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17 min Lesezeit

So nutzt du offene Klimadaten wie Copernicus für echte Business-Insights

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Klimadaten sind der Schlüssel, um unternehmerische Entscheidungen zu verbessern, Risiken zu minimieren und gesetzliche Vorgaben zu erfüllen. Mit Programmen wie Copernicus greifst du kostenlos auf detaillierte Daten zu, die dir helfen, deine Klimastrategie zu schärfen und zukunftssicher zu machen.

Copernicus liefert offene, kostenlose Daten zu Klima, Atmosphäre, Land und Ozeanen. Über die CDS-Weboberfläche oder die CDS-API rufst du gezielt die Datensätze ab, die zu deiner Fragestellung passen. Die Hürden liegen dabei selten beim Datensatz, sondern bei Qualität, Vergleichbarkeit und Integration. Dass sich der Aufwand trägt, zeigen deutsche Unternehmen wie OroraTech und constellr, die auf Erdbeobachtungsdaten eigene Geschäftsmodelle aufgebaut haben.

Warum das wichtig ist: Mit Klimadaten analysierst du Risiken an deinen Standorten, setzt Dekarbonisierungsziele und unterlegst deine Nachhaltigkeitsberichterstattung mit belastbaren Werten. Wer jetzt investiert, erfüllt nicht nur regulatorische Anforderungen, sondern hat eine Grundlage für Investitionsentscheidungen, die sonst aus dem Bauch heraus fallen.

Wenn du für den Einstieg keine eigene Abfrage bauen willst: Der Fiegenbaum Atlas zeigt physische Klimagefahren wie Hochwasser, Dürre und Hitze standortbezogen und automatisch aktualisiert, im Klimarisiko-Dashboard.

Warum Slowenien seine Hochwasserplanung auf offene Klimadaten stützt

Slowenien plant seinen Hochwasserschutz nicht mehr entlang von Erfahrungswerten, sondern entlang offener Klimadaten. Das Video zeigt, wie aus Modell- und Beobachtungsdaten konkrete Schutzmaßnahmen werden.

Interessant ist daran weniger die Länderpolitik als das Muster: Es ist derselbe offene Datenbestand, aus dem du die Gefährdung deines eigenen Standorts ableitest, und derselbe Schritt von der Karte zur Entscheidung, der in Unternehmen am häufigsten hängen bleibt.

Copernicus-Daten verstehen und nutzen

Copernicus

Ein fundiertes Verständnis und die geschickte Nutzung der Copernicus-Daten eröffnen dir neue Möglichkeiten, nachhaltige Geschäftsmodelle zu entwickeln.

Was ist Copernicus und was bietet es?

Copernicus ist das Erdbeobachtungsprogramm der EU, das den Planeten kontinuierlich überwacht. Als größter Anbieter von Weltraumdaten weltweit bietet Copernicus Unternehmen offene und verlässliche Klimadaten an, die direkt für geschäftliche Anwendungen genutzt werden können.

Das Programm liefert umfassende Daten zu Land, Ozeanen und der Atmosphäre. Diese Informationen sind kostenlos, vollständig und ohne Einschränkungen verfügbar und ermöglichen es, Umweltmessungen effizient durchzuführen. Copernicus stellt dabei konsistente Klimainformationen für die ganze Welt bereit.

Ein wichtiger Bestandteil ist der Climate Data Store (CDS), der dir vergangene, aktuelle und prognostizierte Klimadaten auf globaler, kontinentaler und regionaler Ebene zur Verfügung stellt. Unternehmen können diese Daten nutzen, um neue Produkte zu entwickeln, bestehende Dienstleistungen zu optimieren oder maßgeschneiderte Datenlösungen zu erstellen und anzubieten.

Die wirtschaftliche Bedeutung zeigt sich in beeindruckenden Zahlen: 2021 generierten Erdbeobachtungsdaten 145 Mio. € Umsatz im Finanz- und Versicherungssektor. Bis 2031 wird dieser Umsatz voraussichtlich auf 994 Mio. € steigen.

Diese vielseitigen Daten bilden die Grundlage für zahlreiche Anwendungen, von der Entwicklung neuer Produkte bis hin zur Verbesserung von Klimastrategien.

Zugang zu Copernicus-Daten und Navigation

Du kannst auf Copernicus-Daten auf zwei Hauptwegen zugreifen: interaktiv über die CDS-Weboberfläche oder programmatisch über die CDS-API. Beide Optionen ermöglichen es, gezielt die benötigten Datensätze zu finden und herunterzuladen.

  • Interaktiver Zugang: Über die CDS-Weboberfläche kannst du Datensätze durchsuchen, auswählen und herunterladen. Die Filtermöglichkeiten umfassen Kriterien wie Produkttyp, Variablen, räumliche und zeitliche Abdeckung. Im „Download data"-Formular lassen sich die Datensätze weiter eingrenzen, z. B. nach Jahr, Monat, geografischem Gebiet oder Dateiformat.
  • Programmatischer Zugang: Die CDS-API, eine Python-Bibliothek, bietet dir die Möglichkeit, Daten automatisiert abzurufen. Nach der Installation (pip install cdsapi) und der Einrichtung eines API-Schlüssels kannst du die API nutzen, um spezifische Daten herunterzuladen.

Ein Beispiel für den programmatischen Zugriff zeigt, wie du ERA5-Land-Stundendaten für Europa aus dem Zeitraum 1981 bis 2020 abrufen kannst:

import cdsapi
c = cdsapi.Client()
c.retrieve(
    'reanalysis-era5-land',
    {
        'variable': [
            '10m_u_component_of_wind', '10m_v_component_of_wind', '2m_temperature',
        ],
        'year': ['1981', '1982', '1983', '2020'],
        'month': '12',
        'day': '15',
        'time': '12:00',
        'format': 'netcdf',
        'area': [60, -10, 35, 30],
    },
    './data/era5-land_eur_1981_2020.nc')

Beachte, dass vor dem Herunterladen die Nutzungsbedingungen für jeden Datensatz akzeptiert werden müssen. Die Weboberfläche zeigt dir automatisch den passenden Python-Code für deine Abfrage an.

Trotz der einfachen Zugänglichkeit gibt es strategische und technische Herausforderungen, die es zu meistern gilt.

Häufige Herausforderungen bei der Nutzung von Klimadaten

Die Arbeit mit Klimadaten bringt einige Herausforderungen mit sich. Zu den häufigsten Problemen gehören die Verfügbarkeit, Qualität, Vergleichbarkeit, Aktualität und die teilweise hohen Kosten der Datenbeschaffung.

Ein zentrales Spannungsfeld ergibt sich aus der Doppelfunktion von Klimadaten als öffentliches Gut und Geschäftsmöglichkeit. Dies führt oft zu Unsicherheiten bei der kommerziellen Nutzung, insbesondere in Bezug auf Urheberrechte, Lizenzvereinbarungen und den Zugang.

Interoperabilität und gemeinsame Standards sind entscheidend, um Klimadaten mit anderen Datentypen zu kombinieren. Ohne diese Standards wird es schwierig, die Daten in bestehende Systeme zu integrieren oder mit anderen Geschäftsdaten zu verknüpfen.

Ein weiteres Problem ist die Fehlinterpretation und falsche Anwendung von Co-Production-Ansätzen. Die Europäische Kommission beschreibt diese Ansätze wie folgt:

„Die Transformation klimabezogener Daten, zusammen mit anderen relevanten Informationen, in maßgeschneiderte Produkte wie Projektionen, Prognosen, Informationen, Trends, Wirtschaftsanalysen, Bewertungen, Beratung zu bewährten Praktiken, Entwicklung und Bewertung von Lösungen und jede andere Dienstleistung in Bezug auf das Klima, die für die Gesellschaft insgesamt von Nutzen sein kann".

Um diese Herausforderungen zu bewältigen, solltest du Bedingungen schaffen, die eine einfache Kombination von Klimadaten mit anderen Datentypen ermöglichen. Dazu gehören Interoperabilität und die Verwendung gemeinsamer Standards. Außerdem ist es wichtig, die Zugänglichkeit von Klimainformationen, Daten und Tools kritisch zu prüfen, insbesondere für kommerzielle Anwendungen.

Ich sehe das aus zwei Richtungen, als Berater und als jemand, der die Auswertung anschließend selbst baut. Aus beiden gilt derselbe Befund: Die Integration scheitert fast nie am Datensatz, sondern am Prozess drumherum. Der Datensatz ist geladen, niemand ist zuständig, das Ergebnis mündet in keiner Entscheidung.

Ein Beispiel für den erfolgreichen Einsatz von Copernicus-Daten ist Climate Scale. Dieses Unternehmen nutzt die Daten des Copernicus Climate Change Service (C3S), um hochauflösende Klimaprojektionen zu erstellen. Climate Scale unterstützt Stakeholder dabei, Risiken und Chancen des Klimawandels zu bewerten und ihre Anlagen sowie Betriebsabläufe klimafest zu machen. Durch zusätzliche Nachbearbeitung, wie Downscaling, werden die Daten gezielt für praktische Anwendungen aufbereitet.

Klimadaten in ESG- und Berichtsprozesse einbinden

Mit den Daten von Copernicus entwickelst du fundierte ESG-Strategien und erreichst deine Ziele messbar. Im Folgenden geht es darum, wie Klimadaten zur Risikobewertung, Dekarbonisierungsplanung und verbesserten ESG-Berichterstattung beitragen.

Klimadaten für Risikobewertung und Resilienz

Die Plattform Copernicus C3S bietet umfangreiche Klimadaten, Projektionen und Tools, die dich bei der Risikobewertung und Anpassungsplanung unterstützen. Sie kombiniert Satellitenbeobachtungen, In-situ-Messungen und Klimamodelle und stellt diese kostenfrei und offen zur Verfügung.

Mit diesen Daten analysierst du Risiken für Mitarbeitende, Gebäude und Vermögenswerte. Die jüngsten Klimaentwicklungen verdeutlichen die Relevanz: Der Mai 2025 war der zweitwärmste Mai weltweit seit Beginn der Aufzeichnungen, und das Jahr 2024 wurde als das wärmste Jahr in Europa verzeichnet.

Hannes Matt hebt die Bedeutung von Copernicus C3S hervor:

„Copernicus C3S ist eine wichtige Ressource für das Verständnis von Klimarisiken und die Entwicklung von Anpassungsstrategien. Seine umfassenden Daten und Tools unterstützen evidenzbasierte Entscheidungsfindung und helfen Organisationen, sich auf die Auswirkungen des Klimawandels vorzubereiten."

Besonders für die Finanzbranche bieten die Daten von Copernicus einen Mehrwert. Sie ermöglichen die Erstellung hochwertiger Finanzoffenlegungen, die den Anforderungen der Task Force on Climate-related Financial Disclosures (TCFD) entsprechen. Zudem fördern diese Daten die Entwicklung öffentlicher und aktueller Referenz-Gefahrendatensätze, die als Grundlage für standardisierte Methoden dienen.

Datengestützte Dekarbonisierungsplanung

Klimadaten helfen dir dabei, Emissionen zu messen, wissenschaftsbasierte Ziele zu definieren, Dekarbonisierungspfade zu entwickeln und den Fortschritt zu überwachen.

Unternehmen sollten ihre Treibhausgasemissions-Reduktionsziele mit dem globalen 1,5°C-Limit des Pariser Abkommens abstimmen. Das Engagement wächst: Bis 2023 hatten sich über 4.000 Unternehmen der Science Based Targets Initiative (SBTi) angeschlossen, und bis 2024 stieg diese Zahl auf mehr als 5.918 Unternehmen.

Die Vorteile sind deutlich: 79 % der von der SBTi befragten Führungskräfte berichteten über eine gestärkte Markenreputation nach der Umsetzung wissenschaftsbasierter Ziele. Dennoch zeigt eine Studie von S&P Global, dass nur 42 % der bewerteten Unternehmen wesentliche Klimaziele gesetzt haben.

Ein besonderer Fokus sollte auf Scope-3-Emissionen liegen, die je nach Branche 65 % bis 95 % des gesamten Kohlenstoff-Fußabdrucks eines Unternehmens ausmachen. Erfolgreiche Beispiele zeigen, wie effektiv datenbasierte Ansätze sein können: The Economist Group reduzierte ihren Kohlenstoff-Fußabdruck seit 2020 um 30 %, indem sie sich auf Schlüsselbereiche wie Papierherstellung, Druck und Logistik konzentrierte. Reckitt steigerte die Genauigkeit ihrer Emissionsdaten um das 75-fache, indem sie Daten für 25.000 Produkte erfassten.

Bessere ESG-Berichterstattung mit Dateneinblicken

Der Copernicus Climate Change Service (C3S) bietet Zugang zu Klimadaten, die Unternehmen bei der Entwicklung von Klimaschutz- und Anpassungsstrategien unterstützen können. Über den Climate Data Store (CDS) lassen sich Daten aus verschiedenen Quellen zentral abrufen und analysieren.

C3S stellt zahlreiche Informationsprodukte bereit, darunter globale Schätzungen zu Variablen wie Temperatur, Niederschlag, Meeresspiegel und Meereis. Reanalysedatensätze wie ERA5 stehen ebenfalls zur Verfügung.

Die Dringlichkeit wird durch aktuelle Klimadaten unterstrichen: Der April 2025 war der zweitwärmste April weltweit und der 21. Monat in den letzten 22 Monaten, in denen die globale Durchschnittstemperatur mehr als 1,5°C über dem vorindustriellen Niveau lag. Samantha Burgess, stellvertretende Direktorin des Copernicus Climate Change Service, betont:

„Nach 10 Monaten des Jahres 2024 ist es nun praktisch sicher, dass 2024 das wärmste Jahr seit Beginn der Aufzeichnungen sein wird und das erste Jahr mit mehr als 1,5°C über dem vorindustriellen Niveau laut ERA5-Datensatz. Dies markiert einen neuen Meilenstein in den globalen Temperaturaufzeichnungen und sollte als Katalysator dienen, um die Ambitionen für die bevorstehende Klimakonferenz COP29 zu erhöhen."

Diese Daten helfen dir, präzise ESG-Berichte zu erstellen und Vorgaben wie ESRS oder EU-Taxonomie zu erfüllen.

Praktische Anwendungen und Best Practices

Die Nutzung offener Klimadaten, wie sie das Copernicus-Programm bereitstellt, zeigt bereits heute eindrucksvolle Ergebnisse in der deutschen Wirtschaft. Unternehmen aus unterschiedlichsten Branchen entwickeln Strategien, um diese Datenquellen in nachhaltige Geschäftsmodelle und ESG-Strategien einzubinden.

Fallstudien: Erfolgsgeschichten aus Deutschland

Deutsche Unternehmen nutzen Copernicus-Daten, um neue Geschäftsmodelle zu entwickeln und ESG-Strategien voranzutreiben. Diese Erfolgsgeschichten verdeutlichen den wachsenden Markt und die staatliche Unterstützung für Klimadatenanwendungen.

Ein Beispiel ist das bayerische Startup OroraTech, das mit Förderprogrammen wie ESA BIC Bavaria und InCubed einen CubeSat zur Waldbranddetektion entwickelt hat. Das Unternehmen konnte dadurch 15 Mio. € an Investitionen einwerben. Ebenso beeindruckend ist constellr, ein Unternehmen, das sich auf thermale Infrarotdaten spezialisiert hat und im Rahmen eines CCM-Vertrags für seine HiVE-Mission 17 Mio. € an Seed-Finanzierung erhielt. Der Markt für Erdbeobachtungsdaten und -services wird derzeit auf etwa 2 Mrd. € geschätzt und könnte bis 2032 auf 7 bis 9 Mrd. € anwachsen. Das ESA InCubed-Programm trägt mit einer Kofinanzierung von rund 63 % zu den Projektkosten bei, die insgesamt über 124 Mio. € betragen.

Neben diesen wirtschaftlichen Erfolgen spielt der Einsatz offener Daten auch im Katastrophenmanagement eine entscheidende Rolle. Der Copernicus Emergency Management Service (CEMS) unterstützt bei Naturkatastrophen und hilft regionalen Behörden bei der Notfallplanung. Darüber hinaus fördert die Nutzung von Copernicus-Daten den European Green Deal, indem sie Maßnahmen zur Klimaanpassung und zum Schutz der Biodiversität in der Landwirtschaft unterstützt.

Best Practices für Datenintegration und Analyse

Die Integration von Klimadaten in bestehende Geschäftsprozesse bietet greifbare Möglichkeiten, nachhaltige Geschäftsmodelle zu schaffen. Allerdings zeigt sich, dass bisher weniger als ein Drittel der befragten Stadtangestellten Klimadaten aktiv nutzt. Dabei könnten insbesondere Entwicklungspläne, die Analyse der Auswirkungen des Klimawandels und die Festlegung strategischer Ziele erheblich davon profitieren.

Ein transdisziplinärer Co-Design-Ansatz, der kommunale Nutzer einbezieht, hilft dabei, Lösungen optimal an lokale Bedingungen anzupassen. Agile Datenworkflows, wie sie etwa in der schwedischen Stadt Ängelholm eingeführt wurden, können die Integration von Klimadaten in die Stadtplanung erleichtern. Ängelholm hat bereits 2015 ein agiles Verwaltungsmanagement etabliert, das als Vorbild dienen kann.

Eine der größten Herausforderungen liegt in der Datenbeschaffung entlang der Lieferketten. Laut einer Umfrage aus 2022 gaben über 60 % der befragten deutschen Unternehmen an, Schwierigkeiten bei der Erhebung genauer und zuverlässiger Daten über ihre Lieferkettenaktivitäten zu haben. Ein Drittel der berichtspflichtigen Unternehmen hat zudem keinen Überblick über indirekte Lieferanten. Unternehmen können diese Hürden überwinden, indem sie frühzeitig mit der Verarbeitung von Lieferantendaten beginnen, klare Richtlinien für die Datenerfassung entwickeln und digitale Tools für die Berichterstattung einsetzen. Die Einführung integrierter Risikomanagementsysteme und die Zusammenarbeit mit lokalen Produzenten können ebenfalls zu einer besseren Datenqualität beitragen.

In den Klimarisikoprojekten, die ich begleite, reichen am Anfang fast immer zwei Datenschichten: eine historische Baseline für den Standort und eine Projektion für zwei Szenarien. Alles Weitere kommt erst dazu, wenn die erste Auswertung eine Entscheidung ausgelöst hat. Scheitert eine Auswertung, liegt es selten an der Auflösung, sondern daran, dass niemand vorher festgelegt hat, welche Entscheidung sie stützen soll. Bestimme deshalb vor der ersten Abfrage die relevanten Klimaparameter und die nötige räumliche wie zeitliche Auflösung, statt dich vom größten verfügbaren Datensatz treiben zu lassen.

DWD-Klimadaten: die deutsche Ergänzung zu Copernicus

Copernicus liefert den europäischen Rahmen, aber für belastbare Klimarisikoanalysen auf deutschem Boden fehlt etwas: lokale Stations-Präzision. Genau hier kommt der Deutsche Wetterdienst (DWD) ins Spiel. Während Copernicus dir die Makro-Perspektive gibt, liefert der DWD die mikroskalige Wahrheit für deinen konkreten Standort.

Was der DWD bietet, was Copernicus nicht hat

Der DWD betreibt rund 2.000 meteorologische Messstationen in Deutschland, eine Messdichte, die kein globales Reanalyse-Produkt erreicht. Über das Climate Data Center (opendata.dwd.de) stehen dir Stundenwerte, Tageswerte und monatliche Zeitreihen bis teilweise ins Jahr 1881 kostenfrei zur Verfügung. Das Datenformat ist CSV-basiert, unter Geodatennutzungsverordnung (GeoNutzV) meist frei nutzbar, auch kommerziell.

Verwechsle dabei Klimadaten nicht mit Wetterdaten. Wetterdaten sind operativ und kurzfristig, sie taugen für Disposition und Tagesgeschäft. Klimadaten sind statistische Mittel über Jahrzehnte und Projektionen in die Zukunft, und nur sie gehören in eine standortbezogene Gefährdungsanalyse.

Die drei für Unternehmen relevantesten DWD-Produkte:

  • DWD-Klimaatlas (dwd.de/klimaatlas): Visualisierte Klimaprojektionen für Deutschland bis 2100, basierend auf EURO-CORDEX-Downscaling. Ideal für erste Standort-Screenings.
  • Climate Data Center (CDC): Rohe Messdaten aller Stationen. Hier ziehst du Hitzetage, Starkregen-Ereignisse und Frostperioden für deinen Standort der letzten 30 Jahre als Baseline.
  • Regionale Klimamodelle (ReKliEs-De, STARS): Hochauflösende Projektionen für den Mittelstand, die RCP 2.6, 4.5 und 8.5 in 5-km-Raster auf Deutschland herunterrechnen.

Wann du DWD statt Copernicus verwendest

Die beiden Quellen unterscheiden sich weniger in der Qualität als im Zuschnitt. Diese Gegenüberstellung zeigt, welche Quelle zu welcher Frage passt:

Merkmal Copernicus C3S (Climate Data Store) DWD Climate Data Center
Räumliche Auflösung ERA5 rund 31 km, ERA5-Land rund 9 km, EURO-CORDEX rund 12 km rund 2.000 Messstationen punktgenau, regionale Modelle im 5-km-Raster
Zeitraum Reanalyse ab 1940, Projektionen aus CMIP6 und CORDEX bis 2100 Stationsreihen je nach Station bis zurück ins Jahr 1881, Projektionen bis 2100
Geografie global, europaweit konsistent Deutschland
Lizenz kostenfrei, kommerzielle Nutzung mit Quellenangabe GeoNutzV, kommerzielle Nutzung mit Quellenangabe, Ausnahmen bei einzelnen Produkten
Zugang Weboberfläche und Python-API (cdsapi), NetCDF und GRIB offene Verzeichnisse als CSV, Wrapper für Python und R
Typischer Anwendungsfall Lieferketten- und Auslandsstandorte, europaweite Vergleichbarkeit standortbezogene Gefährdungsanalyse in Deutschland, Baseline für den Nachhaltigkeitsbericht

Die Faustregel dahinter: Copernicus für alles, was Lieferkette, internationale Standorte oder europäische Vergleichbarkeit betrifft. DWD für alles, was du in Deutschland produzierst, lagerst oder verkaufst.

Konkrete Anwendungsfälle, bei denen der DWD Copernicus schlägt:

  • Standort-spezifische Starkregen-Analyse nach ISO 14091, DWD-KOSTRA-Karten sind der Rechtsstandard für Entwässerungsplanung
  • Baseline für den Klimarisikoabschnitt im Nachhaltigkeitsbericht, historische Temperatur- und Niederschlagsmittel deines Sitzes
  • Heizgrad- und Kühlgradtage für Energie-Benchmarking und Scope-2-Emissionsprognosen
  • Landwirtschaftlich-industrielle Standorte: Frostperioden, Vegetationsperioden, Dürreindizes

DWD und Copernicus clever kombinieren

Der stärkste Workflow nutzt beide Quellen komplementär. Ein Beispiel aus der Praxis eines mittelständischen Logistikers:

  1. Baseline aus DWD-CDC: 30-jähriges Mittel für Hitzetage, Starkregen und Sturmereignisse am Hauptstandort
  2. Projektion aus DWD-Klimaatlas für drei Szenarien (RCP 2.6 / 4.5 / 8.5) bis 2050
  3. Lieferketten-Risiko aus Copernicus ERA5 und CMIP6 für internationale Zulieferer (Ostasien, Südeuropa)
  4. Cross-Check via EURO-CORDEX für die deutsch-europäische Schnittmenge

Das Ergebnis ist ein Klimarisikoprofil, das vor Aufsichts- und Prüferanfragen bestehen kann, und zugleich granular genug ist, um konkrete Investitionsentscheidungen zu stützen.

Zugang und technische Hürden

Der DWD-Zugang ist kostenlos, aber ohne Pretty-GUI. Über FTP-ähnliche Verzeichnisse ziehst du CSV-Archive, das heißt, jemand in deinem Team muss Python oder R bedienen können, oder du nutzt fertige Integrationen (z.B. Wetterdienst-APIs von brightsky.dev oder rdwd für R). Für die größten Datensätze rechne mit mehreren GB pro Jahr und Parameter.

Wichtig: Die aus EURO-CORDEX abgeleiteten Klimaprojektionen haben je nach Modell-Ensemble erhebliche Unsicherheitsbereiche. Verwende deshalb für seriöse Risikoanalysen immer Ensemble-Medianwerte und weise die Spannbreite in deinem Bericht aus. Mehr dazu im Leitfaden zu RCP- und SSP-Szenarien und in der Übersicht offener Klimadatenquellen.

Geschäftsmodelle mit Klimadaten weiterentwickeln

Klimadaten verändern die Art und Weise, wie Geschäftsmodelle gestaltet werden. Die frei zugänglichen Copernicus-Daten schaffen eine Grundlage für neue Produkte und stärken die Wettbewerbsposition von Unternehmen. Im Folgenden geht es darum, wie diese Datenbasis innovative Ansätze trägt.

Geschäftsinnovationen durch Klimadaten

Der Climate Data Store (CDS) von Copernicus stellt Unternehmen zentrale Klimadaten aus Satellitenbeobachtungen und Modellen zur Verfügung. Diese Daten eröffnen neue Geschäftsmöglichkeiten und erweitern bestehende Dienstleistungen. Ein Beispiel dafür ist Forest Forward, das mithilfe der Daten des Copernicus Climate Change Service (C3S) Waldbesitzer und Forstunternehmen über klimabedingte Veränderungen in der Artenverteilung informiert. Ebenso hat das niederländische Institut Deltares CDS-Daten genutzt, um die lokalen Auswirkungen des Klimawandels auf Küstenüberschwemmungen in Irland zu analysieren.

Die CDS-Toolbox ermöglicht es Unternehmen, automatisierte Analyse-Workflows zu entwickeln, die Klimadaten in geschäftsrelevante Informationen umwandeln. Ein spannender Ansatz zeigt sich im Projekt „Gaia“, das von Institutionen wie der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich, der Bank von Spanien, der Deutschen Bundesbank und der Europäischen Zentralbank initiiert wurde. Hier wurden KI und Large Language Models eingesetzt, um klimabezogene Kennzahlen aus Unternehmensberichten zu extrahieren.

Wettbewerbsvorteile und langfristige Wertschöpfung

Die Nutzung von Klimadaten schafft nicht nur ökologische Vorteile, sondern eröffnet auch neue Umsatzmöglichkeiten. Datenbasierte Strategien sichern Unternehmen langfristig einen Vorsprung, wie zahlreiche Beispiele aus der Praxis zeigen. Amanda Sourry, ehemalige Präsidentin von Unilever Nordamerika, bringt die Bedeutung auf den Punkt:

"It is not about sustainability or business results, it's both. Always. At the same time.… These things have got to come together. It has to be part of the business model".

Die wirtschaftliche Bedeutung von Klimadaten wird besonders durch die Verwendung von ERA5-Daten deutlich. Präzisere Vorhersagen und Frühwarnsysteme tragen zu erheblichen Kosteneinsparungen und wirtschaftlichen Vorteilen bei. Im dritten Quartal 2024 wurden diese Daten bereits von über 160.000 registrierten Nutzern eingesetzt. Carlo Buontempo, Direktor des C3S, beschreibt die Relevanz treffend:

"ERA5 represents a leap in our capacity to understand past and present weather and predict future shifts. This study shines a light not only on ERA5's pivotal role in tackling climate challenges, but also on its unparalleled economic and societal contributions as it fuels innovation, smart policies and sustainable development worldwide".

Diese datengetriebenen Ansätze verbessern nicht nur die operative Effizienz, sondern stärken auch die ESG-Performance von Unternehmen nachhaltig. Wenn du deine physischen Klimarisiken je Standort und die dazu passenden Maßnahmen einmal sortiert sehen willst, findest du den Einstieg auf der Seite zur Klimarisikoanalyse für Unternehmen.

Fazit: der erste konkrete Schritt mit offenen Klimadaten

Die Umwandlung offener Klimadaten in messbaren Geschäftswert ist keine ferne Vision mehr, sie ist längst eine unternehmerische Realität. Es gibt bereits Beispiele, die den Nutzen verdeutlichen: Paraguay zeigte 2018 mit einem Monitoring-Dashboard, wie zentralisierte Klimadaten fundierte Entscheidungen ermöglichen können. Kolumbien hat mit der Plattform „Aclímate Colombia“ einen weiteren Schritt gemacht, indem sie Landwirte dabei unterstützt, sich an veränderte Wetterbedingungen anzupassen.

Auch politisch ist die Richtung gesetzt: Fast 50 % der Mitgliedsländer der Open Government Partnership (OGP) haben sich zur Veröffentlichung offener Umwelt- und Klimadaten verpflichtet. Programme wie Copernicus und der DWD liefern die Daten, du musst sie nur in eine Frage übersetzen, die dein Unternehmen wirklich beschäftigt.

Der erste Schritt ist dabei kleiner, als die Datenmenge vermuten lässt. Nimm einen Standort, nicht alle. Zieh dafür aus dem DWD Climate Data Center die Messreihe der nächstgelegenen Station für Hitzetage, Starkregen und Frost der letzten 30 Jahre. Leg diese Werte in einer einfachen Tabellenkalkulation neben die Betriebsmittel, die an diesem Standort tatsächlich ausfallen könnten: Kühlung, Lager, Zufahrt, Serverraum. Dann ergänze eine Projektion aus dem DWD-Klimaatlas für zwei Szenarien bis 2050, in der Praxis meist RCP 4.5 und RCP 8.5.

Was danach vor dir liegt, ist noch keine fertige Klimarisikoanalyse. Aber es ist die erste Aussage, die in einen Nachhaltigkeitsbericht passt, und die Grundlage für die Entscheidung, an welchem Standort eine tiefere Analyse überhaupt lohnt. Alles Weitere, Szenarienbreite, Lieferkette, Copernicus-Ebene, baust du darauf auf, statt damit anzufangen.

Häufige Fragen zu offenen Klimadaten

Sind DWD-Klimadaten wirklich kostenlos für kommerzielle Nutzung?

Ja, der überwiegende Teil steht unter Geodatennutzungsverordnung (GeoNutzV) und ist kommerziell frei verwertbar, sofern du die Quelle angibst. Für einige spezielle Produkte, etwa Echtzeitwarnungen, gelten jedoch eigene Lizenzbedingungen. Prüfe die Nutzungsbedingungen der jeweiligen Produktseite auf dwd.de.

Welche Datenquelle ist für meinen CSRD- oder VSME-Bericht vorzuziehen: Copernicus oder DWD?

Beide, und zwar je nach Abschnitt. Für den deutschen Hauptstandort nutzt du DWD, weil die Stationsdaten präziser sind. Für Lieferketten- und internationale Standort-Risiken brauchst du Copernicus mit seiner globalen Abdeckung. Im Bericht selbst nennst du beide Quellen transparent, das erhöht die Auditierbarkeit gegenüber dem Wirtschaftsprüfer deutlich.

Wie können Unternehmen Copernicus-Klimadaten nutzen, um Wettbewerbsvorteile zu erzielen?

Unternehmen können die Copernicus-Klimadaten nutzen, um bessere Entscheidungen zu treffen, Klimarisiken gezielter einzuschätzen und neue Möglichkeiten im Zuge des Klimawandels zu entdecken. Der Copernicus Climate Change Service (C3S) stellt Daten bereit, die dabei helfen, Strategien für Klimaanpassung, Risikomanagement und Dekarbonisierung zu entwickeln.

Mit der Analyse dieser offenen Daten lassen sich beispielsweise Schwachstellen in der Lieferkette aufdecken, nachhaltige Geschäftsfelder erschließen oder ESG-Strategien weiterentwickeln. Dank der bereitgestellten Tools und Informationen sind fundierte, datenbasierte Entscheidungen möglich, die nicht nur den aktuellen Anforderungen gerecht werden, sondern auch langfristige Wettbewerbsvorteile schaffen.

Welche Hürden gibt es bei der Nutzung von Klimadaten in Geschäftsprozessen und wie lassen sie sich überwinden?

Die Einbindung von Klimadaten in Geschäftsprozesse ist oft mit Herausforderungen verbunden. Dazu zählen die Komplexität der Daten, fehlende einheitliche Standards und eine unzureichende Abstimmung zwischen Abteilungen. Diese Hürden erschweren es, die verfügbaren Informationen effektiv zu nutzen.

Um sie zu meistern, brauchst du klare Strategien für das Datenmanagement, standardisierte Abläufe und bereichsübergreifende Zuständigkeiten. Solche Maßnahmen erleichtern nicht nur die Datenanalyse, sondern auch deren gezielte Anwendung, etwa in ESG-Strategien, bei der Bewertung von Klimarisiken oder in Dekarbonisierungsplänen.

Wie können deutsche Unternehmen Copernicus-Daten erfolgreich nutzen, um nachhaltige Geschäftslösungen zu entwickeln?

Deutsche Unternehmen greifen in unterschiedlichsten Bereichen auf Copernicus-Daten zurück, um fundierte Entscheidungen zu treffen und Strategien für eine nachhaltigere Zukunft zu entwickeln. Ein Beispiel ist die Analyse von Treibhausgasemissionen, die dabei hilft, Emissionen gezielt zu reduzieren. Ebenso werden die Daten zur Überwachung von Extremwetterereignissen wie Überschwemmungen oder Dürreperioden genutzt, was schnellere Reaktionen und geringere Schäden ermöglicht.

In der Landwirtschaft und beim Ressourcenmanagement bieten Copernicus-Daten ebenfalls wertvolle Unterstützung. Sie helfen beispielsweise dabei, den Wasserverbrauch zu optimieren oder die Bodenqualität zu überwachen. Unternehmen schätzen so Klimarisiken besser ein, bauen ihre ESG-Strategien gezielt aus und entwickeln wirksamere Dekarbonisierungsmaßnahmen.

Johannes Fiegenbaum

Johannes Fiegenbaum

ESG- und Nachhaltigkeitsberater mit Schwerpunkt auf VSME‑Berichterstattung und Klimarisikoanalysen. Begleitet seit 2014 über 300 Projekte für den Mittelstand sowie für Großbanken und Versicherungskonzerne.

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