Von Johannes Fiegenbaum am 08.08.25, 07:28 · Zuletzt aktualisiert 5. September 2026
Deutsche Mittelständler verändern die ESG-Landschaft, ohne laute Kampagnen. Statt Millionen in Werbung zu investieren, setzen sie auf konkrete Maßnahmen mit messbaren Ergebnissen. Von Energieeffizienz bis Lieferkettenprüfung: Ihr Ansatz zeigt, dass Fortschritte auch ohne große Budgets möglich sind.
Wichtige Fakten:
Warum ESG wichtig ist:
Lösungen ohne Marketingaufwand:
Herausforderungen? Begrenzte Ressourcen und komplexe Anforderungen. Doch mit gezielten Maßnahmen, von internen ESG-Teams bis hin zur Nutzung externer Expertise, können auch kleinere Unternehmen große Fortschritte erzielen.
Die Botschaft ist klar: Echte Veränderungen entstehen durch Taten, nicht durch Worte. Deutsche KMU beweisen das jeden Tag.
Zuletzt aktualisiert: September 2026
Die häufigste Frage aus dem Mittelstand lautet nicht, wie ein Nachhaltigkeitsbericht aussieht, sondern ob er überhaupt gefordert ist. Die Antwort ist seit dem Omnibus-Verfahren klarer geworden: Für die allermeisten mittelständischen Unternehmen besteht keine gesetzliche Berichtspflicht. Was bei ihnen ankommt, kommt nicht vom Gesetzgeber, sondern von Kunden, Banken und Auftraggebern.
Die Pflicht nach den Europäischen Nachhaltigkeitsberichtsstandards (ESRS) greift erst oberhalb von 1.000 Mitarbeitenden und 450 Millionen Euro Umsatz, und das erstmals für Geschäftsjahre ab 2027. Wer diese Schwellen nicht reißt, berichtet freiwillig oder gar nicht. Für genau diese Gruppe gibt es den VSME-Standard, den die EU-Kommission als offiziellen freiwilligen Standard verankert hat. VSME folgt der Logik der ESRS, verlangt aber deutlich weniger Datenpunkte und ist in ein Basismodul und ein umfassenderes Modul geteilt. Was darin abgefragt wird, zeigt die VSME-Berichtsvorlage nach EFRAG-Standard im Detail.
Praktisch wichtiger als die Schwellenwerte ist der Deckel für die Wertschöpfungskette: Von Unternehmen unterhalb der Schwelle darf ein berichtspflichtiger Großkunde grundsätzlich nicht mehr Daten verlangen, als VSME vorsieht. Das ist das stärkste Argument, das ihr in Lieferantengesprächen habt. Wer das VSME-Basismodul sauber ausfüllt, hat die Anfrage formal beantwortet.
Dieser Deckel gilt allerdings nur für Daten, die ein Großkunde für seine eigene formale Berichtspflicht braucht. Fragt eine Bank für die Kreditwürdigkeitsprüfung, ein Kunde im Rahmen seiner Sorgfaltspflichten oder ein Auftraggeber in einer Ausschreibung, dann greift er nicht. Genau diese Abfragen erzeugen im Mittelstand den tatsächlichen Aufwand, und sie kommen unabhängig davon, ob eine Pflicht besteht.
| Unternehmensgröße | Was rechtlich gilt | Was in der Praxis ankommt |
|---|---|---|
| Bis 250 Mitarbeitende | Keine Berichtspflicht | Lieferanten- und Bankfragebögen, das VSME-Basismodul deckt sie meist ab |
| 250 bis 1.000 Mitarbeitende | Keine Berichtspflicht, Berichterstattung freiwillig | Umfassendes VSME-Modul, häufig als Anlage zum Jahresabschluss |
| Über 1.000 Mitarbeitende und über 450 Mio. Euro Umsatz | ESRS-Berichtspflicht ab Geschäftsjahr 2027 | Vollständige Berichterstattung mit externer Prüfung |
Rund 90 Prozent meiner Mandate liegen im Mittelstand, überwiegend in Handel und Industrie. Dort ist VSME selten der Endpunkt, sondern der Einstieg. Der Standard zwingt dazu, Energie-, Abfall- und Personaldaten einmal sauber zusammenzutragen, und dieser Datensatz trägt danach die Fragen, die betriebswirtschaftlich interessanter sind als der Bericht selbst.
Die EU-Taxonomie ergänzt diesen Rahmen, indem sie umweltfreundliche Wirtschaftstätigkeiten klassifiziert und einen einheitlichen Maßstab für nachhaltige Investitionen setzt. Für nicht berichtspflichtige Unternehmen ist sie kein Pflichtprogramm, aber sie taucht in Finanzierungsgesprächen auf.
Für deutsche Mittelständler ist ESG mehr als nur eine Reaktion auf gesetzliche Vorgaben, es wird zur Grundlage einer zukunftsfähigen Unternehmensführung. Die Bedeutung reicht weit über Compliance hinaus und beeinflusst Bereiche wie Mitarbeiterbindung, Marktstellung und finanzielle Stabilität.
Unternehmen, die ESG-Werte aktiv umsetzen, profitieren oft von messbaren Wettbewerbsvorteilen. Ein Beispiel: Nachhaltig agierende Firmen im Konsumgütersektor erzielen EBIT-Margen, die im Schnitt 6 Prozentpunkte über denen der Konkurrenz liegen. Auch bei Unilever zeigt sich dieser Trend: Marken mit starker Nachhaltigkeitsausrichtung wuchsen 2018 um 69 % schneller als andere Produkte im Portfolio.
Doch ESG wirkt nicht nur auf die Zahlen. Unternehmen, die ESG tief in ihrer Kultur verankern, halten 93 % ihrer Mitarbeitenden und erreichen beeindruckende Engagement-Raten von bis zu 70 %. Gerade für KMU, die oft mit Fachkräftemangel kämpfen, ist das ein entscheidender Vorteil. Die Arbeitswelt wandelt sich, immer mehr Beschäftigte suchen nach Sinn und Werten in ihrem Job. ESG kann hier ein Schlüssel sein, um Talente anzuziehen und zu halten.
Nachhaltigkeit ist längst kein Nischenthema mehr. Über 80 % der jungen Verbraucher erwarten von Unternehmen aktiven Einsatz für die Umwelt, und 72 % der deutschen Konsumenten bevorzugen nachhaltige Marken. Diese Erwartungen setzen Unternehmen unter Zugzwang.
Auch Investoren legen zunehmend Wert auf fundierte ESG-Informationen. Firmen, die nachhaltige Praktiken nachweisen können, profitieren nicht nur von höherem Vertrauen, sondern oft auch von besseren Finanzierungskonditionen. Proaktives ESG-Management kann die Kapitalkosten reduzieren und wird somit für KMU zu einem wichtigen Hebel bei der Kapitalbeschaffung.
Deutsche Mittelständler setzen auf praktische Lösungen, um ihre ESG-Ziele zu erreichen, ohne dabei auf große Werbekampagnen angewiesen zu sein. Der Fokus liegt auf der direkten Optimierung von Betriebsabläufen.
Mit Ökobilanzen lassen sich die Umweltauswirkungen eines Produkts über dessen gesamten Lebenszyklus hinweg präzise messen, von der Rohstoffgewinnung bis zur Entsorgung. Diese Methode hilft, Einsparpotenziale zu identifizieren und gezielt Maßnahmen zu ergreifen.
Durch die systematische Analyse von Material- und Energieflüssen können Unternehmen ihre Prozesse effizienter gestalten. Besonders für kleine und mittlere Unternehmen (KMU) bringt die Integration von LCA-Daten in die EU-Taxonomie echte Vorteile: Sie erkennen frühzeitig ESG-Risiken und können diese in ihre strategische Planung einbinden. Darüber hinaus verbessern fundierte LCA-Daten die Chancen auf grüne Finanzierungen, wie etwa grüne Anleihen oder ESG-verknüpfte Kredite.
Den Hintergrund dazu liefert der Beitrag VSME & Wesentlichkeit: So priorisieren Unternehmen ESG-Themen.
Wer tiefer einsteigen will: Was der EU-Umweltfußabdruck für eure Produktlinie bedeutet.
Diese Daten sind nicht nur ein Werkzeug zur Analyse, sondern auch die Basis für wirksame Dekarbonisierungsstrategien.
Ein praktischer Einstieg in die Dekarbonisierung beginnt mit einer genauen Erfassung des Status quo. KMU, die ihre CO₂-Bilanz ernsthaft angehen, setzen sich oft ein Netto-Null-Ziel und kompensieren ihre verbleibenden Treibhausgasemissionen.
Die EU-Taxonomie bietet dabei wertvolle Unterstützung, da sie hilft, ESG-Risiken frühzeitig zu erkennen und die Zukunftsfähigkeit eines Unternehmens zu sichern. Auch der freiwillige Standard für kleine und mittlere Unternehmen (VSME) hilft KMU mit Vorlagen und angepassten Anforderungen, sich effizient auf die Taxonomie vorzubereiten.
Ein Beispiel zeigt, wie erfolgreich dieser Ansatz sein kann: GreenBuild Ltd., ein mittelständisches Unternehmen aus dem Bau- und Renovierungssektor, konnte durch die Umsetzung der EU-Taxonomie einen grünen Kredit über 1,5 Millionen Euro erhalten, mit einer Zinssenkung von 0,5 %.
Neben der Prozessoptimierung ist ein solides Reporting unverzichtbar, um Fortschritte transparent darzustellen. Der Einsatz integrierter ESG-Datenplattformen ist dabei entscheidend. Unternehmen sollten veraltete, manuelle Systeme wie Tabellenkalkulationen hinter sich lassen und auf zentrale Plattformen umsteigen. Diese ermöglichen es, Daten effizient zu sammeln, die Nachverfolgbarkeit sicherzustellen und sich optimal auf Audits vorzubereiten.
Interessanterweise arbeiten 47 % der Organisationen nach wie vor mit fehleranfälligen Tabellenkalkulationen, um ihre ESG-Daten zu verwalten. Gleichzeitig sind die Anforderungen an die Offenlegung stark gestiegen, von 614 Richtlinien im Jahr 2020 auf 1.225 im Jahr 2023.
Ein weiterer Erfolgsfaktor ist die Einrichtung funktionsübergreifender ESG-Governance-Teams. Diese Teams, bestehend aus Mitarbeitenden aus Finanzen, Betrieb, Beschaffung und Compliance, fördern eine gemeinsame Verantwortung für die Erreichung nachhaltiger Ziele.
"Compliance isn't just about ticking boxes. It's about building smarter businesses that are resilient, transparent, and trusted by the markets of tomorrow.", Sarah Kasap, SIERA Academy Impact Series Webinar, 19. Juni 2025.
Zusätzlich profitieren KMU von externer Expertise und branchenspezifischen Rahmenwerken. Die Zusammenarbeit mit Nachhaltigkeitsberatern oder Branchenverbänden kann helfen, die eigene Leistung besser zu bewerten. Der SME Sustainable Finance Standard bietet beispielsweise Unterstützung bei der Aufbereitung von Informationen für Banken oder Investoren.
Die Omnibus-Richtlinie hat die Zahl der ursprünglich zur CSRD-Compliance verpflichteten Unternehmen um rund 80 % reduziert. Für viele KMU bedeutet das eine spürbare Entlastung. Dennoch bleibt es für vorausschauende Unternehmen ein strategischer Vorteil, sich frühzeitig auf zukünftige Anforderungen vorzubereiten.
Viele deutsche Mittelständler stehen bei der Umsetzung von ESG-Vorgaben vor Herausforderungen. Dazu zählen begrenzte Ressourcen, komplexe Regulierungen und fehlendes Know-how innerhalb der Organisation.
Die Anforderungen an die ESG-Compliance sind weiterhin erheblich: Die ESRS-Datenpunkte sind umfangreich, sodass der Erhebungs- und Dokumentationsaufwand entsprechend hoch bleibt, während die Bürokratiekosten auf 1 bis 3 Prozent des Umsatzes geschätzt werden. Auch kleinere und mittlere Unternehmen (KMU) spüren den Druck, da sie indirekt von der CSRD betroffen sind. Größere Kunden, Lieferanten und Finanzpartner verlangen weiterhin detaillierte Nachhaltigkeitsinformationen, sodass eine systematische Datenerfassung erforderlich bleibt. Von Unternehmen mit weniger als 1.000 Mitarbeitenden darf dabei grundsätzlich nicht mehr verlangt werden, als der freiwillige VSME-Standard vorsieht, es sei denn, andere EU-Rechtspflichten wie die EUDR oder das interne Risikomanagement erfordern zusätzliche Angaben.
Ein bewährter Ansatz ist die Bildung interdisziplinärer Teams, die Experten aus Bereichen wie Recht, Compliance, Risikomanagement, Beschaffung, Personalwesen und ESG zusammenbringen. So wird vermieden, dass die Verantwortung für ESG allein bei einer Abteilung liegt.
Darüber hinaus lohnt es sich, frühzeitig die Digitalisierung der Berichterstattungsstrukturen anzugehen. Unternehmen sollten prüfen, ob ihre Software maschinenlesbare Berichte in Formaten wie XBRL oder XML erstellen kann. Lösungen, die Datenerfassung, Analyse und Berichterstattung in einem System vereinen, erleichtern die Arbeit und reduzieren den manuellen Aufwand erheblich.
Bei besonders komplexen Anforderungen kann externe Unterstützung sinnvoll sein. Beratungsunternehmen wie Fiegenbaum Solutions bieten Unterstützung bei der Einhaltung von CSRD- und EU-Taxonomie-Vorgaben sowie bei der Entwicklung passender ESG-Strategien. Doch auch der Aufbau interner Kompetenzen ist entscheidend, um nachhaltige Fortschritte zu erzielen.
Einer der häufigsten Hürden bei der ESG-Umsetzung ist der Mangel an Wissen und Schulungen. Die vier Kernbereiche von ESG, Umwelt, Soziales, Governance und Wirtschaftlichkeit, erfordern spezifisches Fachwissen. Unternehmen müssen ihre Mitarbeitenden dazu befähigen, kurzfristige Anforderungen mit langfristigen ESG-Zielen zu verbinden.
Ein guter Ansatz ist es, die Kompetenzentwicklung schrittweise anzugehen. Statt alle Mitarbeitenden auf einmal zu schulen, können sogenannte ESG-Champions in verschiedenen Abteilungen ausgebildet werden. Diese fungieren als Multiplikatoren und treiben die Umsetzung im Arbeitsalltag voran.
Die Kombination aus internen Schulungen und externen Weiterbildungen hat sich dabei als besonders effektiv erwiesen. Der Deutsche Nachhaltigkeitskodex (DNK) bietet einheitliche Rahmenwerke, die Unternehmen bei der Strukturierung ihrer Nachhaltigkeitsberichte unterstützen.
Die Investition in ESG-Kompetenzen zahlt sich langfristig aus: Ganze 91 % der Investoren berücksichtigen ESG-Leistung und -Transparenz bei ihren Entscheidungen. Mit gut organisierten Strukturen lassen sich zudem finanzielle Engpässe besser bewältigen.
Auch mit begrenzten Mitteln können Unternehmen ihre ESG-Ziele erreichen. Ein stufenweiser Rollout und modulare Berichterstattung bieten praktikable Lösungen.
| Herausforderung | Lösung |
|---|---|
| Komplexität der Nachhaltigkeitsberichterstattung | Einsatz von Software zur Automatisierung von Datenerfassung und -analyse |
| Fehlende interne Strukturen und Prozesse | Aufbau interner Expertise oder Hinzuziehung externer Berater |
| Hoher Aufwand und Kosten | Stufenweise Umsetzung und modulare Berichterstattung |
| Anforderungen von Geschäftspartnern | Transparente Berichterstattung entlang der Wertschöpfungskette |
Die EU arbeitet an der Entlastung kleinerer Unternehmen bei der Nachhaltigkeitsberichterstattung. Der vereinfachte Standard für KMU (VSME) soll den Aufwand für kleinere Firmen reduzieren. Kornelia Fabisik von der Frankfurt School bringt es auf den Punkt:
„Wir müssen auch verstehen, wie wichtig es ist, KMU nicht mit der Berichterstattung zu überlasten und gleichzeitig beispielsweise Banken zu ermöglichen, ihre ESG-Qualität zu bewerten. Ein möglicher Weg wäre es, etwas im Sinne von ‚Mini-GmbH' vs. ‚GmbH' in Bezug auf die Berichterstattung zu haben. Anstelle eines vollwertigen Nachhaltigkeitsberichts sollte es einen ‚Mini-Nachhaltigkeits'-Bericht geben, der auf einfache, aber standardisierte Weise erstellt wird, ohne dass jedes Unternehmen einen ESG-Beauftragten beschäftigen muss."
Auch der Einsatz von Künstlicher Intelligenz kann KMU helfen, Prozesse zu vereinfachen. KI-gestützte Tools können Daten automatisch erfassen, Muster erkennen und regulatorische Berichte erstellen. Allerdings gibt es hierbei noch Herausforderungen wie mangelnde Transparenz und Datenqualität.
Interessanterweise zeigen 53 % der KMU in der EU Bereitschaft, freiwillige Berichtsstandards einzuhalten. Das unterstreicht, dass viele Unternehmen bereit sind, sich proaktiv zu engagieren, vorausgesetzt, die Anforderungen bleiben umsetzbar.
Die praktischen ESG-Maßnahmen, die wir zuvor betrachtet haben, zeigen, dass ihre Erfolge messbar und greifbar sind. Deutsche Mittelständler demonstrieren eindrucksvoll, dass solche Ergebnisse nicht von teuren Marketingkampagnen abhängen. Stattdessen setzen sie auf gezielte Strategien, die sowohl ihre Nachhaltigkeitsziele als auch ihre Wirtschaftlichkeit stärken. Die Zahlen sprechen dabei für sich: Unternehmen, die ESG-Prinzipien umsetzen, erzielen Bewertungen, die um 20 % höher liegen, eine um 55 % gesteigerte Mitarbeitermotivation und 16 % mehr Produktivität.
Die Integration von ESG-Prinzipien in Geschäftsmodelle muss nicht zwangsläufig mit radikalen Veränderungen einhergehen. Oft genügt es, bestehende Prozesse gezielt zu optimieren und dabei neue Chancen zu entdecken.
Ein hervorragendes Beispiel liefert Primal Soles aus Amsterdam. Das Unternehmen zeigt, wie Kreislaufwirtschaft in der Praxis funktioniert, indem es vollständig recycelbare Schuhzubehörprodukte aus Kork entwickelt. Studien belegen, dass diese Produkte negative CO₂-Emissionen aufweisen und bis zu 8,2 Kilogramm CO₂ pro Quadratmeter durch die Kohlenstoffbindung der Korkeichenwälder speichern können. Die Zusammenarbeit mit H&Ms Venture-Gruppe unterstreicht, dass nachhaltige Innovationen auch wirtschaftlich erfolgreich sind.
Ebenso beeindruckend ist Traceless Materials aus Hamburg, das landwirtschaftliche Abfälle in biologisch abbaubare Materialien verwandelt. Ihre Lebenszyklusanalyse zeigt eine Reduktion der Treibhausgasemissionen um bis zu 95 %, was Einsparungen von 2,59 Tonnen CO₂-Äquivalenten pro Tonne Material bedeutet. Über den gesamten Lebenszyklus hinweg liegen die Einsparungen zwischen 26 % und 76 %.
Diese Beispiele zeigen, wie die Anpassung von Geschäftsmodellen nicht nur neue Märkte eröffnet, sondern auch die Wettbewerbsfähigkeit stärkt.
Die Messung von ESG-Fortschritten erfordert klare und präzise Kennzahlen, die sowohl regulatorische Anforderungen erfüllen als auch operative Verbesserungen sichtbar machen. Besonders deutsche KMU haben hier noch großes Potenzial, insbesondere bei der Reduktion von Emissionen.
Die doppelte Wesentlichkeit der CSRD (Corporate Sustainability Reporting Directive) fordert Unternehmen dazu auf, sowohl die finanziellen Auswirkungen von Nachhaltigkeitsrisiken als auch ihre eigenen Umwelt- und Sozialauswirkungen offenzulegen. Für KMU bedeutet dies eine strukturierte Herangehensweise an die Datenerfassung.
| Bereich | Zentrale Kennzahlen | Messintervall |
|---|---|---|
| Umwelt | CO₂-Emissionen (Scope 1-3), Energieverbrauch, Wassernutzung | Monatlich/Quartalsweise |
| Soziales | Mitarbeiterzufriedenheit, Diversitätsindex, Unfallrate | Quartalsweise/Jährlich |
| Governance | Compliance, Schulungsstunden, Transparenz | Quartalsweise |
Der Freiwillige Standard für KMU (VSME) bietet hierbei einen vereinfachten Rahmen, der Unternehmen mit bis zu 1.000 Beschäftigten offensteht, unabhängig von einer Börsennotierung. Dieser Standard orientiert sich an den Europäischen Nachhaltigkeitsberichtsstandards (ESRS), reduziert jedoch die Komplexität erheblich.
Ein besonders wichtiger Punkt ist die Erfassung von Scope-3-Emissionen, die oft den größten Anteil am CO₂-Fußabdruck eines Unternehmens ausmachen. Ein bewährter Ansatz besteht darin, zunächst die direkten Emissionen (Scope 1 und 2) systematisch zu erfassen, bevor die komplexeren Emissionen entlang der Lieferkette angegangen werden.
Wer tiefer einsteigen will: Wie du den CO2-Fußabdruck deines Marketing-Mix verringerst.
Ein Realitätscheck dazu, was mittelständische Berichte tatsächlich enthalten: Für meine Auswertungsdatenbank habe ich 1.401 europäische Nachhaltigkeitsberichte ausgewertet. Das Bild ist über die Jahrgänge hinweg erstaunlich stabil. Emissionsdaten sind der am zuverlässigsten berichtete Block, und Scope 3 ist dabei längst keine Leerstelle mehr, entgegen der verbreiteten Annahme. Die wiederkehrenden Lücken liegen woanders: bei den Energiekennzahlen und bei den Angaben zu Weiterbildung. Wer also überlegt, wo die eigene Datenerhebung anfangen soll, fängt besser nicht bei den Emissionen an, die ohnehin fast jeder erfasst, sondern bei Energieverbrauch und Personalkennzahlen. Dort entstehen die Rückfragen, und dort liegen die Zahlen, die im eigenen Haus am schlechtesten greifbar sind.
Die Digitalisierung der ESG-Berichterstattung ist längst keine Option mehr, sondern ein Muss. Während Europa bereits einen bedeutenden Anteil am ESG-Software-Markt hält, hinkt Deutschland bei der Nutzung solcher Tools noch hinterher.
Moderne ESG-Softwarelösungen vereinfachen die Datenerfassung, führen Wesentlichkeitsanalysen durch und erstellen Berichte, die den Anforderungen der CSRD entsprechen. Die CSRD verlangt Berichte im European Single Electronic Format (ESEF), das XHTML mit Inline XBRL kombiniert, um eine automatisierte Verarbeitung zu ermöglichen.
Ein Beispiel für ein solches Tool ist das CO₂ Expert Tool der DGB Group, das die Kohlenstoffberichterstattung speziell für KMU zugänglicher macht. Solche Plattformen ermöglichen es auch kleineren Unternehmen, professionelle Berichte zu erstellen, ohne umfangreiche interne Ressourcen aufbauen zu müssen.
Bei der Auswahl einer ESG-Software sollten KMU darauf achten, dass diese mit bestehenden Systemen kompatibel ist, Funktionen für Wesentlichkeitsanalysen bietet, Stakeholder-Engagement unterstützt und Klimarisikoanalysen ermöglicht. Die Global Reporting Initiative (GRI) fasst den Nutzen solcher Berichte treffend zusammen:
"Sustainability reporting helps organizations to set goals, measure performance, and manage change in order to make their operations more sustainable."
Nachhaltiger Erfolg im Mittelstand entsteht durch konsequente und messbare Maßnahmen, nicht durch Marketingstrategien. Das gilt für die Berichterstattung genauso wie für den Betrieb.
Aus dem ersten VSME-Bericht, den ich mit einem KMU umgesetzt habe, nehme ich vor allem eines mit: Der Wert liegt nicht im Bericht. Er liegt in den Folgeanalysen, die überhaupt erst möglich werden, wenn die Daten einmal beisammen sind. Stromkosten und Lastprofile, die physischen Klimarisiken an den eigenen Standorten, Make-or-Buy-Entscheidungen bei Energie. Das sind Fragen mit direktem Ergebniseffekt, und ohne den Datensatz aus dem Bericht lassen sie sich schlicht nicht beantworten.
Wer das ernst nimmt, dreht die Reihenfolge um. Nicht der Bericht rechtfertigt die Datenerhebung, sondern die Datenerhebung rechtfertigt sich über das, was danach damit möglich ist. Der Bericht ist der Nebeneffekt. Solange keine Pflicht greift, ist das für die meisten mittelständischen Unternehmen ohnehin der einzige tragfähige Grund, überhaupt anzufangen.
Praktisch heißt das: ESG-Kriterien in die vorhandene Planung einbinden statt daneben, Kennzahlen aus Systemen ziehen, die es im Haus schon gibt, und mit dem Datensatz weiterarbeiten, statt ihn nach der Abgabe liegen zu lassen. Genau so gehe ich in meinen Projekten mit mittelständischen Unternehmen vor.
Der Schlüssel liegt in kleinen, abgeschlossenen Schritten statt in einem Gesamtprojekt. Digitale Werkzeuge für Datenerfassung und Auswertung nehmen euch den manuellen Aufwand ab, und wenn ihr klare, messbare Ziele setzt, bleibt die Komplexität beherrschbar. Vieles lässt sich zudem mit kostengünstigen Hilfsmitteln erschlagen: Leitfäden, Webinare und punktuelle externe Unterstützung an den Stellen, an denen intern das Fachwissen fehlt.
Für die meisten gar nicht. Die ESRS-Berichtspflicht greift erst oberhalb von 1.000 Mitarbeitenden und 450 Millionen Euro Umsatz, und das erstmals für Geschäftsjahre ab 2027. Alles darunter berichtet freiwillig, in der Regel nach VSME. Der Druck kommt bei mittelständischen Unternehmen deshalb selten aus dem Gesetz, sondern aus Fragebögen von Großkunden, Banken und Auftraggebern, und die kommen unabhängig von jeder Schwelle.
Die ehrliche Antwort lautet: Das hängt fast vollständig davon ab, wie gut eure Daten schon greifbar sind, nicht davon, wie umfangreich der Standard ist. Liegen Energieverbräuche, Abfallmengen und Personalkennzahlen in Systemen vor, aus denen sie sich ziehen lassen, ist der Bericht selbst überschaubar. Müssen diese Zahlen erst aus Rechnungen, Excel-Dateien und Einzelabfragen zusammengesucht werden, liegt dort der gesamte Aufwand. Wer Kosten schätzen will, schätzt deshalb die interne Datenarbeit, nicht das Berichtsdokument.
Energie und Personal. In den Nachhaltigkeitsberichten, die ich ausgewertet habe, sind Emissionsangaben der am zuverlässigsten berichtete Block, während Energiekennzahlen und Weiterbildungsangaben regelmäßig fehlen. Genau diese Lücken erzeugen später Rückfragen von Kunden und Banken. Fangt also bei den Verbrauchsdaten und den Personalkennzahlen an, die Emissionsrechnung baut ohnehin darauf auf.
Sie automatisieren die Erfassung, halten die Nachverfolgbarkeit für spätere Prüfungen fest und erzeugen aus demselben Datenbestand die Berichte. Für euch heißt das weniger manuelle Arbeit, weniger Übertragungsfehler und die Möglichkeit, Fortschritte bei CO₂-Reduktion oder Ressourceneffizienz laufend zu verfolgen statt einmal im Jahr. Wichtig ist dabei weniger der Funktionsumfang als die Frage, ob das Werkzeug an die Systeme andockt, die ihr ohnehin nutzt.
ESG- und Nachhaltigkeitsberater mit Schwerpunkt auf VSME‑Berichterstattung und Klimarisikoanalysen. Begleitet seit 2014 über 300 Projekte für den Mittelstand sowie für Großbanken und Versicherungskonzerne.
Zur PersonViele mittelständische Unternehmen behandeln Nachhaltigkeit noch immer als Compliance-Aufgabe, etwas, das erledigt werden muss, bevor man sich den eigentlichen Geschäftszielen ...
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