Von Johannes Fiegenbaum am 24.04.25, 12:00 · Zuletzt aktualisiert 6. Oktober 2026
Die Corporate Sustainability Due Diligence Directive (CSDDD), Richtlinie (EU) 2024/1760, verpflichtet sehr große Unternehmen, nachteilige Auswirkungen auf Menschenrechte und Umwelt im eigenen Geschäft, bei Tochtergesellschaften und in der Aktivitätskette zu ermitteln, zu verhindern und abzustellen. Die Richtlinie (EU) 2026/470, das sogenannte Omnibus-Paket, ist seit dem 18. März 2026 in Kraft und hat zentrale Teile neu gefasst: Anwendungsbereich, Zeitplan, Sanktionen und die Art, wie Sorgfaltspflichten erfüllt werden.
Viele Übersichten beschreiben noch die Fassung von 2024 mit gestaffelten Schwellen ab 1.000 Mitarbeitenden, verpflichtenden Klimatransitionsplänen und Bußgeldern von 5 Prozent des Umsatzes. Nichts davon ist geltendes Recht. Dieser Überblick zeigt den aktuellen Stand.
Die Richtlinie erfasst eine kleine Gruppe sehr großer Unternehmen. Beide Kriterien müssen erfüllt sein.
| Unternehmenstyp | Schwelle |
|---|---|
| EU-Unternehmen | Mehr als 5.000 Mitarbeitende und mehr als 1,5 Mrd. € weltweiter Nettoumsatz |
| Nicht-EU-Unternehmen | Mehr als 1,5 Mrd. € Nettoumsatz in der EU |
| Franchise- oder Lizenzmodell | Mehr als 75 Mio. € Lizenzgebühren und mehr als 275 Mio. € weltweiter Nettoumsatz |
In Konzernen kann die oberste Muttergesellschaft die Pflichten für ihre Töchter erfüllen. Unternehmen unterhalb der Schwellen haben keine direkten Pflichten, spüren die Richtlinie aber über ihre Kunden. Dazu weiter unten mehr.
| Datum | Was passiert |
|---|---|
| 25. Juli 2024 | Die CSDDD tritt als Richtlinie (EU) 2024/1760 in Kraft |
| 18. März 2026 | Die Richtlinie (EU) 2026/470 tritt in Kraft und ändert Anwendungsbereich, Zeitplan und Pflichten |
| 26. Juli 2027 | Frist für die allgemeinen Leitlinien der Europäischen Kommission zur Sorgfaltspflicht |
| 26. Juli 2028 | Frist für die Umsetzung in nationales Recht |
| 26. Juli 2029 | Die Pflichten gelten für alle erfassten Unternehmen, in einem Schritt |
| Geschäftsjahre ab 1. Januar 2030 | Erste jährliche Erklärung zur Sorgfaltspflicht auf der Unternehmenswebsite |
Der gestaffelte Start, der 2027 beginnen sollte, ist entfallen. Es gibt ein Anwendungsdatum für alle.
Der Kernprozess folgt dem OECD-Leitfaden für die Erfüllung der Sorgfaltspflicht und hat 6 Elemente:
Am Anfang steht eine Eingrenzung auf Basis von Informationen, die mit vertretbarem Aufwand verfügbar sind. Sie zeigt die Bereiche, in denen nachteilige Auswirkungen am wahrscheinlichsten und am schwersten sind. Nur dort ist eine vertiefte Bewertung nötig. Das ersetzt die Vorstellung, jede Stufe jeder Lieferkette gleich tief kartieren zu müssen.
Informationen dürfen bei Geschäftspartnern nur angefordert werden, wenn sie erforderlich sind. Bei Partnern mit weniger als 5.000 Mitarbeitenden liegt die Hürde höher: Eine Anfrage ist nur zulässig, wenn sich die Information nicht mit vertretbarem Aufwand auf anderem Weg beschaffen lässt. Daneben steht der Wertschöpfungskettendeckel aus der Nachhaltigkeitsberichterstattung, der begrenzt, was große Kunden für ihre Berichte von kleineren Zulieferern verlangen dürfen.
Unternehmen bewerten Angemessenheit und Wirksamkeit ihrer Maßnahmen mindestens alle 5 Jahre, und früher, wenn sich Wesentliches ändert oder es begründete Hinweise auf neue Risiken gibt. Die Fassung von 2024 sah eine jährliche Bewertung vor.
Einzubinden sind Mitarbeitende, Gewerkschaften, Arbeitnehmervertretungen sowie direkt betroffene Personen und Gemeinschaften, und zwar bei der Bewertung von Auswirkungen, bei Aktionsplänen und bei der Abhilfe. Die Beendigung einer Geschäftsbeziehung bleibt das letzte Mittel.
Nationale Aufsichtsbehörden setzen die Regeln durch. Die Bußgelder legen die Mitgliedstaaten fest, die Richtlinie deckelt das Höchstmaß bei 3 Prozent des weltweiten Nettoumsatzes. Die Fassung von 2024 hatte ein Höchstmaß von mindestens 5 Prozent verlangt.
Das EU-weit einheitliche Haftungsregime in Artikel 29 wurde gestrichen. Ob ein Unternehmen für Schäden aus einem Pflichtverstoß haftet, richtet sich nach nationalem Recht. Besteht eine Haftung, behalten Geschädigte den Anspruch auf vollständigen Ersatz, ohne Überkompensation. Für Unternehmen mit Standorten in mehreren Mitgliedstaaten hängt das Haftungsrisiko damit vom Ort der Klage ab.
| Thema | Fassung 2024 | Geltendes Recht |
|---|---|---|
| Anwendungsbereich | Gestaffelt bis 1.000 Mitarbeitende und 450 Mio. € Umsatz | 5.000 Mitarbeitende und 1,5 Mrd. € Umsatz |
| Anwendung | Gestaffelt: 2027, 2028, 2029 | Ein Datum: 26. Juli 2029 |
| Umsetzungsfrist | 26. Juli 2026 | 26. Juli 2028 |
| Klimatransitionsplan | Pflicht nach Artikel 22 | Artikel 22 gestrichen |
| Höchstbußgeld | Mindestens 5 % des weltweiten Nettoumsatzes | Gedeckelt bei 3 % |
| Zivilrechtliche Haftung | EU-weites Regime in Artikel 29 | Nationales Recht |
| Überprüfung | Mindestens jährlich | Mindestens alle 5 Jahre |
| Nationale Zusätze | Teilweise zulässig | Kernpflichten harmonisiert, Mitgliedstaaten dürfen nicht darüber hinausgehen |
Um die erfassten Unternehmen herum stehen viele Zulieferer, die selbst nicht erfasst sind. Gehört ihr dazu, folgen daraus 3 Dinge. Eure Großkunden stellen weniger Pauschalfragen und mehr gezielte, gebunden an die Risikobereiche, die sie ermittelt haben. Vertragsklauseln zu Menschenrechts- und Umweltstandards bleiben, weil sie das wichtigste Präventionsmittel des Kunden sind. Und ein Kunde, der bei euch ein Problem findet, soll mit euch an der Lösung arbeiten, bevor er geht.
Meine Position: Die praktische Antwort eines Zulieferers ist kein CSDDD-Projekt. Es ist ein kleiner, konsistenter Datensatz, der die wiederkehrenden Fragen einmal beantwortet, zu Energie, Emissionen, Belegschaft, Arbeitssicherheit und Verhaltenskodex. Genau dafür ist der freiwillige KMU-Standard gebaut. Wie ihr damit startet, zeigt der VSME-Bericht in 5 Schritten. Für die operative Arbeit mit Lieferanten lohnt der Blick auf 7 Maßnahmen für Nachhaltigkeit in der Lieferkette und auf Lieferkettentransparenz.
Das Lieferkettensorgfaltspflichtengesetz gilt seit 2023 und erfasst Unternehmen mit mindestens 1.000 Mitarbeitenden in Deutschland. Durchgesetzt wird es vom Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (BAFA). Es bleibt in Kraft, bis die CSDDD umgesetzt ist. Die Bundesregierung hat angekündigt, es durch das Umsetzungsgesetz abzulösen.
| Aspekt | LkSG | CSDDD |
|---|---|---|
| Anwendungsbereich | Mindestens 1.000 Mitarbeitende in Deutschland | Mehr als 5.000 Mitarbeitende und 1,5 Mrd. € Umsatz |
| Reichweite | Eigener Geschäftsbereich und unmittelbare Zulieferer, mittelbare bei substantiierter Kenntnis | Aktivitätskette, risikobasiert eingegrenzt |
| Bußgelder | Bis zu 2 % des durchschnittlichen Jahresumsatzes bei großen Unternehmen | Mitgliedstaaten entscheiden, gedeckelt bei 3 % des weltweiten Nettoumsatzes |
| Zivilrechtliche Haftung | Keine eigene Haftung | Nationales Recht |
Unternehmen mit 1.000 bis 5.000 Mitarbeitenden in Deutschland fallen heute unter das LkSG und künftig nicht unter die CSDDD. Wie der deutsche Gesetzgeber mit dieser Gruppe im Umsetzungsgesetz umgeht, ist die offene Frage, die ihr beobachten solltet.
Den Text der ursprünglichen Richtlinie findet ihr auf EUR-Lex.
Für EU-Unternehmen mit mehr als 5.000 Mitarbeitenden und mehr als 1,5 Mrd. € weltweitem Nettoumsatz sowie für Nicht-EU-Unternehmen mit mehr als 1,5 Mrd. € Nettoumsatz in der EU. Franchise- und Lizenzmodelle sind ab 75 Mio. € Lizenzgebühren und 275 Mio. € weltweitem Nettoumsatz erfasst.
Die Mitgliedstaaten setzen die Richtlinie bis zum 26. Juli 2028 in nationales Recht um. Die Pflichten gelten ab dem 26. Juli 2029 für alle erfassten Unternehmen gleichzeitig. Den gestaffelten Start 2027, 2028 und 2029 gibt es nicht mehr.
Nein. Artikel 22, der einen Transitionsplan im Einklang mit dem 1,5-Grad-Ziel vorsah, wurde mit der Richtlinie (EU) 2026/470 gestrichen. Für Banken, Investoren und den Nachhaltigkeitsbericht bleiben Transitionspläne wichtig, eine CSDDD-Pflicht sind sie nicht mehr.
Die Mitgliedstaaten legen die Sanktionen fest. Die Richtlinie deckelt das Höchstmaß bei 3 Prozent des weltweiten Nettoumsatzes. Die Fassung von 2024 hatte ein Höchstmaß von mindestens 5 Prozent verlangt.
Indirekt. Erfasste Unternehmen prüfen ihre Aktivitätskette und kommen auf euch zu, wenn ein Risikobereich eure Produkte oder Standorte berührt. Von Partnern mit weniger als 5.000 Mitarbeitenden dürfen sie Informationen nur anfordern, wenn sie diese nicht auf anderem Weg beschaffen können. Rechnet mit weniger Pauschalfragebögen und mehr gezielten Fragen.
Noch nicht. Das Lieferkettensorgfaltspflichtengesetz gilt weiter für Unternehmen mit mindestens 1.000 Mitarbeitenden in Deutschland, bis die CSDDD umgesetzt ist. Die Bundesregierung hat angekündigt, das LkSG durch das Umsetzungsgesetz abzulösen.
ESG- und Nachhaltigkeitsberater in Hamburg mit Schwerpunkt auf VSME‑Berichterstattung, CO₂-Bilanzen und Klimarisikoanalysen. Arbeitet für Mittelstand, Investoren und Finanzinstitute und hat die VSME-Software VSEasy zusammen mit Kunden entwickelt.
Zur PersonLieferkettentransparenz heißt: Ihr wisst, wer eure Vorprodukte unter welchen Bedingungen herstellt, und könnt es belegen. Das beginnt bei den direkten Zulieferern und reicht, wo ...
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