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Nachhaltigkeit Lieferkette: 7 wirkungsvolle Maßnahmen für Unternehmen

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Eine nachhaltige Lieferkette ist eine Wertschöpfungskette, in der die Umwelt-, Sozial- und Governance-Wirkungen bis in die Vorstufen hinein bekannt, bewertet und gesteuert sind. Der Begriff wird oft synonym mit grüner, ethischer oder transparenter Lieferkette benutzt, gemeint ist aber jeweils etwas anderes. Dieser Text ordnet die Begriffe, benennt die Pflichten nach Unternehmensgröße und zeigt, welche Hebel tatsächlich tragen, auch wenn du auf der Zuliefererseite sitzt.

Was Nachhaltigkeit in der Lieferkette bedeutet, und wie sie sich von grüner, ethischer und transparenter Lieferkette unterscheidet

Sustainable Supply Chain Management umfasst drei Dimensionen: die ökologische Wirkung der Vorkette, die Arbeits- und Menschenrechtslage bei den Lieferanten und die Governance, also wer im Unternehmen entscheidet, dokumentiert und nachhält. Die verwandten Begriffe greifen jeweils nur einen Ausschnitt heraus.

Begriff

Worauf er zielt

Typischer Nachweis

Nachhaltige Lieferkette

Alle drei Dimensionen: Umwelt, Soziales, Governance

Scope-3-Bilanz plus dokumentierter Sorgfaltspflichtenprozess

Grüne Lieferkette

Nur die Umweltwirkung: Emissionen, Ressourcen, Abfall

CO₂ je Produkteinheit, Materialeinsatz

Ethische oder verantwortungsvolle Lieferkette

Menschenrechte und Arbeitsbedingungen

Lieferantenaudit, Beschwerdemechanismus

Transparente Lieferkette

Sichtbarkeit über die erste Stufe hinaus

Lieferantenliste je Stufe, Herkunftsnachweis

Kreislauforientierte Lieferkette

Geschlossene Materialkreisläufe statt Einwegfluss

Anteil Sekundärmaterial, Rücknahmequote

Die Begriffe überschneiden sich, sie ersetzen sich nicht. Ein Konsumgüterhersteller kann eine grüne Lieferkette vorzeigen, weil eine neue Rezeptur weniger fossile Rohstoffe braucht, und trotzdem keine transparente führen: Wer die Vorprodukte zwei Stufen vor dem Erstlieferanten herstellt, steht in keiner Liste. Umgekehrt sagt lückenlose Rückverfolgbarkeit nichts darüber, ob die Emissionen sinken.

Welche Pflichten gelten: LkSG, CSDDD und die Wertschöpfungskette im Nachhaltigkeitsbericht

Was du tun musst, hängt an der Größe deines Unternehmens, nicht am guten Willen.

Größenklasse

Was gilt

Unter 1.000 Beschäftigte

Keine eigene Berichtspflicht. Was berichtspflichtige Kunden an Daten verlangen dürfen, ist durch den Wertschöpfungskettendeckel begrenzt; Antwortformat ist der freiwillige Standard, bekannt als VSME.

Ab 1.000 Beschäftigte in Deutschland

LkSG: Risikomanagement, jährliche Risikoanalyse entlang der Kette, Menschenrechtsbeauftragte oder Menschenrechtsbeauftragter, Beschwerdemechanismus, Bericht an das BAFA.

Über 1.000 Beschäftigte und über 450 Mio. Euro Umsatz

Nachhaltigkeitsbericht nach ESRS für Geschäftsjahre ab 2027, einschließlich der Angaben zur Wertschöpfungskette und zu Scope 3.

Über 5.000 Beschäftigte und über 1,5 Mrd. Euro Umsatz

CSDDD-Sorgfaltspflichten, Umsetzung in nationales Recht bis 26. Juli 2028, Anwendung ab 26. Juli 2029.

Meine Position dazu: Der Deckel beruhigt weniger, als er verspricht. Anhang II des Rechtsakts listet abschließend auf, was er erfasst, und die Klimaangaben aus dem Zusatzmodul stehen dort nicht. Gefragt wird also weiter, nur nicht mehr im standardisierten Format, sondern über Einkaufsbedingungen, Rahmenverträge und Kreditgespräche. Der Deckel begrenzt einen Datenkanal von mehreren, und zwar den harmlosesten. Welche Lücken der finale Rechtsakt offenlässt, habe ich im Artikel zum Wertschöpfungskettendeckel aufgeschrieben.

Die wirksamen Hebel, sortiert nach Aufwand und Wirkung

Bevor du einen Hebel ansetzt, brauchst du die Antwort auf eine Frage: Wo in der Kette sitzt die Wirkung überhaupt? Genau dafür ist eine Lebenszyklusanalyse da, nicht als Zertifikat, sondern als Auswahllogik. Bei den meisten produzierenden Unternehmen liegt der größte Block in den eingekauften Roh- und Vorprodukten, nicht im eigenen Werk.

Hebel

Wirkung

Aufwand

Trägt unter 250 Beschäftigten?

Lebenszyklusanalyse als Auswahllogik

Indirekt, aber lenkt alle weiteren Entscheidungen

Mittel

Ja, verkürzt auf die zwei umsatzstärksten Produkte

Primärdaten bei den größten Lieferanten erheben

Hoch, ersetzt Durchschnittswerte durch Ist-Werte

Mittel

Ja, das ist der Einstieg

Supplier Code of Conduct und Lieferantenqualifizierung

Mittel, wirkt vor allem auf soziale Risiken

Gering

Ja

Digitale Rückverfolgbarkeit über mehrere Stufen

Hoch bei Rohstoffrisiken, sonst begrenzt

Hoch

Selten, braucht Marktmacht gegenüber der Vorkette

Materialkreisläufe schließen

Hoch bei materialintensiven Produkten

Hoch

Teilweise, meist nur beim Verpackungs- und Verschnittanteil

Dekarbonisierung der Vorkette mit den Lieferanten

Sehr hoch, dauert aber Jahre

Hoch

Nur im Verbund mit anderen Abnehmern

Kennzahlen definieren und nachhalten

Mittel, sichert alles andere ab

Gering

Ja

Die drei Hebel mit geringem Aufwand tragen fast überall, die drei teuren setzen Verhandlungsmacht gegenüber der Vorkette voraus. Wer als Zulieferer mit 80 Beschäftigten anfängt, holt sich mit Punkt zwei und drei den größten Teil dessen, was Kunden ohnehin abfragen. Wie die Emissionsseite methodisch sauber aufgesetzt wird, steht in der Anleitung zur CO₂-Bilanz; die Kategorienlogik selbst regelt der Scope-3-Standard des GHG Protocol.

So startest du mit deinen Lieferanten: Anfrage, Code of Conduct, Nachhalten

Der erste Durchgang entscheidet, ob daraus ein Prozess wird oder eine einmalige Excel-Runde. Ein Ablauf, der sich bewährt hat:

  • Priorisieren: die zwanzig Lieferanten mit dem höchsten Einkaufsvolumen, nicht alle.
  • Datenpunkte festlegen: Energieverbrauch, Scope 1 und 2, Anteil erneuerbarer Strom, Materialherkunft. Mehr nicht im ersten Jahr.
  • Format mitschicken: ein ausfüllbares Blatt statt einer offenen Frage. Wer eine Vorlage bekommt, antwortet.
  • Frist und Ansprechpartner nennen: vier bis sechs Wochen, eine Person auf beiden Seiten.
  • Eskalation vorab klären: Erinnerung, dann Gespräch im Einkauf, dann Vermerk in der Lieferantenbewertung.

Rechne im ersten Durchlauf mit unvollständigem Rücklauf. Das ist kein Scheitern, sondern die Ausgangslage: Du weißt danach, wer messen kann und wer nicht, und das ist selbst eine Information für die Wesentlichkeitsbetrachtung.

Den Rahmen dafür setzt ein Supplier Code of Conduct: ein kurzes Dokument, das Mindestanforderungen zu Arbeitsbedingungen, Umwelt, Korruption und Datenauskunft festhält und Bestandteil der Einkaufsbedingungen wird. Wer die Beschaffungsseite methodisch aufziehen will, findet in der ISO 20400 einen Leitfaden für nachhaltige Beschaffung. Sie ist bewusst keine zertifizierbare Norm, sondern eine Anleitung, wie Nachhaltigkeitskriterien in Vergabe und Lieferantenbewertung eingebaut werden.

Häufige Fragen

Was ist eine grüne Lieferkette?

Eine grüne Lieferkette betrachtet ausschließlich die ökologische Seite der Wertschöpfung: Emissionen, Energie- und Materialeinsatz, Abfall und Transportwege. Soziale Themen wie Arbeitsbedingungen bei Lieferanten bleiben außen vor. Sie ist damit ein Teilbereich der nachhaltigen Lieferkette, nicht ihr Synonym.

Was ist eine transparente Lieferkette?

Transparent ist eine Lieferkette, wenn bekannt ist, wer über die erste Stufe hinaus liefert, und woher die eingesetzten Materialien stammen. Der Nachweis läuft über Lieferantenlisten je Stufe und Herkunftsdokumente. Transparenz ist die Voraussetzung für Steuerung, aber noch keine Verbesserung: Man kann eine Kette vollständig kennen und trotzdem nichts an ihren Wirkungen ändern.

Was unterscheidet eine nachhaltige von einer ethischen Lieferkette?

Eine ethische, oft auch verantwortungsvoll genannte Lieferkette stellt Menschenrechte, Arbeitsbedingungen, faire Entlohnung und Korruptionsfreiheit in den Mittelpunkt. Eine nachhaltige Lieferkette schließt das ein, ergänzt aber die Umweltdimension und die Governance, also die Frage, wer intern verantwortlich ist und wie Ergebnisse nachgehalten werden.

Was gehört in einen Supplier Code of Conduct?

Mindestanforderungen zu Arbeitszeit, Entlohnung, Vereinigungsfreiheit und Verbot von Kinder- und Zwangsarbeit, dazu Umweltauflagen, ein Korruptionsverbot und eine Auskunftspflicht für Nachhaltigkeitsdaten. Dazu gehört, wie die Einhaltung geprüft wird und was bei Verstößen passiert. Wirksam wird das Dokument erst, wenn es Bestandteil der Einkaufsbedingungen ist und nicht nur als Anlage mitgeschickt wird.

Johannes Fiegenbaum

Johannes Fiegenbaum

ESG- und Nachhaltigkeitsberater mit Schwerpunkt auf VSME‑Berichterstattung und Klimarisikoanalysen. Begleitet seit 2014 über 300 Projekte für den Mittelstand sowie für Großbanken und Versicherungskonzerne.

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