAFA mit 40 bis 60 Prozent.
Nein. Den Klimageschwindigkeitsbonus gibt es nur für selbstnutzende Eigentümer und nur für die selbstgenutzte Wohneinheit. Für ein Bürogebäude oder eine Halle bleibt es bei der Grundförderung.
Oft ja, wenn die Vorlauftemperatur sinken kann. Meist reicht es, wenige Räume mit zu kleinen Heizflächen nachzurüsten. Die Heizkörper aus den Siebzigern sind dabei selten so schlecht wie ihr Ruf, nur so schwer.
Ja, als Hybridheizung mit dem Kessel für die Spitzenlast. Die BEG fördert das nur, wenn die versorgten Flächen danach zu mindestens 65 Prozent erneuerbar beheizt werden.
Nur als bewegliches Wirtschaftsgut. Eine Heizung für Raumwärme gilt in der Regel als Gebäudebestandteil und wird mit dem Gebäude abgeschrieben. Bei reiner Prozesswärme kann es anders sein, das klärt die Steuerberatung.
ESG- und Nachhaltigkeitsberater in Hamburg mit Schwerpunkt auf VSME‑Berichterstattung, CO₂-Bilanzen und Klimarisikoanalysen. Arbeitet für Mittelstand, Investoren und Finanzinstitute und hat die VSME-Software VSEasy selbst gebaut.
Zur PersonDie meisten CO2-Bilanzen scheitern nicht an der Rechenmethode, sondern an den Daten davor. Wer Verbräuche aus Tabellenblättern zusammensucht, Emissionsfaktoren ungeprüft übernimmt ...
Weiterlesen →