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17 min Lesezeit

SBTi-Zertifizierung meistern: Praxisleitfaden für Ablauf, Stolperfallen und Vorbereitung auf die Prüfung

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Ihr wollt eure Klimaziele auf ein neues Level heben? Die SBTi-Zertifizierung hilft Unternehmen, wissenschaftlich fundierte Emissionsziele zu setzen, die im Einklang mit dem Pariser Abkommen stehen. Mit über 10.000 teilnehmenden Unternehmen weltweit ist sie ein klarer Vorteil, besonders für deutsche Firmen, die sich steigenden Anforderungen von Investoren und Kunden stellen müssen. Der Weg dorthin scheitert allerdings selten an der Ambition und oft an der Vorbereitung: an unvollständigen Scope-3-Daten, am falsch verstandenen Ambitionsniveau und an einer Datenorganisation, die den jährlichen Nachweis nicht trägt.

Der Weg zur SBTi-Validierung

Stand dieses Leitfadens: September 2026. Er beschreibt den Validierungs- und Prüfungsweg im Detail, die häufigsten Ablehnungsgründe und die Vorbereitung auf die Einreichung. Den Gesamtüberblick zu Standard, Kosten und Berichtsanbindung findet ihr im SBTi-Komplettleitfaden.

Für das Verständnis des Verfahrens ist eines wichtig: Die Science Based Targets initiative ist keine Behörde und kein Zertifizierer im klassischen Sinn, sondern eine Partnerschaft aus vier Trägerorganisationen. CDP, das World Resources Institute (WRI), der WWF und der UN Global Compact haben die Initiative gegründet und tragen sie bis heute. Was am Ende bestätigt wird, ist deshalb kein Prüfsiegel, sondern die Feststellung, dass eure Ziele einem veröffentlichten Kriterienkatalog entsprechen. Die operative Prüfung liegt bei SBTi Services, einer eigenen Gesellschaft, die Einreichungen nach dem Target Validation Protocol abarbeitet und dafür eine Gebühr erhebt.

Dieser Unterschied ist mehr als eine Formalie. Wer eine Zertifizierung erwartet, rechnet mit einem Audit vor Ort und einem Prüfer, der Belege sichtet. Was tatsächlich stattfindet, ist eine Dokumentenprüfung: Zielformulierung, Basisjahr, Abdeckungsgrad und Methode werden gegen die Kriterien gehalten. Die Qualität eurer Emissionsdaten selbst prüft dabei niemand, die verantwortet ihr. Genau deshalb entscheidet die Nachvollziehbarkeit über Erfolg oder Rückläufer.

Der Kriterienkatalog hat sich gerade geändert. Die SBTi hat Version 2.0 des Corporate Net-Zero Standard am 11. Juni 2026 final veröffentlicht; sie gilt ab dem 31. Januar 2027, Einreichungen gegen die bisherige Fassung 1.3.1 bleiben bis zum 31. Januar 2028 zulässig. Die Richtung der Überarbeitung ist erkennbar: eine Trennung nach Unternehmensgröße mit unterschiedlich strengen Anforderungen, eine schärfere Behandlung von Scope 2 samt Nachweisqualität beim Strombezug, eine Scope-3-Logik, die nach Hebel und Einkaufsvolumen priorisiert statt eine pauschale Abdeckungsquote zu verlangen, und eine laufende Verantwortung für Restemissionen statt einer einmaligen Netto-Null-Erklärung im Zieljahr.

Für eine laufende Einreichung ändert das zunächst nichts. Bis die finale Fassung in Kraft tritt, wird nach der geltenden Version validiert, und bereits bestätigte Ziele behalten ihre Gültigkeit bis zum Zieljahr oder bis zur turnusmäßigen Überprüfung. Wer aber gerade erst das Basisjahr festlegt, sollte die Entwurfsfassung mitlesen, statt sie später nachzuarbeiten. Zwei Punkte kosten rückwirkend am meisten: eine Scope-2-Bilanz ohne belastbare Vertragsnachweise und ein Scope-3-Inventar, das nur die bequem verfügbaren Kategorien enthält. Beides ist beim Aufbau billig richtig zu machen und teuer zu reparieren, sobald die Zahlen veröffentlicht sind.

Der SBTi-Zertifizierungsprozess: 6 Schritte

Der Weg zur Zertifizierung durch die Science Based Targets initiative (SBTi) erfolgt in sechs klar definierten Schritten: Registrierung, Verpflichtung, Entwicklung, Einreichung, Kommunikation und Offenlegung.

Schritt 1: Registrierung und Verpflichtung

Der erste Schritt besteht darin, sich im SBTi Services Validation Portal zu registrieren, um die Berechtigung festzustellen. Danach kann ein Verpflichtungsschreiben eingereicht werden. Für Konzerne und Finanzinstitute ist dies optional. Nach dem Verpflichtungsschreiben bleiben 24 Monate Zeit, die Ziele zur Validierung einzureichen; verstreicht die Frist, wird die Verpflichtung wieder aus der öffentlichen Liste entfernt. Es ist wichtig, ein engagiertes Team und die notwendigen Ressourcen bereitzustellen. Die SBTi empfiehlt, sich ambitionierte Ziele zu setzen, die auf Netto-Null und einer Begrenzung der Erderwärmung auf 1,5°C basieren und die gesamte Wertschöpfungskette einbeziehen.

Schritt 2: Entwicklung der Ziele

Die Zielentwicklung erfolgt auf Basis der SBTi-Standards, -Kriterien und -Leitlinien. Dabei müssen alle Treibhausgasemissionen, also 100 %, berücksichtigt werden. Die Anforderungslogik dahinter ist überschaubar: ein repräsentatives Basisjahr, ein Zieljahr fünf bis zehn Jahre nach der Einreichung, eine Mindestambition auf 1,5-Grad-Niveau für Scope 1 und 2 und eine Scope-3-Zielpflicht, sobald Scope 3 mehr als 40 Prozent eurer Gesamtemissionen ausmacht. Ein zentraler Grundsatz lautet:

„Companies should not default to the target that is easiest to meet but should instead use the most ambitious decarbonization scenarios and methods that lead to the earliest reductions and the least cumulative emissions".

Unternehmen dürfen nur solche Bereiche, Regionen oder Geschäftsströme ausschließen, die weniger als 5 % der Gesamtemissionen ausmachen. Eine unzureichende Datenverfügbarkeit ist keine akzeptable Begründung für das Auslassen von Emissionen. Verlässliche Daten zu Scope-1-, Scope-2- und Scope-3-Emissionen für ein repräsentatives Basisjahr sind unerlässlich.

Schritt 3: Externe Validierung

Die entwickelten Ziele werden über das Validation Portal von SBTi Services eingereicht. Es ist entscheidend, alle erforderlichen Formulare sorgfältig auszufüllen und die Ziele präzise zu dokumentieren. Die SBTi prüft, ob die Ziele den wissenschaftsbasierten Standards entsprechen, und gibt bei Bedarf detailliertes Feedback zur Verbesserung. So führte beispielsweise eine Validierungsunterbrechung in der Automobilbranche zu neuen Leitlinien für Scope-3-Emissionen. Nach erfolgreicher Validierung können die Ziele offiziell kommuniziert werden.

Schritt 4: Kommunikation der Ziele

Nach der Validierung sollten Unternehmen ihre Ziele öffentlich bekannt geben. Dies schafft Transparenz und stärkt das Vertrauen der Stakeholder. Eine klare Kommunikation hilft dabei, Erwartungen zu managen und den Fortschritt sichtbar zu machen.

Schritt 5: Umsetzung der Ziele

Die validierten Ziele müssen in den operativen Betrieb integriert werden. Dazu gehört die Einführung zuverlässiger Systeme zur Datenerfassung und Berichterstattung, um relevante Kennzahlen zu überwachen und den Fortschritt zu messen. Unternehmen sollten klare Indikatoren wie Emissionsreduktion, Energieeffizienz und den Anteil erneuerbarer Energien definieren und diese regelmäßig, mindestens alle fünf Jahre oder bei wesentlichen Änderungen, überprüfen.

Schritt 6: Fortschrittsberichterstattung

Die SBTi verlangt von Unternehmen mit wissenschaftsbasierten Zielen eine jährliche öffentliche Berichterstattung über ihre Treibhausgasemissionen und den Fortschritt bei der Zielerreichung. Im Jahr 2022 berichteten 76 % der Unternehmen mit solchen Zielen öffentlich über ihre Fortschritte, doch nur 53 % deckten dabei alle kurz- und langfristigen Ziele vollständig ab. Zwischen 2015 und 2021 konnten Unternehmen ihre Scope-1- und Scope-2-Emissionen um 25 % senken. Für 1,5°C-konforme Ziele ist eine jährliche Reduktion von mindestens 4,2 % erforderlich. Standardisierte Plattformen wie CDP, GRI oder TCFD können hierfür genutzt werden.

Häufige Fehler und wie ihr sie vermeiden könnt

Die SBTi-Zertifizierung ist ein anspruchsvoller Prozess, bei dem deutsche Unternehmen oft auf ähnliche Herausforderungen stoßen. Eine Analyse der DAX-40-Unternehmen zeigt beispielsweise, dass sieben dieser Konzerne gar keine Angaben zu ihren Scope-3-Emissionen machen. Von den übrigen erfasst nur die Hälfte mehr als vier Kategorien indirekter Emissionen. Solche Lücken können die Validierung erheblich verzögern. Im Folgenden gehe ich die typischen Stolpersteine durch und zeige, wie ihr sie umgeht.

Warum scheitern Einreichungen so oft an Scope 3?

Ein häufiges Problem ist die unvollständige Erfassung von Scope-3-Emissionen, was den Zertifizierungsprozess erheblich verlangsamt. Weniger als die Hälfte der DAX-40-Unternehmen berichten über die zentrale Kategorie „Nutzung verkaufter Produkte“, und lediglich 26 % liefern Daten zu Emissionen aus „eingekauften Gütern und Dienstleistungen“. Diese Defizite sind oft auf uneinheitliche Bilanzierungsansätze zurückzuführen.

Wie weit die Praxis von einer prüffähigen Bilanz entfernt ist, zeigt der Blick in 1.401 öffentliche Berichte der Jahrgänge 2024 und 2025 europäischer Konzerne: 69 Prozent enthalten alle drei Scopes vollständig. 13 Prozent liefern trotz formal eingereichtem Bericht keine extrahierbaren Scope-Daten. Und 8 Prozent der Berichte mit Scope-3-Angabe zeigen einen Scope-3-Wert, der kleiner ist als Scope 1 oder Scope 2, methodisch ein Alarmsignal, denn Scope 3 ist in den meisten Branchen fünf- bis zehnmal größer.

Bernhard Bartels, Geschäftsführer bei Scope ESG Analysis, betont: „Der Druck auf Unternehmen weltweit, ihre CO₂-Emissionen zu melden, steigt stetig, sowohl durch Regulierung als auch von Investoren“.

Trotz dieses wachsenden Drucks nutzen nur etwa 6 % der Unternehmen mit SBTi-genehmigten Zielen detaillierte, lieferantenspezifische Daten. Viele greifen stattdessen auf Branchendurchschnittswerte zurück, da die Datenerhebung komplex ist.

Lösung: Beginnt mit einer vollständigen Übersicht aller 15 Scope-3-Kategorien und identifiziert die für euch wichtigsten. Setzt auf direkte Datenerhebung bei euren zentralen Lieferanten und Kunden, anstatt ausschließlich auf Schätzungen zu vertrauen. Dokumentiert eure Methodik klar und nachvollziehbar, um die Validierung zu erleichtern.

Welche SBTi-Anforderungen werden am häufigsten missverstanden?

Ein weiteres Problem liegt in der Fehleinschätzung der Ambitionsanforderungen. Viele Unternehmen entscheiden sich für das einfachste erreichbare Ziel, obwohl die SBTi ausdrücklich fordert:

„Companies should not default to the target that is easiest to meet but should instead use the most ambitious decarbonization scenarios and methods that lead to the earliest reductions and the least cumulative emissions“.

Die Automobilbranche hat dies besonders zu spüren bekommen: Im März 2022 verhängte die SBTi einen vorübergehenden Validierungsstopp für Automobilhersteller, der erst am 20. März 2024 aufgehoben wurde. Mit der neuen Land Transport Guidance wurde eine Methode eingeführt, die es Automobilherstellern ermöglicht, ihre größte Emissionsquelle, die Scope-3-Kategorie 11 „Nutzungsphase“, mit 1,5°C-Zielen in Einklang zu bringen.

So vermeidet ihr diese Falle: Nutzt ein aktuelles und repräsentatives Basisjahr. Eine unzureichende Datenlage ist keine akzeptable Begründung, um Emissionen auszulassen.

Woran erkennt ihr Schwächen in eurer Datenorganisation?

Neben methodischen Fehlern können auch organisatorische Defizite zu Problemen führen. Schwachstellen in der Datenorganisation sind einer der Hauptgründe für gescheiterte Validierungen. Viele Unternehmen unterschätzen den Aufwand, der mit einer konsistenten und jahresübergreifenden Datenerfassung verbunden ist. Die SBTi verlangt nicht nur eine einmalige Zielvalidierung, sondern auch eine jährliche, öffentliche Berichterstattung über Fortschritte.

Bernhard Bartels warnt: „Unkonsistente ESG-Berichterstattung erschwert die Aufgabe für Fondsmanager, die in diese Unternehmen investiert sind, und macht es schwierig, konsistente Entscheidungen beim Zusammenstellen nachhaltigkeitsorientierter Portfolios zu treffen“.

Lösung: Baut von Anfang an ein solides Datenmanagement auf. Automatisiert die Erfassung von Scope-1-, Scope-2- und Scope-3-Daten und legt klare Verantwortlichkeiten für die Datenqualität fest. Nutzt benutzerfreundliche Tools zur Emissionsberechnung, um eure aktuellen Werte genau zu erfassen. Schult eure Teams in Klimathemen und wissenschaftsbasierten Zielsetzungen. Erstellt zudem einen detaillierten Finanzplan, der die Kosten und den Nutzen von Emissionsreduktionsmaßnahmen analysiert. Überwacht eure Fortschritte kontinuierlich, um die jährliche Berichterstattung und Transparenz zu erleichtern.

Vorbereitung auf die SBTi-Bewertung

Der Weg zur SBTi-Zertifizierung beginnt mit einer gründlichen Vorbereitung. Eine strukturierte Herangehensweise kann entscheidend sein, um Verzögerungen zu vermeiden und den Prozess effizient zu gestalten. Hier erfahrt ihr, wie ihr eure Daten analysiert und die relevanten Akteure einbindet.

Welche Daten braucht ihr vor der Einreichung?

Der erste Schritt ist eine umfassende Erfassung aller Treibhausgasemissionen. Die SBTi fordert eine vollständige Bilanz, die Scope-1-, Scope-2- und Scope-3-Emissionen abdeckt, bevor Reduktionsziele definiert werden können. Diese Daten sind unverzichtbar, da die SBTi alle Emissionen für ihre Validierung berücksichtigt.

Startet mit einer Überprüfung eurer Geschäftsbereiche:

  • Scope 1: Direkte Emissionen aus eigenen Quellen.
  • Scope 2: Indirekte Emissionen aus eingekaufter Energie.
  • Scope 3: Alle weiteren vor- und nachgelagerten Emissionen in der Wertschöpfungskette.

Eure Berechnungen müssen dabei den Standards des GHG Protocols entsprechen.

Ein weiterer zentraler Punkt ist die Wahl eines geeigneten Basisjahres. Dieses sollte repräsentativ für eure Geschäftstätigkeit sein und verifizierbare Daten für alle drei Emissionskategorien enthalten. Es ist wichtig, dass sämtliche Emissionen quantifiziert und dokumentiert werden, auch solche, die zunächst als geringfügig erscheinen.

Für Scope-3-Emissionen dürfen maximal 5 % der Emissionen ausgeschlossen werden, wobei 67 % der berichteten Emissionen in die Ziele einzubeziehen sind. Für Scope 1 und 2 gilt eine kombinierte Ausschlussgrenze von bis zu 5 %.

Wen müsst ihr intern und in der Lieferkette einbinden?

Die Festlegung wissenschaftsbasierter Ziele erfordert eine enge Zusammenarbeit im gesamten Unternehmen. Auch Lieferanten, regionale Stakeholder und die Führungsebene spielen dabei eine Schlüsselrolle. Besonders wichtig ist die Zusammenarbeit zwischen euren Finanzteams und Nachhaltigkeitsexperten, um die Emissionen präzise zu erfassen und zu berichten.

Bindet eure Lieferanten aktiv in den Prozess ein, da sie essenziell für die Erfassung der Scope-3-Emissionen sind. Ebenso muss die Führungsebene vollständig hinter dem Projekt stehen, um die nötigen Ressourcen und Unterstützung bereitzustellen. Ohne dieses Engagement wird es schwierig, andere Abteilungen zu mobilisieren. Klare Zuständigkeiten und Kommunikationswege zwischen allen Beteiligten sind hier entscheidend.

Was könnt ihr selbst leisten und wofür braucht ihr Begleitung?

Der größere Teil der Arbeit ist intern machbar, und das ist auch die günstigere Variante. Die Bilanz für Scope 1 und 2, die Wahl des Basisjahres, das Screening der 15 Scope-3-Kategorien, die Datenerhebung bei den wichtigsten Lieferanten und das Ausfüllen der Einreichungsformulare: dafür braucht es Zeit und eine benannte verantwortliche Person, keine externe Begleitung. Wer diese Schritte komplett auslagert, kauft Tempo und verliert das Wissen darüber, wie die eigenen Zahlen zustande kommen. Genau dieses Wissen braucht ihr jedes Jahr wieder für die Fortschrittsberichterstattung.

Extern lohnt sich Unterstützung an drei Stellen. Erstens bei der Methodenwahl, wenn für eure Branche ein sektorspezifischer Pfad gilt oder unklar ist, welche Scope-3-Kategorien überhaupt zielrelevant sind. Zweitens bei der Modellierung des Reduktionspfads, weil dort die Ambition festgelegt wird, die euch für die kommenden Jahre bindet. Drittens beim Umgang mit Rückfragen aus der Validierung, wenn eine Einreichung mit Auflagen zurückkommt und die Antwort in wenigen Wochen stehen muss. Wenn ihr dafür Begleitung sucht, findet ihr Leistungen und direkten Kontakt auf fiegenbaum.solutions.

Bei der Auswahl zählt für mich nur ein Kriterium: Kann euch die Person eine bereits validierte Einreichung erklären, mit Kriterium, Formularfeld und Begründung? Wer das kann, hat den Prozess wirklich durchlaufen. Wer stattdessen über Klimastrategie im Allgemeinen spricht, hilft euch bei der Einreichung nicht weiter.

Tools und Methoden für den SBTi-Erfolg

Die zuvor beschriebenen Herausforderungen im Datenmanagement zeigen, wie wichtig spezialisierte Tools und Methoden sind, um den Zertifizierungsprozess reibungslos zu gestalten. Über 90 % der Fortune-500-Unternehmen setzen auf das GHG Protocol, was die Bedeutung standardisierter Ansätze zur Emissionsmessung unterstreicht.

Carbon-Accounting-Software-Optionen

Die Wahl der Bilanzierungssoftware ist weniger eine Funktions- als eine Nachweisfrage. Für die Validierung zählt nicht, wie elegant ein Dashboard rechnet, sondern ob ihr zu jeder Zahl Quelle, Methode und Emissionsfaktor samt Jahrgang zurückverfolgen könnt. Achtet deshalb auf exportierbare Rohdaten, versionierte Faktorbibliotheken, eine Änderungshistorie und die Möglichkeit, das Basisjahr nachträglich zu restatieren, ohne die Historie zu verlieren. Alles andere ist Komfort.

Aus der eigenen Tool-Entwicklung kenne ich eine Stelle, an der Software auf dem Papier protokollkonform ist und in der Prüfung trotzdem durchfällt: Scope 2 nach der marktbasierten Methode. Das GHG Protocol verlangt dafür vertragliche Instrumente, die bestimmte Qualitätskriterien erfüllen, also Nachweise mit passendem Jahrgang, passendem Marktgebiet und exklusivem Anspruch. Viele Werkzeuge lösen das, indem sie schlicht einen vom Versorger gemeldeten Faktor in die Rechnung ziehen. Formal entsteht dabei ein marktbasierter Wert, prüfbar ist er nicht, weil das Instrument dahinter fehlt.

Der Fehler fällt erst auf, wenn jemand das Basisjahr nachrechnen soll. Dann steht eine Zahl im Bericht, die sich nicht reproduzieren lässt, und die Korrektur trifft nicht nur Scope 2, sondern das gesamte Zielniveau. Baut die Bilanz deshalb von Anfang an doppelt auf, standortbasiert und marktbasiert, und hinterlegt die Vertragsnachweise dort, wo auch die Verbrauchsdaten liegen. Wenn eine Software das nicht sauber trennen kann, ist sie für den SBTi-Weg die falsche Wahl, unabhängig vom übrigen Funktionsumfang.

Verknüpfung der SBTi mit eurer ESG-Strategie

Nach der Auswahl passender Tools geht es darum, die gewonnenen Daten in eure ESG-Strategie zu integrieren. Die Verknüpfung von SBTi-Zielen mit eurer ESG-Strategie sorgt für eine einheitliche Ausrichtung, die eure Unternehmensziele mit globalen Klimaschutzmaßnahmen verbindet.

Dabei ist Carbon Offsetting aus meiner Sicht in den meisten Fällen Selbsttäuschung. Die SBTi Mitigation Hierarchy stellt Reduktion und Insetting in der Wertschöpfungskette aus gutem Grund vor Offsets: In den allermeisten Anwendungsfällen sind Offsets billiger als Handeln, aber sie adressieren das eigentliche Geschäftsrisiko nicht. Eine Net-Zero-Strategie, die auf Offsets basiert, hat das CO₂-Problem nicht gelöst, sondern aufgeschoben. Mit der laufenden Standardüberarbeitung wird dieser Punkt eher schärfer als milder.

Beispiele aus der Praxis zeigen, wie die Verknüpfung gelingen kann: Microsoft strebt an, bis 2030 klimanegativ zu werden, und kombiniert ESG-Ziele mit SBTi-Maßnahmen, etwa durch Projekte für erneuerbare Energien, Kohlenstoffabscheidungstechnologien und das Scope-3-Emissionsmanagement. IKEA verfolgt wissenschaftsbasierte Ziele, um bis 2030 klimapositiv zu sein, arbeitet dafür eng mit Lieferanten und Kunden zusammen, verbessert die Kreislauffähigkeit seiner Produkte und setzt auf erneuerbare Energien.

Fortschrittsverfolgung über die Zeit

Nach der Genehmigung durch die SBTi ist es wichtig, die Emissionen jährlich offenzulegen und den Fortschritt zu überwachen. Ziele sollten alle fünf Jahre oder bei wesentlichen Änderungen überprüft werden. Bis Anfang 2025 haben sich bereits mindestens 10.602 Unternehmen zu einem SBTi-konformen Ziel verpflichtet, von denen 7.129 genehmigt wurden.

Sollten Ziele nicht erreicht werden, empfiehlt es sich, die Strategien zu überarbeiten, Anpassungen vorzunehmen und Herausforderungen sowie ergriffene Maßnahmen transparent zu kommunizieren. Wie Keiko Shiga von Sony Corporation betont:

„Having a science-based target helps keep us on track. It means we know what we need to do in the short and medium term to meet the longer-term vision. By being part of the global initiative we know we are part of a bigger movement".

Wenn ihr für die Einordnung eurer Zahlen Marktdaten braucht: Der Fiegenbaum Atlas zeigt Green-Bond-Volumen, Berichts-Benchmarks und EU-ETS-Preise, automatisch aktualisiert.

Fazit

Die SBTi-Validierung ist kein Siegel, das man erwirbt, sondern eine Prüfung der eigenen Hausaufgaben durch Dritte. Der Nutzen entsteht nicht am Tag der Bestätigung, sondern vorher: beim Aufräumen der Emissionsdaten, beim Festlegen eines Basisjahres, das ihr in fünf Jahren noch verteidigen könnt, und in den Gesprächen mit Lieferanten, die ohne das Ziel nie stattgefunden hätten. Wer den Prozess als Datenprojekt anlegt statt als Kommunikationsprojekt, kommt schneller durch und muss später weniger nacharbeiten.

Der Aufwand liegt fast vollständig in der Vorbereitung. Wer mit einer vollständigen Bilanz, einem dokumentierten Basisjahr und einer nachvollziehbaren Methodik einreicht, hat den schwierigen Teil hinter sich. Wer einreicht, um zu sehen, was zurückkommt, verbrennt eine Gebühr und mehrere Monate. Und weil der Corporate Net-Zero Standard gerade überarbeitet wird, ist der beste Zeitpunkt für sauberes Datenmanagement ohnehin jetzt: Eine Bilanz, die den heutigen Kriterien standhält, hält auch den nächsten stand, während eine Bilanz mit Lücken bei jeder Standardrevision teurer nachzubessern ist.

Das Thema habe ich hier ausführlicher behandelt: Was Startups bei der CO2-Bilanzierung falsch machen (und wie man es ändern kann).

FAQs

Welche Schritte sind erforderlich, um die SBTi-Zertifizierung zu erhalten, und wie lange dauert der Prozess üblicherweise?

Der Prozess zur SBTi-Zertifizierung besteht aus mehreren Schritten: Registrierung, Erarbeitung der Klimaziele, Einreichung zur Überprüfung, Validierung durch die SBTi und schließlich der offiziellen Zertifizierung.

Wie lange dieser Prozess dauert, hängt stark von der Größe eures Unternehmens und der Komplexität der zugrunde liegenden Daten ab. Üblicherweise kann es mehrere Monate bis zu einem Jahr in Anspruch nehmen, bis die Zertifizierung erfolgreich abgeschlossen ist. Mit einer gründlichen Vorbereitung und einer klaren, gut organisierten Datenbasis lässt sich der Ablauf jedoch spürbar beschleunigen.

Was kostet die Validierung bei SBTi Services, und wovon hängt die Gebühr ab?

Die Validierung ist kostenpflichtig, und die Gebühr erhebt SBTi Services, nicht die Initiative selbst. Sie richtet sich nach Größe und Kategorie eures Unternehmens: Für kleine und mittlere Unternehmen gibt es einen deutlich günstigeren, pauschalen Weg, für größere Unternehmen eine höhere Gebühr je Einreichung. Die jeweils gültigen Sätze veröffentlicht SBTi Services im Validation Portal. Sie werden regelmäßig angepasst, verlasst euch also nicht auf Zahlen aus älteren Beiträgen.

Für die Kalkulation wichtig: Die Gebühr fällt je Einreichung an. Kommt eure Einreichung mit Auflagen zurück und muss überarbeitet werden, kann eine erneute Prüfung anfallen. Der größere Kostenblock ist ohnehin nicht die Gebühr, sondern die interne Arbeitszeit für Datenerhebung und Zielmodellierung.

Was passiert nach der erfolgreichen Validierung, und wann müsst ihr neu validieren?

Mit der Bestätigung endet der Prozess nicht, er beginnt im Jahresrhythmus neu. Ihr müsst Emissionen und Fortschritt jährlich öffentlich berichten, etwa im Nachhaltigkeits- oder Geschäftsbericht oder über den CDP-Fragebogen. Bleibt diese Berichterstattung aus, kann der Zielstatus wieder verloren gehen.

Die Ziele selbst gelten nicht unbegrenzt. Sie sind mindestens alle fünf Jahre zu überprüfen und neu einzureichen, außerdem immer dann, wenn sich euer Unternehmen wesentlich verändert, etwa durch Zukauf, Verkauf oder eine Umstellung der Bilanzierungsmethodik. Hinzu kommt die Standardentwicklung: Ab dem 31. Januar 2027 gilt der Corporate Net-Zero Standard in Version 2.0 für neue Einreichungen (Übergangsfrist für die Fassung 1.3.1 bis 31. Januar 2028), und spätestens bei der nächsten turnusmäßigen Überprüfung richtet ihr eure Ziele daran aus.

Welche typischen Fehler passieren bei der Erfassung von Scope-3-Emissionen, und wie können Unternehmen diese vermeiden?

Bei der Erfassung von Scope-3-Emissionen treten häufig Probleme auf, die die Genauigkeit und Zuverlässigkeit der Daten beeinträchtigen können. Dazu gehören unvollständige oder fehlerhafte Datensätze, eine mangelnde Abstimmung mit Lieferanten sowie der Einsatz ungenauer oder nicht standardisierter Methoden. Solche Schwächen führen oft dazu, dass Emissionen entweder doppelt erfasst oder komplett übersehen werden.

Wie lassen sich diese Fehler vermeiden? Folgende Ansätze helfen:

  • Sorgfalt bei der Datenqualität: Prüft regelmäßig, ob die erfassten Daten vollständig und präzise sind. Nur verlässliche Informationen ermöglichen fundierte Entscheidungen.
  • Einsatz bewährter Standards: Nutzt etablierte Berichtsstandards wie das GHG Protocol, um eine einheitliche und nachvollziehbare Datenerfassung sicherzustellen.
  • Enger Austausch mit Lieferanten: Eine transparente Kommunikation mit euren Lieferanten ist entscheidend, um zuverlässige Daten entlang der gesamten Lieferkette zu erhalten.

Mit einer klaren Strategie und gut durchdachten Prozessen könnt ihr typische Fehler vermeiden und die Erhebung von Scope-3-Emissionen effizienter gestalten. So legt ihr den Grundstein für eine nachhaltige und glaubwürdige Klimabilanz.

Wie können Unternehmen sicherstellen, dass ihre Emissionsziele den Anforderungen der SBTi entsprechen und gleichzeitig erreichbar bleiben?

Um sicherzustellen, dass eure Emissionsziele sowohl ehrgeizig als auch realistisch sind, solltet ihr sie auf wissenschaftlich fundierte Daten und die Vorgaben des Pariser Abkommens ausrichten. Das bedeutet, klare Reduktionspfade zu definieren, die erreichbar sind, und diese regelmäßig zu überprüfen, um auf dem richtigen Weg zu bleiben.

Anforderungen für die SBTi-Validierung: Eine erfolgreiche Validierung durch die Science Based Targets initiative (SBTi) setzt voraus, dass eure Ziele klar, messbar und zeitlich definiert sind. Regelmäßige Fortschrittskontrollen sind dabei unverzichtbar. So könnt ihr eure Strategien bei Bedarf anpassen, falls sich Rahmenbedingungen ändern oder zusätzliche Maßnahmen erforderlich werden.

Johannes Fiegenbaum

Johannes Fiegenbaum

ESG- und Nachhaltigkeitsberater mit Schwerpunkt auf VSME‑Berichterstattung und Klimarisikoanalysen. Begleitet seit 2014 über 300 Projekte für den Mittelstand sowie für Großbanken und Versicherungskonzerne.

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