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13 min Lesezeit

CORDEX EUR-11 vs. CMIP6: Klimadatenwahl für Klimarisiko

Erdkugel aus dem Weltraum, Symbolbild Klimaprojektion CORDEX CMIP6 für Unternehmen

Wenn Unternehmen ihre physischen Klimarisiken nach CSRD, EU-Taxonomie oder IFRS S2 offenlegen, fällt die methodische Weichenstellung auf eine Datenfrage: Welche Klimaprojektionen tragen die Analyse? CMIP6 als globale Modellbasis mit dem aktuellen SSP-Framework und 100 bis 200 km Gitter, oder CORDEX EUR-11 als regionalisiertes Downscaling auf 12,5 km mit RCP-Antrieb. Beide haben eine klar abgegrenzte Stärke und eine klar dokumentierte Limitation. Wer den Unterschied nicht kennt, baut keine prüfungsfeste Risikoanalyse. Dieser Authority-Spoke ordnet Architektur, Szenarien, Bias-Korrektur, regulatorischen Rahmen und liefert einen Entscheidungsbaum für deutsche und europäische Industriestandorte.

Architektur: WCRP, CMIP6 und CORDEX im Aufbau

Beide Datenwelten stehen unter dem Dach des World Climate Research Programme (WCRP). CMIP6 (Coupled Model Intercomparison Project Phase 6) ist das global koordinierte Rahmenwerk für gekoppelte Klimamodelle, lieferte die Grundlage für den IPCC-AR6 und umfasst Simulationen von über 100 Modellen aus 30 Ländern. Globale Klimamodelle (GCMs) im CMIP6-Ensemble operieren typischerweise auf Gitterauflösungen von 100 bis 200 km, im HighResMIP-Subset bis 25 km. Das erfasst großräumige Dynamiken zuverlässig, regionale Differenzierungen (Mittelgebirge, Küstengradienten) nur grob.

CORDEX (Coordinated Regional Climate Downscaling Experiment) wurde 2009 ebenfalls vom WCRP initiiert. Die Logik: Regionale Klimamodelle (RCMs) werden durch GCMs „angetrieben", die GCM-Ausgabe bildet die lateralen Randbedingungen, das RCM simuliert auf feinerem Gitter regionale Prozesse. Dynamisches Downscaling als Standardverfahren.

EURO-CORDEX ist der europäische Arm, produziert Ensembles auf 0,11° Gitter (etwa 12,5 km Auflösung), kurz EUR-11. Beteiligt sind das Deutsche Klimarechenzentrum (DKRZ), das Climate Service Center Germany (GERICS) am Helmholtz-Zentrum Hereon, sowie zahlreiche europäische Forschungseinrichtungen. Antrieb derzeit primär CMIP5, CORDEX-CMIP6 ist im Aufbau.

Räumliche Auflösung und Kernvariablen

Eine CMIP6-Gitterbox überspannt eine Fläche, die von der Nordseeküste bis nach Hannover reichen kann. Der Unterschied zwischen städtischem Wärmeinseleffekt, Marschland und Heideregion verschwindet darin. CORDEX EUR-11 löst Mittelgebirgseffekte, Küstengradienten und regionale Zirkulation deutlich besser auf.

Kernvariablen aus dem EUR-11-Output für die Industriepraxis:

  • tasmax (Tagesmaximumtemperatur): Hitzetage über 30 °C, Tropennächte, Kühlbedarfsprojektion, Arbeitsschutz
  • pr (Tagesniederschlag) und R99p (sehr starker Niederschlag): Überflutungsanalysen
  • CDD (Consecutive Dry Days): Trockenperioden, Wasserversorgung, Brandrisiko, Agrarlieferketten
  • sfcWind / wsgsmax (Windgeschwindigkeit, max. Bö): Sturmrisiko
  • prsn, snw (Schneelast): Dachkonstruktionen, alpine Standorte

Wichtige Limitation: Hagel ist auf 12,5 km Auflösung nicht direkt projizierbar, weil konvektive Zellen auf 1 bis 20 km Skala in Minuten entstehen. Für Hagel gehört ein anderer methodischer Pfad in die Analyse, wie er im Hagelhäufigkeit-Spoke über ERA5-Reanalyse und AR-CHaMo beschrieben ist.

RCP vs. SSP: Kein 1:1-Mapping

CORDEX EUR-11 basiert derzeit auf CMIP5-Antrieb und nutzt die Representative Concentration Pathways (RCP2.6, RCP4.5, RCP8.5). RCP2.6 entspricht einem starken Klimaschutzpfad (2,6 W/m² zusätzlicher Antrieb), RCP8.5 einem „Business-as-usual"-Pfad. Die Szenarien sind gut validiert, datenreich, seit Jahren etabliert.

CMIP6 nutzt die Shared Socioeconomic Pathways (SSPs): SSP1-1.9, SSP1-2.6, SSP2-4.5, SSP3-7.0, SSP5-8.5. SSPs verknüpfen den Strahlungsantrieb mit einem sozioökonomischen Entwicklungsnarrativ (Bevölkerung, Wirtschaft, Governance). Stärke für die unternehmerische Bewertung: nicht nur physische Impacts, sondern auch Transitionsrisiken werden adressiert.

Die Faustregel RCP8.5 ≈ SSP5-8.5, RCP4.5 ≈ SSP2-4.5, RCP2.6 ≈ SSP1-2.6 ist eine Näherung, kein exaktes Mapping. Beide Generationen stimmen im Strahlungsantrieb grob überein, aber CMIP6-Modelle zeigen im Ensemble eine höhere Klimasensitivität (ECS) als CMIP5-Modelle. Für SSP5-8.5 ergeben sich daher tendenziell höhere Temperaturprojektionen als für das nominell „äquivalente" RCP8.5 in EURO-CORDEX. EFRAG und ISSB veröffentlichen keine offizielle Mapping-Tabelle. Stattdessen empfehlen sie, Unsicherheit durch Verwendung eines Ensembles mehrerer Modelle und Szenarien abzudecken statt auf ein Einzelmapping zu vertrauen. Die RCP/SSP-Komplettanleitung nennt die methodischen Schritte für eine prüfungsfeste Auswahl.

Limitationen von CORDEX EUR-11

Kein vollständiges SSP-Set

Das bestehende EURO-CORDEX EUR-11-Ensemble (CMIP5-Antrieb) deckt kein vollständiges SSP-Szenarioset ab. Die Daten enden beim RCP-Framework. CORDEX-CMIP6 ist im Aufbau, das WCRP veröffentlichte im April 2025 die aktualisierte Experiment-Design-Dokumentation, einzelne Simulationen laufen. Wer 2026 CORDEX EUR-11 für SSP-basierte Berichterstattung nutzt, muss die RCP-SSP-Brücke methodisch dokumentieren.

Bias-Korrektur ist methodisch zwingend

Alle regionalen Klimamodelle zeigen systematische Fehler gegenüber Beobachtung. In EURO-CORDEX wurden Temperaturbiases von teils über 1,5 °C und Niederschlagsbiases bis ±40 Prozent dokumentiert. Bias-Korrekturen sind daher nicht optional. Standard sind drei Verfahren:

  • Quantile Mapping (QM): Passt die statistische Verteilung des Modelloutputs an die Beobachtungsverteilung an. In EURO-CORDEX wurden sechs QM-Methoden mit drei Beobachtungsdatensätzen angewendet.
  • ISIMIP3BASD: Vom Potsdam-Institut entwickelte parametrische QM-Methode, trend-preserving, das heißt sie erhält den Klimaänderungstrend. GERICS hat auf dieser Basis 8 EUR-11-RCMs mit E-OBS-Referenz bias-korrigiert frei veröffentlicht.
  • CORDEX-Adjust: Bias-adjustierte EUR-11- und EUR-44-Simulationen auf dem ESGF unter eigenem Projektnamen.

Randwertproblematik und Modellkaskade

RCMs erhalten ihre Randbedingungen vom antreibenden GCM. Biases im GCM werden partiell in den RCM-Output „übertragen". Konvektive Extremereignisse wie Hagel, lokale Gewitter, Superzellen sind bei 12,5 km Auflösung nach wie vor parametrisiert statt explizit modelliert. Die Darstellung dieser Hazards bleibt eine wesentliche Limitation des EUR-11-Ensembles.

Das Wichtigste auf einen Blick

  • CORDEX EUR-11: 12,5 km Auflösung, RCP-Antrieb (CMIP5), ideal für deutsche und europäische Standortbewertung.
  • CMIP6: 100–200 km Auflösung, vollständiges SSP-Framework, ideal für globale Supply-Chain und Methodenrobustheit.
  • Kein 1:1-Mapping RCP↔SSP. EFRAG/ISSB empfehlen Ensemble-Ansatz statt Einzelübersetzung.
  • Bias-Korrektur ist Pflicht, ISIMIP3BASD ist der trend-preserving Standard.

EFRAG, TCFD, ISSB und EU-Taxonomie als Anwendungsrahmen

ESRS E1-9 ist die zentrale regulatorische Vorgabe: „anticipated financial effects from material physical and transition risks". Unternehmen müssen die monetären Auswirkungen materieller physischer Klimarisiken auf Vermögenswerte und Umsätze offenlegen, vor und nach Anpassungsmaßnahmen. Die Bundesbank-Analyse stellt klar: ESRS E1 verlangt Angabe, ob und wie Szenarioanalysen genutzt wurden, und nennt öffentlich verfügbare Szenarien als Optionen. EFRAG veröffentlichte im Juli 2025 überarbeitete Exposureentwürfe im Omnibus Simplification Package mit einer Reduktion der Datenpunkte um bis zu 57 Prozent. Die Szenarioanalyse-Pflicht bleibt aber erhalten: mindestens zwei kontrastierende Szenarien, einen Niedrigemissionspfad (RCP2.6 / SSP1-2.6) und einen Hochemissionspfad (RCP8.5 / SSP5-8.5).

TCFD und IFRS S2 sind methodenagnostisch in der Wahl spezifischer Klimamodelle. IFRS S2, seit Januar 2024 gültig, fordert explizit eine Stresstestung der Geschäftsstrategie gegen verschiedene Klimapfade, inklusive 1,5-°C-Szenario. Entscheidend ist die Dokumentationstiefe: Auditoren erwarten nachvollziehbare Datenprovenienz, beschriebene Methodik, begründete Szenariowahl. CORDEX EUR-11 ist dafür gut geeignet, weil die Publikationen peer-reviewed sind und in der wissenschaftlichen Gemeinschaft breit akzeptiert.

Die EU-Taxonomie verlangt im DNSH-Kriterium (Do No Significant Harm) eine Klimarisiko- und Vulnerabilitätsanalyse (CRVA). Der österreichische Leitfaden KlimTAX gibt methodische Empfehlungen. CORDEX EUR-11 als regionalisiertes Produkt eignet sich besonders gut, weil DNSH standortspezifische Aussagen verlangt. Für die ISO-14091-konforme Klimarisikoanalyse ist die Datenfrage ein eigener Methodikbaustein, der prüfungsfest dokumentiert sein muss.

Entscheidungsbaum: CORDEX, CMIP6 oder ISIMIP

Anwendungsfall Empfohlene Datenbasis Begründung
Standortbewertung Europa (Industrie, Logistik, Immobilien)CORDEX EUR-11 + Bias-Korrektur12,5 km Auflösung, regional validiert
Supply-Chain globalCMIP6 (ISIMIP3b bias-adjusted)Globale Abdeckung, SSP-Framework
Vollständiges SSP-Set (SSP1-1.9 bis SSP5-8.5)CMIP6 direkt oder statistisches DownscalingCORDEX EUR-11 deckt keine SSPs ab
Regulatorische Berichterstattung ESRS E1CORDEX EUR-11 + CMIP6-ErgänzungKombination erhöht Methodenrobustheit
Großer Zeitdruck / schlankes VerfahrenISIMIP3b oder NASA NEX-GDDP-CMIP6Bias-adjustiert, sofort nutzbar
Hydrologie DeutschlandCORDEX EUR-11 + hydrologisches ModellRegionale Niederschlagsmuster entscheidend

CORDEX EUR-11 ist klar vorzuziehen für die physische Klimarisikobewertung konkreter Standorte in Deutschland oder Europa, etwa Hitzestress für Produktionsanlagen, Überflutungsrisiko für Logistikzentren oder Wintersport-Infrastruktur in Alpenregionen. GERICS hat auf Basis von 85 EURO-CORDEX-Simulationen Klimaausblicke für alle 401 deutschen Landkreise veröffentlicht, die eine standortspezifische Einordnung ermöglichen.

CMIP6 oder statistisches Downscaling sind besser für globale Supply-Chain-Analysen, vollständige SSP-Szenarioabdeckung und Übergangsphasen, in denen CORDEX-CMIP6 noch nicht abgeschlossen ist. ISIMIP3b liefert bias-adjustierte CMIP6-Daten für fünf globale Modelle (GFDL-ESM4, IPSL-CM6A-LR, MPI-ESM1-2-HR, MRI-ESM2-0, UKESM1-0-LL) auf 0,5°-Raster mit elf Variablen und SSP1-2.6, SSP3-7.0, SSP5-8.5. Die ISIMIP-Methodik (ISIMIP3BASD) gilt als methodischer Gold-Standard bei trend-preserving Bias-Korrektur.

Datenportale: DKRZ, DWD, Copernicus, GERICS, ISIMIP

Für deutsche und europäische Standortbewertung sind fünf Zugangspunkte zentral:

  • DKRZ ESGF Node (esgf-data.dkrz.de): Deutscher Knoten der globalen Earth System Grid Federation, primärer Vertriebsweg für rohe EURO-CORDEX EUR-11-Simulationen (NetCDF) und CORDEX-Adjust-Daten. Verbunden mit dem WDCC für FAIR-konforme Langzeitarchivierung mit DOIs.
  • DWD ESGF Node und Klimadatenportal (esgf-data.dwd.de): Eigene DWD-Sicht auf regionalisierte Klimadaten für Deutschland, mit HYRAS-Beobachtungsdaten als Referenz für die Bias-Adjustierung.
  • Copernicus Climate Data Store (CDS) (climate.copernicus.eu): Nutzerfreundliche Webformate für CORDEX-Daten. CORDEX4CDS kooperiert mit ECMWF zur Ensemble-Aufbereitung. Enthält auch IPCC-Atlas-Datenbasis (CMIP5, CMIP6, CORDEX harmonisiert) für Screening-Analysen, 22 Klimaindizes.
  • GERICS / Helmholtz Climate Service Center: Fertig aufbereitete Klimaausblicke für alle 401 deutschen Landkreise auf Basis von 85 EURO-CORDEX-Simulationen. Bias-adjustierter Datensatz für EUR-11 nach ISIMIP3BASD, Creative-Commons-Zero-lizenziert über WDCC.
  • ISIMIP-Repository (data.isimip.org): Bias-adjustierte CMIP6-Klimadaten auf 0,5°-Auflösung, harmonisiert über Sektoren (Hydrologie, Energie, Landwirtschaft). Methodischer Gold-Standard für Impact-Studien.

Bias-Korrektur als methodische Pflicht

Bias-Korrektur ist nicht akademischer Luxus, sondern Voraussetzung für valide Aussagen. Drei Aspekte für die Praxis:

Quantile Mapping (QM) ist Industriestandard. Die Verteilung der Modellvariable wird quantilweise an die Beobachtung (z. B. E-OBS für Europa) angepasst. Schwäche: einfaches QM kann den Klimaänderungstrend „auswaschen", wenn nicht trend-preserving implementiert.

ISIMIP3BASD löst das Problem durch parametrisches QM mit expliziter Trend-Erhaltung für jedes Quantil. Gut dokumentiert, peer-reviewed, in mehreren europäischen Institutionen eingesetzt. Für EUR-11-Daten über Deutschland ist der GERICS-Datensatz mit ISIMIP3BASD der derzeit methodisch solideste frei verfügbare Ausgangspunkt.

Methodische Unsicherheit durch Bias-Korrektur: Methodenwahl, Referenzdatensatz und Kalibrierungsperiode beeinflussen die Ergebnisse. In EURO-CORDEX wurden sechs Bias-Adjustierungsmethoden mit drei Beobachtungsdatensätzen kombiniert, auf dem EUR-11-Gitter liegen bias-adjustierte Daten für 24 RCM-GCM-Kombinationen vor, hauptsächlich für RCP4.5. Tagesniederschlag und Tagesextrema sind primär abgedeckt.

CORDEX-CMIP6 ist im Aufbau

Das CORDEX-CMIP6-Projekt schließt die Lücke zwischen SSPs und regionaler Auflösung. WCRP veröffentlichte im April 2025 das aktualisierte Experiment-Design, ERA5-Evaluation-Runs für die europäische Domäne (EUR-12) sind im Gange. Der Copernicus Climate Change Service (C3S) hat einen 2,73-Mio.-Euro-Auftrag für Machine-Learning-basiertes Downscaling von CMIP6-Projektionen vergeben, um Lücken in CORDEX-CMIP6 zu füllen. Für die Praxis 2026/27 heißt das: CORDEX EUR-11 (CMIP5-Antrieb) bleibt die praxisreife Referenzdatenbank für hochaufgelöste europäische Klimaprojektionen. CORDEX-CMIP6 wird mittelfristig die methodische Basis verbessern.

Die Datenwahl entscheidet über die Prüffestigkeit.

Wer Klimaprojektionen für ESRS E1, EU-Taxonomie oder IFRS S2 nutzt, sollte die Methodik prüfungsfest dokumentieren. Im Erst-Assessment ordnen wir CORDEX, CMIP6 und ISIMIP für eure Standorte ein und liefern eine WP-Assurance-feste Risikoanalyse.

Erst-Assessment Klimarisiko anfragen

Häufig gestellte Fragen

Wie viel kleiner ist die CORDEX-Auflösung gegenüber CMIP6?

CORDEX EUR-11 löst auf 0,11° auf, etwa 12,5 km. CMIP6-Globalmodelle operieren typisch auf 100 bis 200 km, das HighResMIP-Subset auf 25 km. Eine CORDEX-Gitterbox ist damit um den Faktor 60 bis 250 kleiner als eine Standard-CMIP6-Box.

Welche Szenarien sind in CORDEX EUR-11 verfügbar?

RCP2.6, RCP4.5 und RCP8.5 aus dem CMIP5-Antrieb. Kein vollständiges SSP-Set. CORDEX-CMIP6 ist im Aufbau, das WCRP veröffentlichte April 2025 das aktualisierte Experiment-Design, einzelne Simulationen laufen.

Wie übersetze ich RCP in SSP?

Nicht 1:1. Die Faustregel RCP8.5 ≈ SSP5-8.5, RCP4.5 ≈ SSP2-4.5, RCP2.6 ≈ SSP1-2.6 trägt im Strahlungsantrieb grob, aber CMIP6-Modelle haben im Ensemble eine höhere Klimasensitivität als CMIP5-Modelle. EFRAG/ISSB empfehlen Ensemble-Ansatz statt Einzelübersetzung.

Warum muss ich Bias-Korrektur machen?

In EURO-CORDEX wurden Temperaturbiases teils über 1,5 °C und Niederschlagsbiases bis ±40 Prozent dokumentiert. Ohne Bias-Korrektur sind die Aussagen für die unternehmerische Risikoanalyse nicht belastbar. ISIMIP3BASD ist der trend-preserving Standard.

Welche Variablen brauche ich für ESRS E1?

Für akute physische Risiken: Tagesmaxtemperatur (tasmax) für Hitze, Tagesniederschlag mit Extremindex R99p für Starkregen, Schneelast (snw) für Dachkonstruktionen, Windspitzen (wsgsmax) für Sturm. Für chronische Risiken: CDD (Consecutive Dry Days) für Trockenheit, mittlere Erwärmung für Hitzestress über Jahrzehnte.

Welches Portal liefert CORDEX-Daten?

DKRZ ESGF Node (esgf-data.dkrz.de) für rohe EUR-11-Simulationen, DWD ESGF Node mit HYRAS-Referenz, Copernicus CDS für aufbereitete Webformate und IPCC-Atlas-Subset, GERICS für 401-Landkreis-Klimaausblicke und ISIMIP3BASD-bias-adjustierten EUR-11-Datensatz.

Wann sollte ich CMIP6 oder ISIMIP statt CORDEX nehmen?

Bei globalen Supply-Chain-Analysen, wenn ein vollständiges SSP-Set benötigt wird oder wenn der Zeitdruck eine fertige bias-adjustierte Datenbasis verlangt. ISIMIP3b liefert für fünf globale Modelle bias-adjustierte CMIP6-Daten auf 0,5°-Raster mit SSP1-2.6, SSP3-7.0 und SSP5-8.5.

Sind CORDEX und CMIP6 EFRAG-konform?

Beide sind konform, weil EFRAG und ISSB methodenagnostisch sind. ESRS E1 verlangt mindestens zwei kontrastierende Szenarien (Niedrig- und Hochemissionspfad). Die Dokumentation der Methodik, Datenquellen und Unsicherheitsbandbreite ist entscheidend, nicht die Datenwahl selbst. CORDEX EUR-11 ist für DNSH-Prüfungen besonders geeignet, weil DNSH standortspezifische Aussagen verlangt.

Weiterführende Ressourcen

Johannes Fiegenbaum

Johannes Fiegenbaum

ESG- und Nachhaltigkeitsberater mit Schwerpunkt auf VSME‑Berichterstattung und Klimarisikoanalysen. Begleitet seit 2014 über 300 Projekte für den Mittelstand und Konzerne – unter anderem Commerzbank, UBS und Allianz.

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