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12 min Lesezeit

CSDDD: Schwellen, Fristen und Pflichten nach dem Omnibus

Schwarz-Weiß-Aufnahme gestapelter Container in Hamburg

Die Corporate Sustainability Due Diligence Directive (CSDDD), Richtlinie (EU) 2024/1760, verpflichtet sehr große Unternehmen, nachteilige Auswirkungen auf Menschenrechte und Umwelt im eigenen Geschäft, bei Tochtergesellschaften und in der Aktivitätskette zu ermitteln, zu verhindern und abzustellen. Die Richtlinie (EU) 2026/470, das sogenannte Omnibus-Paket, ist seit dem 18. März 2026 in Kraft und hat zentrale Teile neu gefasst: Anwendungsbereich, Zeitplan, Sanktionen und die Art, wie Sorgfaltspflichten erfüllt werden.

Viele Übersichten beschreiben noch die Fassung von 2024 mit gestaffelten Schwellen ab 1.000 Mitarbeitenden, verpflichtenden Klimatransitionsplänen und Bußgeldern von 5 Prozent des Umsatzes. Nichts davon ist geltendes Recht. Dieser Überblick zeigt den aktuellen Stand.

Für wen die CSDDD gilt

Die Richtlinie erfasst eine kleine Gruppe sehr großer Unternehmen. Beide Kriterien müssen erfüllt sein.

UnternehmenstypSchwelle
EU-UnternehmenMehr als 5.000 Mitarbeitende und mehr als 1,5 Mrd. € weltweiter Nettoumsatz
Nicht-EU-UnternehmenMehr als 1,5 Mrd. € Nettoumsatz in der EU
Franchise- oder LizenzmodellMehr als 75 Mio. € Lizenzgebühren und mehr als 275 Mio. € weltweiter Nettoumsatz

In Konzernen kann die oberste Muttergesellschaft die Pflichten für ihre Töchter erfüllen. Unternehmen unterhalb der Schwellen haben keine direkten Pflichten, spüren die Richtlinie aber über ihre Kunden. Dazu weiter unten mehr.

Zeitplan: 2028 und 2029 sind die Daten, die zählen

DatumWas passiert
25. Juli 2024Die CSDDD tritt als Richtlinie (EU) 2024/1760 in Kraft
18. März 2026Die Richtlinie (EU) 2026/470 tritt in Kraft und ändert Anwendungsbereich, Zeitplan und Pflichten
26. Juli 2027Frist für die allgemeinen Leitlinien der Europäischen Kommission zur Sorgfaltspflicht
26. Juli 2028Frist für die Umsetzung in nationales Recht
26. Juli 2029Die Pflichten gelten für alle erfassten Unternehmen, in einem Schritt
Geschäftsjahre ab 1. Januar 2030Erste jährliche Erklärung zur Sorgfaltspflicht auf der Unternehmenswebsite

Der gestaffelte Start, der 2027 beginnen sollte, ist entfallen. Es gibt ein Anwendungsdatum für alle.

Was die Sorgfaltspflicht verlangt

Der Kernprozess folgt dem OECD-Leitfaden für die Erfüllung der Sorgfaltspflicht und hat 6 Elemente:

  1. Sorgfaltspflicht in Unternehmenspolitik und Risikomanagement verankern.
  2. Tatsächliche und potenzielle nachteilige Auswirkungen ermitteln und bewerten.
  3. Auswirkungen verhindern, mindern, abstellen und minimieren.
  4. Meldemechanismus und Beschwerdeverfahren einrichten.
  5. Wirksamkeit der Maßnahmen überwachen.
  6. Öffentlich über die Sorgfaltspflicht berichten.

Risikobasierte Eingrenzung statt Vollkartierung

Am Anfang steht eine Eingrenzung auf Basis von Informationen, die mit vertretbarem Aufwand verfügbar sind. Sie zeigt die Bereiche, in denen nachteilige Auswirkungen am wahrscheinlichsten und am schwersten sind. Nur dort ist eine vertiefte Bewertung nötig. Das ersetzt die Vorstellung, jede Stufe jeder Lieferkette gleich tief kartieren zu müssen.

Grenzen für Informationsanfragen

Informationen dürfen bei Geschäftspartnern nur angefordert werden, wenn sie erforderlich sind. Bei Partnern mit weniger als 5.000 Mitarbeitenden liegt die Hürde höher: Eine Anfrage ist nur zulässig, wenn sich die Information nicht mit vertretbarem Aufwand auf anderem Weg beschaffen lässt. Daneben steht der Wertschöpfungskettendeckel aus der Nachhaltigkeitsberichterstattung, der begrenzt, was große Kunden für ihre Berichte von kleineren Zulieferern verlangen dürfen.

Überprüfung alle 5 Jahre

Unternehmen bewerten Angemessenheit und Wirksamkeit ihrer Maßnahmen mindestens alle 5 Jahre, und früher, wenn sich Wesentliches ändert oder es begründete Hinweise auf neue Risiken gibt. Die Fassung von 2024 sah eine jährliche Bewertung vor.

Einbindung von Stakeholdern und Geschäftsbeziehungen

Einzubinden sind Mitarbeitende, Gewerkschaften, Arbeitnehmervertretungen sowie direkt betroffene Personen und Gemeinschaften, und zwar bei der Bewertung von Auswirkungen, bei Aktionsplänen und bei der Abhilfe. Die Beendigung einer Geschäftsbeziehung bleibt das letzte Mittel.

Sanktionen und zivilrechtliche Haftung

Nationale Aufsichtsbehörden setzen die Regeln durch. Die Bußgelder legen die Mitgliedstaaten fest, die Richtlinie deckelt das Höchstmaß bei 3 Prozent des weltweiten Nettoumsatzes. Die Fassung von 2024 hatte ein Höchstmaß von mindestens 5 Prozent verlangt.

Das EU-weit einheitliche Haftungsregime in Artikel 29 wurde gestrichen. Ob ein Unternehmen für Schäden aus einem Pflichtverstoß haftet, richtet sich nach nationalem Recht. Besteht eine Haftung, behalten Geschädigte den Anspruch auf vollständigen Ersatz, ohne Überkompensation. Für Unternehmen mit Standorten in mehreren Mitgliedstaaten hängt das Haftungsrisiko damit vom Ort der Klage ab.

Was sich gegenüber der Fassung von 2024 geändert hat

ThemaFassung 2024Geltendes Recht
AnwendungsbereichGestaffelt bis 1.000 Mitarbeitende und 450 Mio. € Umsatz5.000 Mitarbeitende und 1,5 Mrd. € Umsatz
AnwendungGestaffelt: 2027, 2028, 2029Ein Datum: 26. Juli 2029
Umsetzungsfrist26. Juli 202626. Juli 2028
KlimatransitionsplanPflicht nach Artikel 22Artikel 22 gestrichen
HöchstbußgeldMindestens 5 % des weltweiten NettoumsatzesGedeckelt bei 3 %
Zivilrechtliche HaftungEU-weites Regime in Artikel 29Nationales Recht
ÜberprüfungMindestens jährlichMindestens alle 5 Jahre
Nationale ZusätzeTeilweise zulässigKernpflichten harmonisiert, Mitgliedstaaten dürfen nicht darüber hinausgehen

Was Zulieferer unterhalb der Schwelle erwartet

Um die erfassten Unternehmen herum stehen viele Zulieferer, die selbst nicht erfasst sind. Gehört ihr dazu, folgen daraus 3 Dinge. Eure Großkunden stellen weniger Pauschalfragen und mehr gezielte, gebunden an die Risikobereiche, die sie ermittelt haben. Vertragsklauseln zu Menschenrechts- und Umweltstandards bleiben, weil sie das wichtigste Präventionsmittel des Kunden sind. Und ein Kunde, der bei euch ein Problem findet, soll mit euch an der Lösung arbeiten, bevor er geht.

Meine Position: Die praktische Antwort eines Zulieferers ist kein CSDDD-Projekt. Es ist ein kleiner, konsistenter Datensatz, der die wiederkehrenden Fragen einmal beantwortet, zu Energie, Emissionen, Belegschaft, Arbeitssicherheit und Verhaltenskodex. Genau dafür ist der freiwillige KMU-Standard gebaut. Wie ihr damit startet, zeigt der VSME-Bericht in 5 Schritten. Für die operative Arbeit mit Lieferanten lohnt der Blick auf 7 Maßnahmen für Nachhaltigkeit in der Lieferkette und auf Lieferkettentransparenz.

CSDDD und Lieferkettengesetz (LkSG)

Das Lieferkettensorgfaltspflichtengesetz gilt seit 2023 und erfasst Unternehmen mit mindestens 1.000 Mitarbeitenden in Deutschland. Durchgesetzt wird es vom Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (BAFA). Es bleibt in Kraft, bis die CSDDD umgesetzt ist. Die Bundesregierung hat angekündigt, es durch das Umsetzungsgesetz abzulösen.

AspektLkSGCSDDD
AnwendungsbereichMindestens 1.000 Mitarbeitende in DeutschlandMehr als 5.000 Mitarbeitende und 1,5 Mrd. € Umsatz
ReichweiteEigener Geschäftsbereich und unmittelbare Zulieferer, mittelbare bei substantiierter KenntnisAktivitätskette, risikobasiert eingegrenzt
BußgelderBis zu 2 % des durchschnittlichen Jahresumsatzes bei großen UnternehmenMitgliedstaaten entscheiden, gedeckelt bei 3 % des weltweiten Nettoumsatzes
Zivilrechtliche HaftungKeine eigene HaftungNationales Recht

Unternehmen mit 1.000 bis 5.000 Mitarbeitenden in Deutschland fallen heute unter das LkSG und künftig nicht unter die CSDDD. Wie der deutsche Gesetzgeber mit dieser Gruppe im Umsetzungsgesetz umgeht, ist die offene Frage, die ihr beobachten solltet.

So bereitet ihr euch vor

  1. Prüft den Anwendungsbereich auf Konzernebene gegen beide Kriterien, auch für Nicht-EU-Gesellschaften mit EU-Umsatz.
  2. Macht die risikobasierte Eingrenzung jetzt. Sie braucht keine Frist und zeigt, wo die vertiefte Arbeit liegt.
  3. Baut auf Bestehendem auf. Risikoanalysen, Beschwerdekanäle und Lieferantenkodizes aus dem LkSG tragen weiter.
  4. Prüft eure Fragebögen. Pauschalanfragen an kleine Partner lassen sich kaum noch begründen.
  5. Verbindet die Arbeit mit anderen Regelwerken, die dieselben Lieferanten betreffen, etwa der EU-Entwaldungsverordnung (EUDR). Dort hängt alles an sauberen Standortdaten der Erzeugerflächen.
  6. Verfolgt die Leitlinien der Kommission bis zum 26. Juli 2027 und das deutsche Umsetzungsgesetz.

Den Text der ursprünglichen Richtlinie findet ihr auf EUR-Lex.

Häufige Fragen

1. Für wen gilt die CSDDD?

Für EU-Unternehmen mit mehr als 5.000 Mitarbeitenden und mehr als 1,5 Mrd. € weltweitem Nettoumsatz sowie für Nicht-EU-Unternehmen mit mehr als 1,5 Mrd. € Nettoumsatz in der EU. Franchise- und Lizenzmodelle sind ab 75 Mio. € Lizenzgebühren und 275 Mio. € weltweitem Nettoumsatz erfasst.

2. Ab wann gilt die CSDDD?

Die Mitgliedstaaten setzen die Richtlinie bis zum 26. Juli 2028 in nationales Recht um. Die Pflichten gelten ab dem 26. Juli 2029 für alle erfassten Unternehmen gleichzeitig. Den gestaffelten Start 2027, 2028 und 2029 gibt es nicht mehr.

3. Verlangt die CSDDD noch einen Klimatransitionsplan?

Nein. Artikel 22, der einen Transitionsplan im Einklang mit dem 1,5-Grad-Ziel vorsah, wurde mit der Richtlinie (EU) 2026/470 gestrichen. Für Banken, Investoren und den Nachhaltigkeitsbericht bleiben Transitionspläne wichtig, eine CSDDD-Pflicht sind sie nicht mehr.

4. Wie hoch sind die Bußgelder?

Die Mitgliedstaaten legen die Sanktionen fest. Die Richtlinie deckelt das Höchstmaß bei 3 Prozent des weltweiten Nettoumsatzes. Die Fassung von 2024 hatte ein Höchstmaß von mindestens 5 Prozent verlangt.

5. Betrifft die CSDDD auch Unternehmen mit weniger als 5.000 Mitarbeitenden?

Indirekt. Erfasste Unternehmen prüfen ihre Aktivitätskette und kommen auf euch zu, wenn ein Risikobereich eure Produkte oder Standorte berührt. Von Partnern mit weniger als 5.000 Mitarbeitenden dürfen sie Informationen nur anfordern, wenn sie diese nicht auf anderem Weg beschaffen können. Rechnet mit weniger Pauschalfragebögen und mehr gezielten Fragen.

6. Ersetzt die CSDDD das Lieferkettengesetz (LkSG)?

Noch nicht. Das Lieferkettensorgfaltspflichtengesetz gilt weiter für Unternehmen mit mindestens 1.000 Mitarbeitenden in Deutschland, bis die CSDDD umgesetzt ist. Die Bundesregierung hat angekündigt, das LkSG durch das Umsetzungsgesetz abzulösen.

Johannes Fiegenbaum

Johannes Fiegenbaum

ESG- und Nachhaltigkeitsberater in Hamburg mit Schwerpunkt auf VSME‑Berichterstattung, CO₂-Bilanzen und Klimarisikoanalysen. Arbeitet für Mittelstand, Investoren und Finanzinstitute und hat die VSME-Software VSEasy zusammen mit Kunden entwickelt.

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