Der ultimative Leitfaden für ESG-Fragebögen: Relevanz, Komponenten und Datenerhebung verstehen
In diesem umfassenden Leitfaden erhalten kleine und mittelständische Unternehmen eine Übersicht zum...
Von Johannes Fiegenbaum am 24.10.25 05:35
Die FuelEU Maritime-Verordnung, die seit dem 1. Januar 2025 in Kraft ist, markiert einen Wendepunkt für die Dekarbonisierung des europäischen Schiffsverkehrs. Die Regulation zielt darauf ab, greenhouse gas emissions im maritime transport systematisch zu reduzieren und den Einsatz von renewable and low carbon fuels zu beschleunigen. Betroffen sind alle vessels über 5.000 BRZ, die EU-Häfen anlaufen – unabhängig von ihrer Flagge. Für Hafenbetreiber, Nachhaltigkeitsmanager und Entscheider in der Schifffahrtsbranche bedeutet FuelEU Maritime einen fundamentalen Wandel in der Infrastrukturplanung und im operativen Geschäft.
FuelEU Maritime ist Teil des EU-weiten Fit for 55-Pakets und ergänzt bestehende Regelwerke wie das EU-ETS für shipping. Die Verordnung verfolgt einen well to wake-Ansatz, der den gesamten Lebenszyklus der verwendeten fuels berücksichtigt – von der Produktion über den transportation bis zur Verbrennung an board. Damit unterscheidet sich FuelEU Maritime grundlegend von älteren Ansätzen, die nur direkte carbon emissions an board erfassten.
Die Regulation setzt auf schrittweise Verschärfung: 2025 dient als erstes vollständiges Monitoring-Jahr, in dem ships ihre energy used on Fahrten und während port calls dokumentieren müssen. 2026 folgt dann das erste Verifizierungsjahr, in dem Reedereien ihre compliance balance nachweisen müssen. Wer die Emissionsziele nicht erreicht, muss mit finanziellen Sanktionen rechnen – diese Strafen fließen direkt in weitere Dekarbonisierungsmaßnahmen im sector zurück.
Die Verordnung legt verbindliche Reduktionsziele für die greenhouse gas intensity der energy used fest. Im Detail bedeutet dies:
Entscheidend ist: FuelEU Maritime gilt für 100 % der Fahrten within the EU und 50 % der Fahrten zwischen EU- und Drittlandhäfen. Dies stellt sicher, dass auch internationale shipping-Routen erfasst werden.
Ab dem 1. Januar 2025 müssen alle betroffenen vessels einen genehmigten monitoring plan verwenden. Die Europäische Kommission hat dafür standardisierte Vorlagen in einer Durchführungsverordnung festgelegt. Dieser monitoring plan dokumentiert, wie ship operators den fuel consumption und die energy used erfassen.
Ein strategischer Vorteil von FuelEU Maritime liegt in der möglichen Verzahnung mit bestehenden Systemen. Die gleichen data, die für FuelEU Maritime erhoben werden, lassen sich auch für EU-MRV (Monitoring, Reporting, Verification) und das EU-ETS (Emissions Trading System) nutzen. Häfen und ship operators, die bereits digitale Plattformen für EU-ETS betreiben, können diese Infrastruktur für FuelEU Maritime erweitern.
DNV und andere Verifizierungsstellen haben entsprechende Guidelines veröffentlicht, wie Methan-Emissionen von LNG-vessels korrekt erfasst werden müssen. Der Methane Slip – also das unverbrannte Entweichen von Methan – hat eine deutlich höhere Klimawirkung als CO₂ und muss daher präzise dokumentiert werden.
Der FuelEU Maritime-Berichtszyklus läuft wie folgt ab:
Die compliance strategies der ship operators variieren: Während einige Reedereien massiv in alternative fuels investieren, setzen andere auf Pooling-Vereinbarungen mit Flottenbetreibern, die bereits renewable and low carbon fuels einsetzen.
Ein zentrales Element der FuelEU Maritime regulation betrifft die Infrastruktur europäischer ports. Die Onshore Power Supply (OPS)-Pflicht ist dabei in zwei Phasen gegliedert:
Ab dem 1. Januar 2030 müssen große container ships und Passagierschiffe in allen TEN-T-Kernhäfen Landstrom nutzen, wenn sie länger als zwei Stunden am Kai liegen. Dies gilt nur, sofern die ports über entsprechende OPS-Anlagen verfügen. Die technischen requirements umfassen:
Mitgliedstaaten können bereits zwischen 2030 und 2035 zusätzliche ports und ships in die Pflicht nehmen – ein Spielraum, den Deutschland bereits nutzt. Hamburg beispielsweise plant, bis 2040 alle wichtigen Liegeplätze mit OPS auszustatten, wobei die Kreuzfahrtterminals bereits 2027 verpflichtend Landstrom nutzen müssen.
Ab 2035 gilt die OPS-Pflicht für alle EU ports, die über entsprechende Infrastruktur verfügen. Parallel dazu sind die ports verpflichtet, ihre Anlagen bis zu diesem Zeitpunkt auszubauen. Ausnahmen sind nur in begründeten Fällen möglich:
Solche Ausnahmen müssen durch detaillierte Nachweise und klare Ausbaupläne untermauert werden. Die Europäische Kommission prüft diese Anträge und kann Fristverlängerungen gewähren.
Der Hafen Hamburg zeigt, wie frühzeitige Investitionen in OPS-Infrastruktur aussehen können. Bereits 2016 ging am Cruise Terminal Altona das erste Landstromsystem in Betrieb. Bis 2025 sollen zehn Anschlüsse für container vessels und vier für Kreuzfahrtschiffe verfügbar sein. Der verwendete Strom stammt vollständig aus erneuerbaren Energien der Hamburger Energiewerke – ein wichtiger Aspekt für die compliance balance der anlaufenden ships.
Die Hamburg Port Authority (HPA) entwickelt zudem das Wasserstoff-Innovationscluster „Clean Port & Logistics", das die Marktreife von Wasserstofftechnologien für maritime transport vorantreibt. Dies zeigt die Verzahnung von OPS mit dem breiteren Ausbau von renewable and low carbon fuels.
FuelEU Maritime operiert nicht im Vakuum, sondern muss mit den globalen Standards der International Maritime Organization (IMO) koordiniert werden. Zwei zentrale IMO-Instrumente spielen hier eine Rolle:
Der EEDI, eingeführt 2013, setzt verbindliche CO₂-Effizienzstandards für Neubauten. Er misst das Verhältnis von carbon emissions zur Transportleistung und wird schrittweise verschärft. Vessels, die bereits EEDI-konform konstruiert sind, haben einen Vorteil bei der Erfüllung der FuelEU Maritime-Vorgaben, da ihr fuel consumption pro Transporteinheit niedriger ausfällt.
Der SEEMP fokussiert auf operative Maßnahmen wie optimierte Routenplanung, Geschwindigkeitsanpassungen und technische Nachrüstungen. Neuere SEEMP-Regelungen verlangen regelmäßige Bewertungen der Betriebseffizienz. Ships, die hier schlechter abschneiden, müssen ihre compliance strategies anpassen.
Die Verknüpfung von FuelEU Maritime mit IMO-Standards bietet mehrere Vorteile:
Allerdings gibt es auch Spannungsfelder: Die IMO setzt auf ein globales Netto-Null-Ziel mit CO₂-Preisgestaltung, während FuelEU Maritime die greenhouse gas intensity der energy used reguliert. Ship operators müssen beide Regelwerke parallel bedienen, was unterschiedliche compliance strategies erfordert.
Die FuelEU Maritime regulation bietet erhebliche Flexibilität bei der Wahl der fuels und der Gestaltung von compliance strategies. Diese Spielräume sind entscheidend, da der Markt für renewable and low carbon fuels noch im Aufbau begriffen ist.
FuelEU Maritime bewertet verschiedene fuel-Typen nach ihrer greenhouse gas intensity. An der Spitze stehen:
Das Preisgefälle zwischen fossil fuels und alternative fuels bleibt jedoch erheblich. Im Januar 2025 lag sehr schwefelarmer Schiffskraftstoff bei etwa 505 € pro Tonne, während biodieselgemischte fuels 686 € pro Tonne kosteten – ein Aufschlag von 36 %.
FuelEU Maritime erlaubt drei zentrale compliance strategies:
Pooling ist besonders attraktiv für Reedereien mit gemischten Flotten: Während moderne vessels mit renewable fuels betrieben werden, können ältere ships von deren compliance surplus profitieren. Dies schafft wirtschaftliche Anreize für die schrittweise Flottenmodernisierung.
Europas führende ports haben bereits konkrete Schritte unternommen, um sich auf FuelEU Maritime vorzubereiten. Ihre compliance strategies variieren je nach geografischer Lage und bestehender Infrastruktur.
Rotterdam, als größter Bunkerhafen Europas, fokussiert sich auf die Verfügbarkeit von alternative fuels. 2023 machten B30-Mischungen (30 % Biodiesel, 70 % Heizöl) bereits 7 % der insgesamt 10 Millionen Tonnen Bunkerkraftstoff aus. LNG trug 3 % bei, und erstmals wurde Bio-Methanol von der Laura Mærsk gebunkert.
Der Port of Rotterdam entwickelt zudem Infrastruktur für Ammoniak und grünen Wasserstoff. Bis 2030 sollen mehrere Bunkerstationen für renewable fuels of non biological origin verfügbar sein. Diese Investitionen werden durch EU-Fördermittel und öffentlich-private Partnerschaften finanziert.
Antwerpen setzt auf eine datengestützte compliance strategy. Der Hafen hat umfassende Systeme zur Überwachung von fuel consumption und ghg emissions implementiert, die sowohl FuelEU Maritime als auch EU-ETS und IMO-requirements abdecken. Diese data ermöglichen präzises compliance balance-Management.
Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf der Optimierung der port calls. In Zusammenarbeit mit shipping companies werden Wartezeiten reduziert, was den fuel consumption während der Liegezeiten senkt – ein wichtiger Beitrag zur greenhouse gas intensity-Reduktion.
Wie bereits erwähnt, ist Hamburg Vorreiter beim OPS-Ausbau. Darüber hinaus beteiligt sich die Hamburg Port Authority am Wasserstoff-Innovationscluster „Clean Port & Logistics", das die gesamte value chain von der production bis zum Einsatz on board abdeckt. Dies zeigt die strategische Verzahnung von Infrastruktur-Investitionen mit der Entwicklung von renewable and low carbon fuels.
Trotz der ambitionierten Ziele von FuelEU Maritime gibt es auch kritische Stimmen in der Fachcommunity. Drei zentrale Diskussionspunkte stechen hervor:
Die Behandlung von LNG in der FuelEU Maritime regulation ist umstritten. Zwar werden Methanemissionen erfasst, doch einige stakeholders argumentieren, dass die Anreize für LNG-vessels zu schwach sind. Der Methane Slip – also unverbranntes Methan, das bei der Verbrennung entweicht – hat eine 28-mal höhere Klimawirkung als CO₂ über einen 100-Jahres-Zeitraum. Kritiker fordern strengere Grenzwerte oder höhere penalties für ships mit hohem Methane Slip.
Die Regulation setzt voraus, dass renewable and low carbon fuels in ausreichenden Mengen und zu wettbewerbsfähigen Preisen verfügbar werden. Doch die production von grünem Wasserstoff, RFNBOs und fortschrittlichen Biokraftstoffen hinkt den politischen Zielen hinterher. Einschätzungen zur Marktreife variieren stark: Während einige Experten von einem raschen scale-up bis 2030 ausgehen, sind andere deutlich skeptischer.
Für ship operators bedeutet dies Unsicherheit: Investitionen in Dual-Fuel-vessels oder Umrüstungen bergen das Risiko, dass die versprochenen fuels nicht rechtzeitig verfügbar sind – oder teurer bleiben als kalkuliert.
Da FuelEU Maritime nur für port calls in EU-Häfen gilt, könnten ships verstärkt auf Häfen außerhalb der EU ausweichen, um strengere regulations zu umgehen. Dies wäre kontraproduktiv für die Dekarbonisierung und könnte europäische ports im globalen Wettbewerb benachteiligen. Die Europäische Kommission beobachtet diese Entwicklung, hat jedoch bislang keine Maßnahmen gegen carbon leakage angekündigt.
Mit dem Inkrafttreten von FuelEU Maritime im Januar 2025 und dem ersten Verifizierungsjahr 2026 stehen europäische ports und shipping companies vor strategischen Weichenstellungen. Die folgenden Handlungsempfehlungen helfen euch, compliance strategies erfolgreich umzusetzen:
FuelEU Maritime ist eine EU-Regulation zur Reduktion von greenhouse gas emissions im maritime transport. Die Verordnung ist seit dem 1. Januar 2025 in Kraft. Sie verpflichtet ships über 5.000 BRZ, die EU ports anlaufen, zur schrittweisen Senkung der greenhouse gas intensity ihrer on board genutzten energy. Der well to wake-Ansatz erfasst dabei den gesamten Lebenszyklus der fuels – von der production bis zur Verbrennung.
Betroffen sind alle vessels über 5.000 BRZ, unabhängig von ihrer Flagge. FuelEU Maritime gilt für 100 % der Fahrten within the EU und 50 % der Fahrten zwischen EU- und Drittlandhäfen. Dies umfasst container ships, Passagierschiffe, Tanker und andere commercial vessels. Die Regulation erfasst die energy used on diesen Fahrten sowie während port calls.
Die Verordnung setzt folgende Reduktionsziele für die greenhouse gas intensity:
Diese Ziele beziehen sich auf die average greenhouse gas emissions pro Energieeinheit der verwendeten fuels, gemessen nach dem well to wake-Prinzip. Wer die Ziele nicht erreicht, muss penalties zahlen, die in Dekarbonisierungsmaßnahmen reinvestiert werden.
Ab 1. Januar 2030 müssen große container ships und Passagierschiffe in TEN-T-Kernhäfen Onshore Power Supply (OPS) nutzen, sofern sie länger als zwei Stunden am Kai liegen. Ab 2035 gilt diese Pflicht für alle EU ports mit OPS-Infrastruktur. Parallel sind die ports verpflichtet, ihre Anlagen entsprechend auszubauen. Ausnahmen sind nur bei technischen oder sicherheitsrelevanten Gründen möglich und müssen durch Ausbaupläne untermauert werden.
Die Regulation priorisiert renewable and low carbon fuels mit niedriger greenhouse gas intensity:
Die production und Verfügbarkeit dieser alternative fuels wird in den kommenden Jahren entscheidend für die compliance strategies sein.
Diese drei Flexibilitätsmechanismen ermöglichen ship operators, ihre compliance balance zu optimieren:
Pooling ist besonders attraktiv für Reedereien mit gemischten Flotten und schafft wirtschaftliche Anreize für die Flottenmodernisierung.
FuelEU Maritime und die International Maritime Organization (IMO) verfolgen unterschiedliche Ansätze:
Die regulations können synergetisch wirken: EEDI-konforme vessels mit niedrigem fuel consumption erfüllen oft leichter die FuelEU Maritime-Ziele. Allerdings müssen ship operators beide Regelwerke parallel bedienen, was unterschiedliche compliance strategies erfordert.
Drei zentrale Diskussionspunkte in der Fachwelt:
Diese Kritikpunkte zeigen: FuelEU Maritime ist ein ambitioniertes, aber komplexes Regelwerk, dessen Erfolg von der tatsächlichen Marktentwicklung bei alternative fuels abhängt.
ESG- und Nachhaltigkeitsberater mit Schwerpunkt auf VSME‑Berichterstattung und Klimarisikoanalysen. Begleitet seit 2014 über 300 Projekte für den Mittelstand und Konzerne – unter anderem Commerzbank, UBS und Allianz.
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