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Scope-2-Emissionen: Was sie sind und wie man sie senkt

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Scope-2-Emissionen sind die Treibhausgase (THG), die bei der Erzeugung der Energie entstehen, die du einkaufst und selbst verbrauchst: Strom, Fernwärme, Dampf, Kälte. Du verbrennst nichts davon im eigenen Betrieb, trägst die Emission aber in deiner Bilanz. Für die meisten Unternehmen ist Scope 2 der Einstieg in den Corporate Carbon Footprint (CCF), weil die Daten längst vorliegen: in den Energierechnungen.

Wie groß der Unterschied zwischen marktbasierter und standortbasierter Rechnung in der Praxis wird, zeigt sich bei Rechenzentren: CO₂ in Rechenzentren rechnet die Kennzahlen, Pflichten und Hebel für Betreiber und IT-Einkauf durch.

Was sind Scope-2-Emissionen? Definition und Beispiele

Das GHG Protocol teilt Emissionen in drei Scopes ein. Scope 2 umfasst genau eine Kategorie: leitungsgebundene Energie, die du von außen beziehst und im eigenen Betrieb nutzt. Entscheidend ist, wer die Energie einkauft, nicht wo sie erzeugt wurde.

  • Netzstrom für Produktion, Server, Beleuchtung und Klimatisierung
  • Fernwärme für Büro- und Hallenheizung
  • Prozessdampf aus einem Nachbarbetrieb oder Heizkraftwerk
  • Fernkälte für Rechenzentren und Kühlhäuser
  • Strom für die eigene E-Flotte an der Firmenwallbox

Nicht dazu gehören der Diesel im Firmenwagen und das Erdgas in der eigenen Heizung: Beides verbrennst du selbst, das ist Scope 1. Der Strom in der Fabrik deines Zulieferers ist dessen Scope 2 und dein Scope 3.

Energieart Datenquelle Scope
NetzstromJahresrechnung des Versorgers, kWh2
FernwärmeAbrechnung des Wärmelieferanten, kWh2
Prozessdampf, FernkälteLiefervertrag, Zählerstände2
Erdgas in eigener HeizungGasrechnung1
Kraftstoff FirmenflotteTankkartenauswertung1
Strom beim ZuliefererLieferantenabfrage3

Market-based und location-based: die zwei Berechnungsarten

Das GHG Protocol verlangt beide Werte nebeneinander, nicht einen davon.

Location-based Market-based
EmissionsfaktorDurchschnitt des lokalen NetzesVertrag, Herkunftsnachweis, Lieferantenmix
DatenbedarfkWh plus nationaler FaktorkWh plus Nachweise plus Restmix
Wirkung eines Ökostromtarifskeinestarke Senkung, oft bis null
BeantwortetWas steckt physisch im Netz?Was hast du vertraglich beschafft?

Für den location-based Wert brauchst du nur deinen Verbrauch in kWh und den nationalen Emissionsfaktor, in Deutschland vom Umweltbundesamt. Für den market-based Wert kommen die Verträge dazu: Herkunftsnachweise, Lieferantenmix, Abrechnungen aus Power Purchase Agreements. Fehlen Nachweise, rechnest du mit dem Restmix, und der liegt über dem Netzdurchschnitt.

Meine Position dazu: Herkunftsnachweise senken deine market-based Bilanz, nicht die Emission am Kraftwerk. Ein Zertifikat aus norwegischer Wasserkraft ändert nichts am Kohleanteil in deinem Netzabschnitt. Ich nutze den market-based Wert deshalb als Steuerungsgröße für die Beschaffung und den location-based Wert als ehrliche Antwort auf die Frage, wie viel CO₂ dein Betrieb tatsächlich auslöst. Wer nur den ersten berichtet, verkauft Buchhaltung als Klimaschutz.

Scope 2 bei PV-Anlage, Eigenstrom und Mieterstrom

Sobald eine PV-Anlage auf dem Dach liegt, wird die Zuordnung unübersichtlich. Die Regel ist einfacher, als sie wirkt: In Scope 2 zählt nur, was du einkaufst.

Der Strom aus der eigenen Anlage, den du selbst verbrauchst, taucht in Scope 2 gar nicht auf. Er senkt deinen Netzbezug und damit die Scope-2-Bilanz. Was du trotzdem aus dem Netz ziehst, nachts, im Winter, bei Lastspitzen, bleibt vollständig Scope 2. Eingespeister Überschuss ist keine negative Emission: Du darfst ihn nicht gegenrechnen, sondern nur außerhalb der Scope-Bilanz als vermiedene Emission ausweisen.

Beim Mieterstrom entscheidet die Rolle. Vermietest du Flächen und lieferst den PV-Strom an deine Mieter, ist dieser Verbrauch nicht dein Scope 2, sondern deren. Bei dir bleibt der Allgemeinstrom: Treppenhaus, Aufzug, Tiefgarage, Wärmepumpe. Bist du der Mieter mit Mieterstromvertrag, berichtest du den bezogenen Strom als eigenen Scope 2, market-based mit dem Faktor der Anlage, location-based mit dem Netzfaktor.

Stromfluss Wessen Scope 2 Ansatz in der Bilanz
PV-Eigenverbrauchniemandesemissionsfrei, senkt den Netzbezug
Reststrom aus dem NetzdeinerNetz- oder Vertragsfaktor
Einspeisung ins Netzniemandesnicht gegenrechnen
Mieterstrom an Mieterdes MietersAnlagen- oder Netzfaktor
Allgemeinstrom im Gebäudedes VermietersNetz- oder Vertragsfaktor

Scope-2-Emissionen senken: Maßnahmen nach Kosten und Wirkung

Die Reihenfolge entscheidet über die Wirtschaftlichkeit. Ich priorisiere über die Vermeidungskosten, also Euro je vermiedener Tonne CO₂. Das ist die Logik der Marginal Abatement Cost Curve: zuerst die Maßnahmen, die Geld einsparen, danach die, die Geld kosten.

Maßnahme Investition Einsparwirkung Vorlaufzeit
Ökostromtarif mit Herkunftsnachweisengeringhoch, nur market-basedWochen
LED und Beleuchtungssteuerungniedrigmittel bis hoch, beide MethodenWochen
Energiemanagementsystemmittelhoch und dauerhaft, beide MethodenMonate
PV-Anlage für den Eigenverbrauchhochhoch, beide MethodenMonate bis Jahre
Power Purchase Agreementmittelhoch, nur market-basedMonate

Der Ökostromtarif ist der schnellste Hebel und zugleich der schwächste, weil er nur den market-based Wert verändert. Alles, was den Verbrauch senkt oder Erzeugung vor Ort schafft, wirkt in beiden Methoden und hält deshalb auch stand, wenn jemand genauer hinsieht.

Für kleine Unternehmen reicht eine schlanke Variante: zwölf Monate Energierechnungen zusammenstellen, die drei größten Verbraucher identifizieren, den Tarif prüfen, dann Beleuchtung und Steuerung angehen. Wer Scope 2 nicht einmalig senken, sondern dauerhaft steuern will, braucht ein Energiemanagementsystem. Was ISO 50001 dafür verlangt und ab welcher Verbrauchsschwelle es Pflicht wird, steht dort.

Häufige Fehler und was davon im Nachhaltigkeitsbericht ankommt

Drei Fehler sehe ich fast immer. Erstens fehlen Fernwärme und Dampf: Der Stromeinkauf wird sauber erfasst, die Wärmelieferung nicht, obwohl sie an Industriestandorten einen erheblichen Anteil ausmacht. Zweitens die Doppelzählung bei gemieteten Flächen, wenn der Vermieter den Allgemeinstrom bilanziert und der Mieter denselben Strom über die Nebenkostenabrechnung noch einmal ansetzt. Drittens veraltete Emissionsfaktoren: Der deutsche Strommix wird jedes Jahr sauberer, wer mit einem Faktor von vor fünf Jahren rechnet, bildet die eigene Entwicklung falsch ab.

Was davon im Bericht ankommt, ist ernüchternd. In den von mir ausgewerteten europäischen Nachhaltigkeitsberichten enthalten 69 Prozent alle drei Scopes, bei 13 Prozent lassen sich trotz eingereichtem Bericht überhaupt keine Scope-Daten entnehmen. Scope 2 ist dabei in aller Regel gut dokumentiert, weil die Stromrechnung die Datenbasis liefert. Wer hier sauber rechnet und die Datengrundlage nachvollziehbar festhält, liegt bereits über dem Durchschnitt. Wie sich Scope 2 in eine prüffähige THG-Bilanz einfügt, steht im Artikel zu ISO 14064.

FAQ

Was sind Scope-2-Emissionen einfach erklärt?

Die Treibhausgase, die anderswo entstehen, damit du Strom, Wärme, Dampf oder Kälte einkaufen und nutzen kannst. Du verursachst sie nicht im eigenen Betrieb, bezahlst sie aber mit und musst sie bilanzieren.

Zählen Fernwärme, Dampf und Kälte zu Scope 2?

Ja, sofern du sie einkaufst. Erzeugst du Wärme in der eigenen Heizung, ist der Brennstoff Scope 1.

Was ist der Unterschied zwischen Scope 1, 2 und 3?

Scope 1 sind Emissionen aus eigenen Quellen, etwa Fuhrpark und Heizung. Scope 2 sind eingekaufte Energie. Scope 3 ist alles Übrige in der Wertschöpfungskette, von Vormaterial bis Produktnutzung. Sobald es sich um zugekaufte leitungsgebundene Energie handelt, ist es Scope 2 und nicht Scope 3.

Woher bekomme ich belastbare Emissionsfaktoren?

Den nationalen Netzfaktor veröffentlicht das Umweltbundesamt jährlich. Vertragsspezifische Faktoren und den Restmix musst du bei deinem Versorger anfragen und schriftlich dokumentieren.

Johannes Fiegenbaum

Johannes Fiegenbaum

ESG- und Nachhaltigkeitsberater mit Schwerpunkt auf VSME‑Berichterstattung und Klimarisikoanalysen. Begleitet seit 2014 über 300 Projekte für den Mittelstand sowie für Großbanken und Versicherungskonzerne.

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