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15 min Lesezeit

EU Omnibus 2025: –68% Datenpunkte, +2 Jahre Zeit – Bist du betroffen? [Checkliste]

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Das EU-Omnibus-Paket 2025 bringt die größte Vereinfachung der CSRD-Berichterstattung seit Einführung der Richtlinie: –68% Datenpunkte (von 1.000+ auf ~400), +2 Jahre zusätzliche Vorbereitungszeit (Stop-the-Clock) und –80% berichtspflichtige Unternehmen. Die Änderungen betreffen Phase-2-Unternehmen (Geschäftsjahr 2027 statt 2025) und Phase-3-Unternehmen (Geschäftsjahr 2028 statt 2026) besonders stark.

Wichtig: Das Omnibus-Paket ist noch nicht finales Recht – die Vorschläge müssen noch von EU-Parlament und Rat verabschiedet werden (Stand: Dezember 2024). Nur die "Stop-the-Clock"-Verschiebung wurde bereits angenommen.

Omnibus Quick-Check: Bin ich betroffen? [5-Minuten-Analyse]

Diese Checkliste zeigt dir innerhalb von 5 Minuten, ob und wie stark das Omnibus-Paket dein Unternehmen betrifft. Beantworte die folgenden Fragen:

Schritt 1: Berichtspflicht-Status prüfen

Kriterium Deine Situation Omnibus-Effekt
Unternehmensgröße Mehr als 1.000 Mitarbeiter UND mehr als 450 Mio. EUR Jahresumsatz? JA → Volle CSRD-Berichtspflicht bleibt (keine Erleichterung durch Omnibus)
NEIN → Gehe zu Schritt 2
Phase-Zuordnung Welche Berichtswelle betrifft dich?
• Phase 1: NFRD-Unternehmen (Start 2024)
• Phase 2: ≥250 Mitarbeiter (Start 2027 statt 2025)
• Phase 3: Börsennotierte KMU (Start 2028 statt 2026)
Phase 1 → Keine Stop-the-Clock-Verschiebung
Phase 2/3 → +2 Jahre zusätzliche Vorbereitungszeit
Börsenstatus Ist dein Unternehmen börsennotiert? JA → CSRD-Pflicht nach Phase-Timeline
NEIN + KMUKeine CSRD-Pflicht (freiwillige VSME-Option)

Schritt 2: Omnibus-Vereinfachungen bewerten

Wenn du CSRD-pflichtig bist (Phase 2 oder 3): Welche Erleichterungen greifen konkret für dich?

Vereinfachung Gilt für dich? Konkrete Ersparnis
–68% Datenpunkte
(~400 statt 1.000+)
Alle CSRD-pflichtigen Unternehmen in ersten 2 Berichtsjahren Ca. 30-50% Zeitersparnis bei Datenerfassung
Kosteneinsparung: 50.000-150.000 EUR (Jahr 1-2)
Stop-the-Clock
(+2 Jahre Zeit)
Phase 2: Geschäftsjahr 2027 statt 2025
Phase 3: Geschäftsjahr 2028 statt 2026
Längerer Aufbau von ESG-Infrastruktur
Mehr Zeit für Software-Auswahl und Datenqualität
Vereinfachte Scope 3
(Stufenweiser Ansatz)
Unternehmen bis 750 Mitarbeiter Scope 3 erst ab Jahr 2 verpflichtend
Jahr 1 nur Scope 1+2
Keine branchenspezifischen ESRS
(Sektor-ESRS gestrichen)
Alle CSRD-pflichtigen Unternehmen Wegfall von 50-150 zusätzlichen Datenpunkten je nach Branche
Reduzierte Prüfungsanforderungen
(Limited Assurance leichter)
Alle CSRD-pflichtigen Unternehmen Kosteneinsparung externe Prüfung: 20.000-50.000 EUR/Jahr
ESRS E4 nur qualitativ
(Biodiversität 2025-2026)
Alle CSRD-pflichtigen Unternehmen (temporär) Keine quantitativen Biodiversitäts-Metriken bis 2027

Schritt 3: Lieferketten-Exposition bewerten

Wenn du NICHT CSRD-pflichtig bist: Bist du trotzdem indirekt betroffen als Zulieferer?

Frage Ja Nein
Belieferst du CSRD-pflichtige Unternehmen? Indirekt betroffen → Scope-3-Datenanfragen wahrscheinlich Nicht betroffen (derzeit)
Fordern deine Kunden bereits ESG-Daten? Omnibus-Vorteil: Begrenzung übermäßiger Datenanforderungen
Freiwilliges VSME-Reporting empfohlen
Vorbereitung auf zukünftige Anforderungen sinnvoll
Planst du grüne Finanzierung? VSME-Reporting als freiwilliger Standard empfohlen
(Banken/Investoren erwarten ESG-Transparenz)
Beobachtung des Markts ausreichend

Empfehlung für nicht-pflichtige KMU: Auch wenn du nicht CSRD-pflichtig bist, können freiwillige VSME-Berichte strategische Vorteile bringen:

  • Proaktive Antwort auf Scope-3-Anfragen größerer Kunden
  • Zugang zu Green Finance und ESG-linked Loans
  • Wettbewerbsvorteil gegenüber Konkurrenten ohne ESG-Reporting
  • Vorbereitung auf mögliche zukünftige Berichtspflicht bei Wachstum

Für systematische Bewertung deiner Scope-3-Exposition nutze unseren Scope 3 Quick Check.

Schritt 4: Quick Decision – Zusammenfassung

Du bist stark betroffen wenn:

  • Phase 2 oder 3 CSRD-pflichtig (profitierst von Stop-the-Clock + –68% Datenpunkte)
  • Zulieferer mit hohen ESG-Datenanfragen (profitierst von Begrenzung übermäßiger Anforderungen)
  • Unternehmen bis 750 Mitarbeiter (profitierst von Scope-3-Stufenansatz)

Du bist wenig/nicht betroffen wenn:

  • Nicht börsennotiert + unter 250 Mitarbeiter (keine CSRD-Pflicht, VSME freiwillig)
  • Keine CSRD-pflichtigen Kunden (keine Scope-3-Datenanfragen)
  • Phase 1 NFRD-Unternehmen (keine Stop-the-Clock-Verschiebung, aber –68% Datenpunkte in ersten 2 Jahren)

Nächste Schritte: Für detaillierte Implementierungsplanung siehe unseren CSRD-Bericht 2025: Inhalte, Fristen, Umsetzung mit konkreter Timeline und Ressourcenanforderungen.

Die 5 Haupt-Vereinfachungen des Omnibus-Pakets im Detail

1. Neue Schwellenwerte: –80% berichtspflichtige Unternehmen

Die drastische Reduktion des Anwendungsbereichs um 80% betrifft primär nicht-börsennotierte KMU. Neue Schwelle für volle CSRD-Berichtspflicht:

  • Mehr als 1.000 Mitarbeiter UND
  • Mehr als 450 Mio. EUR Jahresumsatz

Wichtig: Für nicht-börsennotierte KMU unter diesen Schwellenwerten entfällt die Pflicht zur CSRD-Berichterstattung vollständig. Es steht ihnen jedoch frei, freiwillig nach dem vereinfachten VSME-Standard zu berichten – etwa zur Vorbereitung auf zukünftige Kundenanforderungen, für Investor Relations oder zur Sicherstellung von Zugang zu grüner Finanzierung.

2. Stop-the-Clock: +2 Jahre zusätzliche Vorbereitungszeit

Die "Stop-the-Clock"-Regelung verschiebt die Berichtspflichten für Phase 2 und 3 um jeweils zwei Jahre:

Berichtswelle Ursprüngliche Fristen Neue Fristen (Stop-the-Clock)
Phase 1: NFRD-Unternehmen Geschäftsjahr 2024 → Einreichung 2025 Keine Verschiebung (bereits in Umsetzung)
Phase 2: Große Unternehmen (≥250 MA) Geschäftsjahr 2025 → Einreichung 2026 Geschäftsjahr 2027 → Einreichung 2028
Phase 3: Börsennotierte KMU Geschäftsjahr 2026 → Einreichung 2027 Geschäftsjahr 2028 → Einreichung 2029

Strategischer Vorteil: Die zusätzlichen zwei Jahre ermöglichen strukturierten Aufbau von ESG-Infrastruktur, Datenqualitäts-Verbesserungen und Software-Implementierung ohne Zeitdruck. Für konkrete Implementierungs-Timelines siehe CSRD-Bericht 2025 Guide.

3. –68% Datenpunkte: Von 1.000+ auf ~400 (erste 2 Jahre)

Die European Sustainability Reporting Standards (ESRS) wurden massiv vereinfacht:

  • Ursprünglich: 1.000+ verpflichtende Datenpunkte über alle 12 ESRS-Standards
  • Nach Omnibus (Jahr 1-2): ~400 Datenpunkte (Reduktion um –68%)
  • Gestrichene Anforderungen: Branchenspezifische ESRS (Sektor-ESRS), erweiterte Lieferketten-Details, quantitative Biodiversitäts-Metriken (ESRS E4 nur qualitativ bis 2026)

Praktische Auswirkung: 30-50% Zeitersparnis bei Datenerfassung, Kosteneinsparung 50.000-150.000 EUR in ersten zwei Berichtsjahren (externe Beratung, Software, interne Ressourcen).

4. Stufenweiser Scope-3-Ansatz für Unternehmen bis 750 Mitarbeiter

Omnibus-Erleichterung für kleinere CSRD-pflichtige Unternehmen:

  • Jahr 1: Nur Scope 1 + Scope 2 (direkte + indirekte Energie-Emissionen)
  • Ab Jahr 2: + Scope 3 Upstream (eingekaufte Waren/Dienstleistungen)
  • Ab Jahr 3: + Scope 3 Downstream (Produktnutzung, End-of-Life)

Für pragmatische Scope-3-Bewertung nutze unseren Scope 3 Quick Check – zeigt innerhalb 10 Minuten deine größten Emissionsquellen und Quick Wins.

5. Begrenzung übermäßiger Lieferketten-Anforderungen

Das Omnibus-Paket schützt KMU-Zulieferer vor unverhältnismäßigen ESG-Datenanfragen:

  • Obergrenze: Große Unternehmen dürfen nicht unbegrenzt detaillierte Daten von Zulieferern fordern
  • "Nicht verfügbar"-Option: KMU können Datenpunkte als "nicht verfügbar" kennzeichnen, wenn Beschaffung unverhältnismäßig aufwändig
  • Fokus auf Tier 1: Primäre Berichtspflicht nur für direkte Lieferanten (Tier 1), nicht gesamte Wertschöpfungskette

Strategischer Hinweis: Auch mit Obergrenze empfehlen wir KMU-Zulieferern freiwilliges VSME-Reporting – proaktive Antwort auf Kundenanfragen schafft Wettbewerbsvorteil.

Kontroverse: Entlastung oder Verwässerung der CSRD? [Balanced View]

Das Omnibus-Paket polarisiert Stakeholder. Während viele Unternehmen die Vereinfachungen begrüßen, warnen NGOs, Parlamentarier und einige Unternehmen vor systematischer Schwächung der Transparenzpflichten.

Kritische Stimmen: Die 5 Hauptbedenken

1. Gefahr der Daten-Lücken durch reduzierte Berichtspflicht
NGO-Netzwerke und einige Unternehmen befürchten, dass die Anhebung der Schwellenwerte (nur noch Unternehmen >1.000 MA, >450 Mio. EUR) zu systematischen Datenlücken führt. Viele mittelgroße Unternehmen mit signifikanten Umwelt- und Sozialauswirkungen fallen aus der Berichtspflicht.

"Die geplanten Vereinfachungen laufen Gefahr, zentrale Prinzipien der CSRD – wie die doppelte Materialität und die Vergleichbarkeit von ESG-Daten – abzuschwächen" – European Coalition for Corporate Transparency

2. Sektor-ESRS-Streichung verhindert branchenspezifische Accountability
Die ursprünglich geplanten branchenspezifischen ESRS (z.B. für Textil, Automobil, Chemie) sollten sicherstellen, dass branchenkritische Nachhaltigkeitsrisiken systematisch erfasst werden. Die Omnibus-Streichung dieser Standards bedeutet: Generic Reporting statt Branchen-spezifischer Tiefe.

Praktisches Problem: Textilunternehmen ohne Sektor-ESRS können Zwangsarbeit-Risiken in Wertschöpfungsketten weniger systematisch offenlegen als ursprünglich vorgesehen.

3. Begrenzung von Lieferketten-Berichterstattung schwächt Scope-3-Accountability
Die vorgesehene Begrenzung der Wertschöpfungskettenberichterstattung schützt zwar KMU-Zulieferer, könnte aber gleichzeitig zu geringerer Verantwortung großer Unternehmen für ihre indirekten Emissionen und Menschenrechtsrisiken führen.

Paradoxe Situation: Scope 3 macht typischerweise 70-90% der Gesamt-CO2-Emissionen aus – genau dieser Bereich wird durch Omnibus am stärksten vereinfacht.

4. ESRS E4 (Biodiversität) auf 2027 verschoben – kritisches Momentum verloren
Die temporäre Ausnahme für ESRS E4 (nur qualitative Berichterstattung bis 2026) wird kritisiert, weil gerade Biodiversitäts-Reporting den größten Nachholbedarf hat. Verzögerung um 2 Jahre könnte bedeuten: Business-as-usual bei biodiversitäts-kritischen Branchen (Land- und Forstwirtschaft, Infrastruktur, Bergbau).

5. Politisches Signal: EU gibt Wirtschafts-Lobby nach
Einige Fachleute bemängeln, dass die EU mit dem Omnibus-Paket dem Druck aus der Wirtschaft zu stark nachgibt und das ursprüngliche Ziel der CSRD – einheitliche, ambitionierte und zukunftssichere Nachhaltigkeitsberichterstattung – verwässert wird.

Verteidigende Perspektive: Die 4 Haupt-Gegenargumente

1. Pragmatismus statt Perfektion: Umsetzbarkeit war gefährdet
Viele Unternehmen – insbesondere Mittelständler – sahen sich mit der ursprünglichen CSRD überfordert. Die Omnibus-Vereinfachungen stellen sicher, dass die Richtlinie überhaupt implementierbar bleibt, statt in unrealistischen Compliance-Kosten zu ersticken.

2. Fokus auf Material-Relevanz: Qualität statt Quantität
Die Reduktion von 1.000+ auf ~400 Datenpunkte bedeutet nicht automatisch weniger Transparenz – sondern Fokus auf wesentliche Informationen. Die doppelte Materialität bleibt bestehen: Unternehmen berichten, was wirklich relevant ist.

3. Freiwillige VSME-Standards fangen KMU auf
Auch wenn nicht-börsennotierte KMU nicht mehr CSRD-pflichtig sind, können sie freiwillig nach VSME berichten. Dies schafft pragmatischen Mittelweg: Keine Zwangsberichterstattung, aber Option zur Transparenz für diejenigen, die es brauchen (Zulieferer, Finanzierung).

4. Stop-the-Clock ermöglicht bessere Datenqualität
Die +2 Jahre zusätzliche Vorbereitungszeit bedeuten: Unternehmen können ESG-Infrastruktur strukturiert aufbauen statt in Panik zu berichten. Langfristig führt dies zu besserer Datenqualität und nachhaltigeren Prozessen.

Unsere Einschätzung: Balanced Reality-Check

Kritik ist berechtigt: Die Omnibus-Vereinfachungen schwächen faktisch einige Kernelemente der CSRD (Sektor-ESRS, umfassende Lieferketten-Transparenz, Biodiversitäts-Accountability). Die ursprünglich ambitionierte Vision einer vollständigen, vergleichbaren EU-weiten Nachhaltigkeitstransparenz wird abgeschwächt.

Pragmatismus war notwendig: Die ursprüngliche CSRD-Komplexität hätte zu massiver Non-Compliance geführt – entweder durch faktische Überforderung oder durch politischen Backlash. Omnibus ist Kompromiss zwischen Ambition und Umsetzbarkeit.

Die Datenlücken werden bleiben: Auch mit freiwilligem VSME werden viele mittelgroße Unternehmen nicht berichten – die EU hofft, dass Marktdruck (Scope-3-Anfragen, Investor Relations) freiwillige Transparenz erzwingt. Ob das funktioniert, bleibt abzuwarten.

Unser Rat für Unternehmen: Nutzt die Omnibus-Vereinfachungen nicht als Ausrede für Minimalismus – ESG-Transparenz wird Wettbewerbsfaktor bleiben, egal ob gesetzlich verpflichtend oder nicht. Investiert in systematische ESG-Infrastruktur, auch wenn ihr nur freiwillig berichtet. Mehr dazu in unserem VSME Praxis-Guide.

Von Omnibus-Vereinfachungen zur strategischen CSRD-Implementierung

Das Omnibus-Paket schafft Luft zum Atmen – aber die CSRD bleibt komplex. Diese Ressourcen helfen dir, die Vereinfachungen strategisch zu nutzen:

Für CSRD-pflichtige Unternehmen (Phase 2/3)

1. Strukturierte Implementierung mit Stop-the-Clock-Zeitplan
Unser CSRD-Bericht 2025: Inhalte, Fristen, Umsetzung zeigt konkrete Timelines für Phase 2/3 unter Berücksichtigung der Omnibus-Verschiebungen:

  • Jahr 1 (2025/2026): Materialitätsanalyse, Gap-Assessment
  • Jahr 2 (2026/2027): Dateninfrastruktur, Software-Auswahl
  • Jahr 3 (2027): Mock-Reporting, Audit-Vorbereitung
  • Jahr 4 (2028): Go-Live mit optimierten Prozessen

2. Systematische Materialitätsanalyse trotz reduzierter Datenpunkte
–68% Datenpunkte bedeutet nicht: Materialität ignorieren. Die Doppelte Wesentlichkeitsanalyse bleibt Kern der CSRD – unser Guide zeigt, wie du mit Omnibus-Vereinfachungen die wirklich relevanten Themen identifizierst.

3. ESRS-Standards verstehen (auch nach Omnibus-Reduktion)
Alle 12 ESRS bleiben bestehen – nur mit weniger Datenpunkten. Unser ESRS Standards 2026 Komplett-Guide erklärt die Struktur und zeigt, welche Standards auch nach Omnibus material bleiben.

Für nicht-pflichtige KMU (indirekt betroffen)

4. Freiwilliges VSME-Reporting als strategische Option
Auch ohne CSRD-Pflicht profitierst du von strukturiertem ESG-Reporting. Unser VSME Praxis-Guide mit 5 Branchen-Fallstudien zeigt:

  • Wie KMU proaktiv auf Scope-3-Anfragen reagieren
  • Welches VSME-Modul (Basic vs Comprehensive) zu dir passt
  • Konkrete Kosten-Nutzen-Rechnung für freiwilliges Reporting
  • ROI durch besseren Zugang zu Green Finance

5. Quick-Tools für pragmatische Erstbewertung

Fazit: Omnibus als pragmatischer Kompromiss – mit strategischer Vorsicht

Das EU-Omnibus-Paket 2025 bringt faktische Erleichterungen: –68% Datenpunkte, +2 Jahre Zeit, –80% berichtspflichtige Unternehmen. Für Phase-2- und Phase-3-Unternehmen bedeutet dies realistischere Implementierungszeitfenster und geringere Erstjahres-Kosten (Einsparung 50.000-150.000 EUR).

Aber: Noch offen ist, wie stark die neuen Schwellenwerte in der Praxis tatsächlich zu weniger Berichterstattung führen – denn viele Unternehmen entlang der Lieferkette werden trotz fehlender Pflicht weiterhin ESG-Daten liefern müssen (Scope-3-Anfragen). Auch bleibt abzuwarten, wie einheitlich die Stop-the-Clock-Regelung in den Mitgliedstaaten umgesetzt wird.

Kritische Realität: Die Omnibus-Vereinfachungen sind politischer Kompromiss – sie schwächen einige Kernelemente der CSRD (Sektor-ESRS, umfassende Lieferketten-Transparenz, Biodiversitäts-Accountability). Die ursprünglich ambitionierte Vision wird abgeschwächt, aber die Richtlinie bleibt umsetzbar.

Warum frühzeitige Vorbereitung trotz Omnibus entscheidend bleibt

Unternehmen, die die Omnibus-Vereinfachungen nutzen, um ESG-Infrastruktur strategisch aufzubauen (statt Reporting zu minimieren), verschaffen sich mehrere Vorteile:

  • Besserer Zugang zu Kapital: ESG-Transparenz wird Voraussetzung für Green Finance, ESG-linked Loans, Sustainable Bonds
  • Reduzierung finanzieller Risiken: Frühe Identifikation von Klimarisiken, Lieferketten-Vulnerabilitäten, Reputationsrisiken
  • Gestärkte betriebliche Widerstandsfähigkeit: Systematisches ESG-Management führt zu Kosteneinsparungen (Energie-Effizienz, Ressourcen-Optimierung)
  • Wettbewerbsvorteil: Proaktive ESG-Positionierung differenziert von Wettbewerbern, die Minimalismus betreiben

Unser Rat: Nutzt die +2 Jahre durch Stop-the-Clock für strukturierten Aufbau – nicht für Prokrastination. Mit unserem CSRD-Bericht 2025 Guide und den VSME-Praxisbeispielen könnt ihr den gesamten Prozess – von Gap-Analyse bis Audit-Vorbereitung – erfolgreich meistern.

Wichtiger Hinweis: Alle hier beschriebenen Änderungen basieren auf dem Vorschlag der EU-Kommission vom Frühjahr 2025. Eine finale Verabschiedung durch EU-Parlament und Rat steht noch aus (Stand: Dezember 2024). Nur die Stop-the-Clock-Verschiebung wurde bereits formal angenommen.

FAQ: Die 7 wichtigsten Fragen zum Omnibus-Paket

1. Ist das Omnibus-Paket 2025 bereits geltendes Recht?

Noch nicht vollständig. Es handelt sich um einen Vorschlag der EU-Kommission, der noch das ordentliche Gesetzgebungsverfahren durchlaufen muss. Änderungen im weiteren Verlauf sind möglich. Einzig die Verschiebung der Fristen ("Stop the Clock") wurde bereits formal angenommen.

Next Step: Beobachte die finale Verabschiedung (erwartet: Q1/Q2 2025) – aber plane bereits jetzt mit den vorgeschlagenen Vereinfachungen, da substantielle Änderungen unwahrscheinlich sind.

2. Betrifft mich das Omnibus-Paket überhaupt?

Prüfe mit unserem Quick-Check oben. Generell gilt:

  • CSRD-pflichtig (Phase 2/3)? → Ja, stark betroffen (–68% Datenpunkte, +2 Jahre Zeit)
  • Nicht-börsennotiertes KMU? → Keine CSRD-Pflicht (freiwilliges VSME empfohlen bei Scope-3-Anfragen)
  • Zulieferer CSRD-pflichtiger Unternehmen? → Indirekt betroffen (Begrenzung übermäßiger Datenanforderungen schützt dich)

Next Step: Nutze unseren Scope 3 Quick Check zur Bewertung deiner Lieferketten-Exposition.

3. Wie funktioniert die "Stop-the-Clock"-Regelung konkret?

Für die Berichtsjahre 2026 und 2027 verschieben sich die Berichtspflichten für Phase 2 (große Unternehmen ≥250 MA) und Phase 3 (börsennotierte KMU) um jeweils zwei Jahre:

  • Phase 2: Geschäftsjahr 2027 statt 2025 (Veröffentlichung 2028 statt 2026)
  • Phase 3: Geschäftsjahr 2028 statt 2026 (Veröffentlichung 2029 statt 2027)

Next Step: Erstelle Implementierungs-Timeline mit CSRD-Bericht 2025 Guide – nutze die +2 Jahre für strukturierten Aufbau statt Prokrastination.

4. Was bedeuten "–68% Datenpunkte" praktisch für meinen Reportingaufwand?

Konkrete Ersparnis:

  • Zeitersparnis: 30-50% bei Datenerfassung in ersten 2 Berichtsjahren
  • Kostenersparnis: 50.000-150.000 EUR (externe Beratung, Software, interne Ressourcen)
  • Wegfall: Branchenspezifische ESRS, quantitative Biodiversitäts-Metriken (ESRS E4 bis 2026)

Next Step: Verstehe die verbleibenden ESRS-Standards mit unserem ESRS Standards 2026 Komplett-Guide.

5. Sollte ich als nicht-pflichtiges KMU trotzdem VSME-Reporting machen?

Ja, wenn eine der folgenden Situationen zutrifft:

  • Du belieferst CSRD-pflichtige Unternehmen (proaktive Antwort auf Scope-3-Anfragen)
  • Du planst grüne Finanzierung (Banken/Investoren erwarten ESG-Transparenz)
  • Starkes Wachstum geplant (Vorbereitung auf mögliche zukünftige CSRD-Pflicht)
  • Wettbewerbsdifferenzierung (ESG-Positionierung gegenüber Konkurrenten)

Next Step: Bewerte VSME Basic vs Comprehensive mit unserem VSME Praxis-Guide – inkl. Kosten-Nutzen-Rechnung.

6. Was passiert mit Scope 3 nach Omnibus?

Stufenweiser Ansatz für Unternehmen bis 750 Mitarbeiter:

  • Jahr 1: Nur Scope 1+2 verpflichtend
  • Ab Jahr 2: + Scope 3 Upstream (eingekaufte Waren/Dienstleistungen)
  • Ab Jahr 3: + Scope 3 Downstream (Produktnutzung, End-of-Life)

Next Step: Identifiziere deine größten Scope-3-Emissionsquellen mit Scope 3 Quick Check – auch wenn erst ab Jahr 2 verpflichtend.

7. Ist die Omnibus-Vereinfachung gut oder schlecht für Nachhaltigkeit?

Kontroverse Bewertung (siehe Kritik-Section oben):

Pro: Pragmatischer Kompromiss – ursprüngliche CSRD war zu komplex und nicht umsetzbar. Omnibus ermöglicht realistische Implementierung.

Contra: Schwächung von Kernelementen (Sektor-ESRS, Lieferketten-Transparenz, Biodiversität). Datenlücken durch erhöhte Schwellenwerte.

Unsere Einschätzung: Nutze die Vereinfachungen nicht als Ausrede für Minimalismus – ESG-Transparenz wird Wettbewerbsfaktor bleiben, egal ob gesetzlich verpflichtend oder nicht.

Next Step: Investiere in systematische ESG-Infrastruktur mit CSRD-Implementierungs-Roadmap – auch wenn du nur freiwillig berichtest.

Johannes Fiegenbaum

Johannes Fiegenbaum

ESG- und Nachhaltigkeitsberater mit Schwerpunkt auf VSME‑Berichterstattung und Klimarisikoanalysen. Begleitet seit 2014 über 300 Projekte für den Mittelstand und Konzerne – unter anderem Commerzbank, UBS und Allianz.

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