Von Johannes Fiegenbaum am 17.09.26, 13:07
Der VSME-Standard ist der freiwillige EU-Standard, nach dem kleine und mittlere Unternehmen über Nachhaltigkeit berichten. Er legt fest, welche Angaben zu Umwelt, Belegschaft und Unternehmensführung in einen Bericht gehören, und ist so gebaut, dass ein Unternehmen ohne eigene Nachhaltigkeitsabteilung ihn ausfüllen kann.
VSME steht für Voluntary Sustainability Reporting Standard for non-listed SMEs. Die European Financial Reporting Advisory Group (EFRAG) hat ihn im Auftrag der EU-Kommission entwickelt und im Dezember 2024 vorgelegt. Die Fassung von EFRAG ist die Grundlage aller späteren Schritte.
Der Standard beantwortet eine praktische Frage: Was muss ein KMU offenlegen, damit Banken, Kunden und Investoren ihre eigenen Pflichten erfüllen können, ohne dass jedes Unternehmen einen anderen Fragebogen schickt? Statt der European Sustainability Reporting Standards (ESRS) für berichtspflichtige Großunternehmen gibt es dafür 2 überschaubare Module mit festen Angaben.
Gedacht war der VSME zunächst für nicht börsennotierte Unternehmen mit bis zu 250 Mitarbeitenden. Mit dem delegierten Rechtsakt der Kommission vom 3. Juli 2026 können ihn alle Unternehmen mit bis zu 1.000 Mitarbeitenden nutzen, unabhängig von einer Börsennotierung. Das ist genau die Gruppe, die nach der Anhebung der Berichtsschwellen keine gesetzliche Berichtspflicht mehr hat.
Typische Anlässe für einen VSME-Bericht sind die Datenanfrage eines Großkunden, das Kreditgespräch mit der Hausbank, eine Ausschreibung oder der Wunsch, wiederkehrende Fragebögen mit einem einzigen Dokument zu beantworten.
Der Standard hat 2 Module. Das Basismodul ist der Einstieg und die Voraussetzung für das Zusatzmodul.
| Modul | Angaben | Inhalt |
|---|---|---|
| Basismodul | B1 bis B11 | Grundlagen des Berichts, Praktiken und Richtlinien, Energie und Treibhausgase, Verschmutzung, Biodiversität, Wasser, Ressourcen und Abfall, Belegschaft, Arbeitssicherheit, Vergütung und Weiterbildung, Korruption |
| Zusatzmodul (Comprehensive) | C1 bis C9 | Strategie und Geschäftsmodell, Klimaziele und Transitionsplan, Klimarisiken, weitere Merkmale der Belegschaft, Menschenrechte, Umsätze aus bestimmten Tätigkeiten, Geschlechterverhältnis im Leitungsorgan |
Welches Modul zu welchem Unternehmen passt und was die einzelnen Angaben verlangen, steht im Artikel VSME-Module erklärt. Eine vollständige Wesentlichkeitsanalyse wie bei den ESRS verlangt der VSME nicht. Angaben, die auf ein Unternehmen nicht zutreffen, entfallen.
Bis Juli 2026 war der VSME eine unverbindliche Empfehlung der Kommission. Mit der delegierten Verordnung C(2026) 5011 vom 3. Juli 2026 hat die Kommission ihn als Voluntary Standard (VS) übernommen. Parlament und Rat können in der Prüffrist Einwände erheben, Änderungen sind in dieser Phase die Ausnahme.
| Thema | VSME (Empfehlung) | Voluntary Standard (Rechtsakt) |
|---|---|---|
| Rechtsstatus | Unverbindliche Empfehlung | Delegierter Rechtsakt, der Standard bleibt freiwillig |
| Anwenderkreis | Nicht börsennotierte KMU bis 250 Mitarbeitende | Alle Unternehmen bis 1.000 Mitarbeitende |
| Wertschöpfungskettendeckel | Nicht vorhanden | Neu und rechtsverbindlich, ab Geschäftsjahr 2027 |
| Module | Angaben aus dem Zusatzmodul ließen sich einzeln ergänzen | Jedes Modul ist vollständig zu erfüllen, das Basismodul bleibt Voraussetzung |
| Kleinstunternehmen bis 10 Mitarbeitende | Grundsatz „falls zutreffend“ | Zusätzlich entfallen bestimmte Angaben |
Der Wertschöpfungskettendeckel ist die wichtigste Neuerung. Berichtspflichtige Unternehmen dürfen von Zulieferern mit bis zu 1.000 Mitarbeitenden für ihren eigenen Bericht nicht mehr verlangen, als der Standard vorsieht. Alles darüber hinaus dürft ihr ablehnen. Der Name VSME bleibt im Rechtsakt übrigens erhalten, Voluntary Standard ist der Oberbegriff.
Meine Position: Der VSME ist damit vom netten Angebot zur Währung geworden. Wer einen sauberen Bericht nach dem Basismodul hat, beantwortet die meisten Kundenanfragen mit einem Verweis statt mit einer Woche Arbeit. Wer keinen hat, füllt weiter Fragebögen aus, die alle dasselbe wissen wollen.
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VSEasy kostenlos testenNein. Niemand muss nach dem VSME berichten. Der Druck kommt aus 3 anderen Richtungen: Großkunden brauchen Daten aus ihrer Lieferkette, Banken fragen bei der Kreditvergabe nach Nachhaltigkeitsrisiken, und in Ausschreibungen zählen Nachweise. Alle 3 orientieren sich zunehmend am VSME, weil er der kleinste gemeinsame Nenner ist. In Deutschland bietet auch der Deutsche Nachhaltigkeitskodex (DNK) seit März 2026 ein VSME-Modul auf seiner Plattform an.
VSME steht für Voluntary Sustainability Reporting Standard for non-listed SMEs, auf Deutsch freiwilliger Standard für die Nachhaltigkeitsberichterstattung nicht börsennotierter kleiner und mittlerer Unternehmen. Entwickelt hat ihn die European Financial Reporting Advisory Group (EFRAG) im Auftrag der EU-Kommission.
Nein. Der Standard ist freiwillig und bleibt es auch mit dem delegierten Rechtsakt vom 3. Juli 2026. Faktisch werdet ihr trotzdem danach gefragt, weil Banken und große Kunden ihre Datenanfragen an KMU zunehmend am VSME ausrichten.
Ja. Die Empfehlung der EU-Kommission mit dem Standardtext liegt in allen EU-Amtssprachen vor, also auch auf Deutsch. EFRAG stellt dazu eine Excel-Vorlage bereit. Wie ihr die Vorlage nutzt, zeigt der Artikel zur VSME-Berichtsvorlage.
Inhaltlich fast keiner. Voluntary Standard ist der Name, unter dem die EU-Kommission den VSME per delegiertem Rechtsakt übernommen hat. Aufbau und Module sind gleich geblieben, neu sind der größere Anwenderkreis bis 1.000 Mitarbeitende und der Wertschöpfungskettendeckel.
Als grobe Schätzung: einige Wochen für das Basismodul. Der größte Teil davon ist Datensuche in Buchhaltung, Personalwesen und bei den Energieversorgern. Die gute Nachricht: Im zweiten Jahr wisst ihr, in welcher Schublade die Zahlen liegen.
ESG- und Nachhaltigkeitsberater mit Schwerpunkt auf VSME‑Berichterstattung und Klimarisikoanalysen. Begleitet seit 2014 über 300 Projekte für den Mittelstand sowie für Großbanken und Versicherungskonzerne.
Zur PersonDie European Sustainability Reporting Standards (ESRS) sind seit 2024 das verbindliche Regelwerk für die Nachhaltigkeitsberichterstattung in der EU. Alle 12 Standards umfassen ...
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