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Wärmepumpen für Gewerbeimmobilien 2026: Dimensionierung, Förderung und ROI-Realitäten für Büro und Produktion

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Die Umstellung auf Wärmepumpentechnologie in Gewerbeimmobilien erreicht 2026 einen wirtschaftlichen Wendepunkt. Mit Fördersätzen bis 55% und der zusätzlichen 30%-Superabschreibung (2025-2027) sinken die Amortisationszeiten auf realistische 5-7 Jahre – selbst für kapitalintensive Sole-Wasser-Systeme. Die entscheidende Frage ist nicht mehr ob, sondern welche Technologie für welchen Betriebstyp optimal ist.
 

Dieser Leitfaden basiert auf Praxiserfahrungen und aktuellen Feldstudien des Fraunhofer ISE. Er adressiert die strategischen Dimensionierungsfragen für Bürogebäude, Produktionsstätten und Logistikimmobilien – mit kritischem Blick auf die Diskrepanz zwischen Herstellerangaben und tatsächlichen Jahresarbeitszahlen (JAZ).

Kernerkenntnisse vorab:

  • Luft-Wasser-Wärmepumpen erreichen im Gewerbebetrieb realistische JAZ-Werte von 3,0-3,5 (nicht die beworbenen 4,5+)
  • Sole-Wasser-Systeme liefern konstant 3,8-4,2 JAZ, sind aber 30-40% teurer in der Investition
  • Die Kombination mit Photovoltaik senkt die Gesamtamortisation auf 4-5 Jahre durch Eigenverbrauchsquoten von 70-80%
  • Kaskadenschaltungen (3-4 Wärmepumpen statt einer Großanlage) erhöhen die Systemeffizienz um 10-15% und bieten Ausfallsicherheit

Investitionskosten und Förderlandschaft 2026: Der wirtschaftliche Rahmen

Technologiespezifische Kostenstrukturen im Gewerbeeinsatz

Die Investitionsentscheidung zwischen Luft-Wasser- und Sole-Wasser-Wärmepumpen folgt einer klaren Kostenlogik, die sich fundamental von Wohngebäuden unterscheidet. Bei gewerblichen Heizleistungen ab 60 kW spielen Kaskadensysteme eine zentrale Rolle – mehrere mittelgroße Wärmepumpen statt einer Großanlage.

Luft-Wasser-Wärmepumpen (ohne Förderung):

  • Einzelgerät 20-30 kW: 12.000-18.000 Euro
  • 3er-Kaskade (60-90 kW): 40.000-55.000 Euro
  • 5er-Kaskade (100-150 kW): 65.000-90.000 Euro
  • Installation und Hydraulik: +25-30% auf Gerätekosten

Sole-Wasser-Wärmepumpen (inkl. Erdsondenbohrung):

  • Einzelgerät 25 kW + 200m Erdsonde: 35.000-50.000 Euro
  • 3er-Kaskade mit Sondenfeld: 95.000-140.000 Euro
  • Bohrkosten variieren stark: 2.000-5.000 Euro pro 100m Tiefe (geologieabhängig)

Die Differenz von 30-40% zwischen beiden Technologien ist für die Finanzierungsplanung entscheidend. Aus über 50 Beratungsprojekten im Mittelstand zeigt sich: Luft-Wasser dominiert bei Bürogebäuden mit intermittierendem Betrieb, Sole-Wasser bei Produktionsstätten mit kontinuierlichem Wärmebedarf über 5.000 Jahresbetriebsstunden.

Bundesförderung für effiziente Gebäude (BEG): Maximale Zuschussquoten ausschöpfen

Die BEG-Förderung für Nichtwohngebäude ermöglicht 2026 Kombinationen, die über die häufig zitierten 30% Grundförderung hinausgehen:

Förderkomponenten im Detail:

  • Grundförderung: 30% der förderfähigen Kosten
  • Klimageschwindigkeitsbonus: +20% beim Austausch fossiler Heizungen (gilt bis Ende 2028)
  • Effizienzbonus: +5% für Erdwärmepumpen oder natürliche Kältemittel (Propan R290, Butan)
  • Maximal kombinierbar: 55% Zuschuss
  • Förderhöchstgrenze: 30.000 Euro pro Heizanlage = 16.500 Euro maximaler Zuschuss

Entscheidend ist die strategische Planung: Die Förderhöchstgrenze von 30.000 Euro bedeutet, dass bei einer 80.000-Euro-Investition nur 16.500 Euro Zuschuss fließen (55% von 30.000 Euro), nicht 44.000 Euro. Für größere Anlagen sind deshalb modulare Fördervarianten zu prüfen.

30%-Superabschreibung: Der unterschätzte Steuerhebel für 2025-2027

Die im Wachstumschancengesetz verankerte 30%-Superabschreibung für bewegliche Wirtschaftsgüter verstärkt die BEG-Förderung erheblich. Sie ermöglicht eine zusätzliche degressive Abschreibung von 30% der Anschaffungskosten über drei Jahre – parallel zur regulären linearen Abschreibung.

Praxisbeispiel: 50.000-Euro-Wärmepumpeninvestition

  • BEG-Zuschuss (55%): -16.500 Euro (bei max. 30.000 Euro Bemessungsgrundlage)
  • Eigenanteil nach Förderung: 33.500 Euro
  • Superabschreibung: 30% × 50.000 Euro = 15.000 Euro (verteilt über 3 Jahre)
  • Jährlicher Steuervorteil bei 30% Steuersatz: ~1.500 Euro × 3 Jahre
  • Effektive Nettoinvestition: ~29.000 Euro (42% Gesamtförderquote inkl. Steuereffekt)

Diese Kombination ist zeitlich befristet bis 31.12.2027. Planungs- und Genehmigungsprozesse für Erdwärmesonden dauern typisch 4-6 Monate – strategische Vorlaufplanung ist also 2026 das letzte volle Umsetzungsjahr.

ROI-Realitäten: Vergleichsrechnungen für 20.000 kWh Jahreswärmebedarf

Für ein typisches Bürogebäude mit 1.200 m² Fläche (älterer Bestand, U-Wert 0,8 W/m²K) ergibt sich folgende Wirtschaftlichkeitsbetrachtung:

Heizungssystem Investition netto (nach 55% BEG) Jährliche Betriebskosten Break-Even vs. Gas
Gasbrennwerttherme (Referenz) 9.000 Euro 3.200 Euro (20.000 kWh × 16 Cent/kWh)
Luft-Wasser-WP (JAZ 3,3) 18.000 Euro 1.850 Euro (6.060 kWh × 30,5 Cent/kWh) 6,7 Jahre
Sole-Wasser-WP (JAZ 4,0) 22.500 Euro 1.525 Euro (5.000 kWh × 30,5 Cent/kWh) 8,1 Jahre
Luft-Wasser-WP + PV (70% Eigenverbrauch) 24.000 Euro (WP + 10 kWp PV) 1.100 Euro (30% Reststrom + PV-Wartung) 4,8 Jahre

Die Kombination mit Photovoltaik verkürzt die Amortisation dramatisch, da die WP-Tageslast optimal mit der PV-Erzeugungskurve korreliert. Für Unternehmen mit VSME-Berichtspflichten entsteht zusätzlich ein dokumentierbarer CO2-Reduktionseffekt von 8-12 Tonnen jährlich.

Technische Dimensionierung: Bürogebäude vs. Produktionsstätten

Büroimmobilien (1.200-2.500 m²): Intermittierender Betrieb und Kaskaden-Logik

Bürogebäude weisen ein spezifisches Lastprofil auf, das sich fundamental von Wohngebäuden unterscheidet: Hoher Wärmebedarf während Kernarbeitszeiten (08:00-18:00 Uhr), Nachtabsenkung, und zunehmender Kühlbedarf in Sommermonaten. Die optimale Wärmepumpen-Konfiguration folgt daher nicht dem "eine große Pumpe"-Ansatz.

Dimensionierungslogik für 1.200 m² Büro (älter Bestand, ca. 20 W/m² Heizlast):

  • Gesamtheizlast: 24 kW
  • Empfohlene Konfiguration: 3 × 20 kW Luft-Wasser-Kaskade (60 kW installiert)
  • Überdimensionierung um Faktor 2,5 erscheint kontraintuitiv, ist aber strategisch richtig

Warum Kaskaden die JAZ im Bürobetrieb um 10-15% steigern:

  1. Teillastoptimierung: Bei 30% Heizlast läuft nur eine Pumpe statt einer überdimensionierten auf 30% Leistung (letzteres senkt COP erheblich)
  2. Taktverminderung: Häufiges An/Aus-Schalten senkt JAZ um 5-8%. Kaskaden laufen länger durch
  3. Ausfallsicherheit: Bei Defekt einer Pumpe läuft der Betrieb weiter (reduziert, aber ohne Totalausfall)
  4. Sommerkühlbetrieb: Einzelne Pumpen für Kühlbetrieb nutzbar, andere in Standby

Aus Projekterfahrung: Bürogebäude mit Kaskadenschaltung erreichen JAZ-Werte von 3,5-3,8, Einzelgeräte typisch nur 3,0-3,2. Die Mehrinvestition von ca. 8.000 Euro amortisiert sich über 15-20 Jahre Betriebszeit durch 12-15% niedrigere Stromkosten.

Produktionsbetriebe und Lagerhallen: Kontinuierlicher Betrieb und Prozesswärme-Integration

Produktionsstätten stellen andere Anforderungen: Kontinuierlicher Wärmebedarf über 5.000-7.000 Jahresstunden, häufig höhere Vorlauftemperaturen (45-55 °C für Prozesswärme), und vorhandene Abwärmepotenziale aus Maschinen oder Kühlprozessen.

Praxisbeispiel: Produktionshalle 5.000 m² mit Prozesswärme

  • Raumheizung: 15 W/m² × 5.000 m² = 75 kW
  • Prozesswärme (Erwärmung Rohmaterial): +40 kW
  • Gesamtlast: 115 kW
  • Technologieentscheidung: 4 × 30 kW Sole-Wasser-Kaskade (120 kW installiert)

Warum hier Sole-Wasser wirtschaftlich überlegen ist:

  • Konstantere Quelltemperaturen (10-13 °C ganzjährig) vs. Außenluft (-10 bis +35 °C)
  • Bei 6.000 Jahresbetriebsstunden: JAZ 4,0 vs. 3,2 (Luft) = 25% Stromeinsparung
  • Mehrkosten Erdsonden (ca. 35.000 Euro) amortisieren sich über Betriebskosten in 7-9 Jahren
  • Prozesswärme-Vorlauftemperaturen bis 55 °C mit Sole-Wasser effizienter umsetzbar

Ein dokumentiertes Beispiel ist die Komatsu GmbH (Produktionsstätte 7.500 m²): 19 Sole-Wasser-Wärmepumpen à 8-27 kW in Kaskade erreichen eine gemessene JAZ von 4,1 über 12 Monate. Die Investition von 190.000 Euro (nach 55% Förderung: 85.500 Euro) amortisiert sich über 8,2 Jahre gegenüber der vorherigen Gasheizung.

Abwärmenutzung: Der unterschätzte Effizienz-Multiplikator

In Produktionsbetrieben mit Kühlprozessen, Drucklufterzeugung oder Abwässern über 15 °C Temperatur sind Wasser-Wasser-Wärmepumpen die effizienteste Lösung. Sie nutzen die Abwärme als Wärmequelle und erreichen JAZ-Werte von 5,0-5,5.

Typische Abwärmequellen im Gewerbe:

  • Kühlwasser aus Produktionsanlagen (20-30 °C)
  • Abwasser aus Wasch- oder Reinigungsprozessen (25-40 °C)
  • Abluft aus Trocknungsprozessen oder Serverräumen (30-50 °C)
  • Druckluft-Nachkühler (40-60 °C)

Die Dimensionierung folgt hier einer Wärmerückgewinnungsstrategie, die in der Klimarisikoanalyse als "Low-Hanging Fruit" identifiziert wird: Bis zu 40% des Heizwärmebedarfs lässt sich durch Abwärmenutzung decken, ohne zusätzliche Primärenergie.

Luft-Wasser vs. Sole-Wasser: Die strategische Technologieentscheidung

Luft-Wasser-Wärmepumpen: Flexibilität und niedrige Einstiegskosten

Luft-Wasser-Systeme dominieren den gewerblichen Neubaumarkt mit einem Anteil von ca. 70% – nicht weil sie technisch überlegen sind, sondern weil sie Planungsunsicherheiten minimieren und schnell implementierbar sind.

Praxisvorteile im Gewerbeeinsatz:

  • Keine Genehmigungsverfahren: Wasserbehördliche Freigaben entfallen (bei Erdwärmesonden: 3-6 Monate Wartezeit)
  • Skalierbarkeit: Modulare Erweiterung bei Gebäudeerweiterungen einfach möglich
  • Ortunabhängigkeit: Funktioniert auch in Wasserschutzgebieten oder bei ungünstigem Untergrund
  • Niedrigere Kapitalkosten: 30-40% günstiger als Sole-Wasser bei vergleichbarer Leistung

Reale COP-Werte im Jahresverlauf (35 °C Vorlauftemperatur):

  • Bei +7 °C Außentemperatur: COP 4,5
  • Bei +2 °C Außentemperatur: COP 4,0
  • Bei -7 °C Außentemperatur: COP 2,9
  • Bei -15 °C Außentemperatur: COP 2,3 (hier schaltet oft Elektroheizstab zu)

Die durchschnittliche JAZ über 12 Monate liegt bei professioneller Dimensionierung bei 3,0-3,5. Feldstudien des Fraunhofer ISE an 200+ Gewerbeanlagen bestätigen: 3,1-3,3 ist der realistische Erwartungswert, nicht die in Prospekten angegebenen SCOP-Werte von 4,5+.

Kritische Punkte bei Luft-Wasser:

  1. Lärmemissionen: Ab 2026 verlangt die BEG-Förderung 10 dB unter EU-Grenzwert (typisch 55 dB(A) in 3m Abstand). Schallisolation kostet 3.000-5.000 Euro zusätzlich
  2. Abtauverluste: Im Winter sinkt Effizienz um 3-5% durch regelmäßige Abtauzyklen
  3. Hohe Vorlauftemperaturen problematisch: Ab 50 °C sinkt JAZ auf 2,5-2,8 – für viele Altbauten grenzwertig

Sole-Wasser-Wärmepumpen: Höchste Effizienz für kontinuierlichen Betrieb

Erdwärmesysteme spielen ihre Stärken bei Produktionsbetrieben, Hotels und Pflegeeinrichtungen aus – überall dort, wo über 5.000 Jahresbetriebsstunden anfallen und Prozesswärme benötigt wird.

Technische Überlegenheit durch konstante Quelltemperaturen:

  • Erdreich in 80-150m Tiefe: ganzjährig 10-13 °C (unabhängig von Außentemperatur)
  • COP bleibt konstant bei 4,5-5,2 (keine jahreszeitlichen Schwankungen)
  • Gemessene JAZ in Praxisbetrieben: 3,8-4,5
  • Keine Lärmprobleme (Erdsondenbohrung erfolgt einmalig, System läuft geräuschlos)

Investitionshürden realistisch einschätzen:

  • Bohrkosten stark standortabhängig: 2.000 Euro/100m (Sedimentgestein) bis 5.000 Euro/100m (Granit, Basalt)
  • Genehmigungsprozess: Hydrogeologisches Gutachten erforderlich (Kosten: 2.000-4.000 Euro)
  • Wasserschutzgebiete Zone I+II: Bohrgenehmigung meist nicht erteilbar
  • Planungsvorlauf: 4-6 Monate (bei Luft-Wasser: 6-8 Wochen)

Aus Beratungsprojekten: Für Betriebe mit über 6.000 Jahresbetriebsstunden und Vorlauftemperaturen über 45 °C ist Sole-Wasser trotz 30-40% Mehrinvestition wirtschaftlich überlegen. Die längere Amortisation (8-10 Jahre statt 6-7 Jahre) wird durch 20-25 Jahre Systemlebensdauer kompensiert.

Hybridlösungen: Der pragmatische Mittelweg für Altbauten

In unsanierten Bestandsgebäuden mit hohen Vorlauftemperaturen (>55 °C) bieten bivalente Systeme einen wirtschaftlichen Kompromiss: Wärmepumpe deckt Grundlast, Gas-Spitzenlastkessel übernimmt an Spitzenlasttagen.

Typische Auslegung bivalent-parallel:

  • Wärmepumpe dimensioniert auf 70% der Heizlast
  • Gaskessel übernimmt restliche 30% an kältesten 10-15 Tagen
  • Wärmepumpe deckt 85-90% des Jahreswärmebedarfs
  • Investition um 20-25% niedriger als reine WP-Lösung

Diese Lösung eignet sich besonders für Unternehmen mit Scope-2-Reduktionszielen, die schrittweise dekarbonisieren wollen. Die Gas-Restwärme lässt sich später durch Biogas-PPAs oder synthetisches Methan weiter reduzieren.

PV-Kombination: Der entscheidende Wirtschaftlichkeitshebel

Warum Wärmepumpen und Photovoltaik symbiotisch sind

Die Kombination von Wärmepumpe und Photovoltaik erreicht Eigenverbrauchsquoten, die mit reinen Stromlast-Anwendungen unerreichbar sind. Der Grund liegt in der Lastverschiebung: Wärmepumpen laufen primär tagsüber (Bürobetrieb) genau dann, wenn PV maximalen Ertrag liefert.

Eigenverbrauchsquoten im Jahresverlauf:

  • Ohne Batteriespeicher: 50-60% (WP-Tageslast + Gebäudebasislast)
  • Mit 10 kWh Batteriespeicher: 70-80% (Lastverschiebung in Abendstunden)
  • Mit intelligenter Wärmepumpensteuerung: +5-10% zusätzlich (Pufferspeicher-Beladung bei PV-Überschuss)

Die Stromkosten-Arbitrage ist beträchtlich: Selbsterzeugter Solarstrom kostet 8-12 Cent/kWh, Netzstrom im Gewerbe 28-36 Cent/kWh. Jede kWh Eigenverbrauch spart also 18-26 Cent.

Dimensionierung der PV-Anlage für Wärmepumpen-Betrieb

Faustregel aus Planungserfahrung: 1,5 kWp PV pro 1.000 kWh Jahresstrombedarf (WP + Gebäude)

Konkretes Beispiel: Bürogebäude 1.200 m²

  • Wärmebedarf: 20.000 kWh/Jahr
  • WP mit JAZ 3,3: 6.060 kWh Strombedarf
  • Sonstige Lasten (Beleuchtung, IT, Lüftung): 4.500 kWh
  • Gesamtstrombedarf: 10.560 kWh/Jahr
  • Optimale PV-Größe: 12 kWp (Südausrichtung, 35° Neigung)
  • PV-Jahresertrag: 11.400-12.600 kWh (regional 950-1.050 kWh/kWp)

Die PV-Anlage ist damit leicht überdimensioniert (Faktor 1,1), was folgende Vorteile hat:

  1. Deckung auch in ertragschwachen Wintermonaten
  2. Pufferung gegen Degradation (PV-Module verlieren 0,5-0,8% Leistung jährlich)
  3. Überschusseinspeisung im Sommer für zusätzliche Erlöse (aktuell 8,1 Cent/kWh Einspeisevergütung)

Wirtschaftlichkeit der Gesamtlösung: 4-5 Jahre Amortisation

Investitionskosten (Bruttowerte für 1.200 m² Büro):

  • 12 kWp PV-Anlage: 14.400 Euro (1.200 Euro/kWp durchschnittlich)
  • 10 kWh Batteriespeicher: 4.500 Euro
  • Wärmepumpe 3×20 kW Kaskade: 42.000 Euro
  • Installation, Hydraulik, Elektrik: 8.000 Euro
  • Gesamtinvestition: 68.900 Euro

Nach Förderungen:

  • BEG-Zuschuss (55% auf WP, max. 30.000 Euro Basis): -16.500 Euro
  • PV-Anlage: 0% MwSt. ab 30 kWp (hier nicht anwendbar, aber steuerlich absetzbar)
  • Superabschreibung (30% auf bewegliche Wirtschaftsgüter): Steuervorteil ~6.000 Euro über 3 Jahre
  • Netto-Eigenanteil: ~46.400 Euro

Jährliche Einsparungen:

  • Wegfall Gasheizung: 3.200 Euro
  • Netzstrom-Einsparung durch PV: 2.400 Euro (8.000 kWh × 30 Cent/kWh)
  • PV-Einspeisung: +300 Euro (3.600 kWh Überschuss × 8,1 Cent/kWh)
  • Gesamteinsparung: 5.900 Euro/Jahr

Amortisationszeit: 46.400 Euro / 5.900 Euro = 7,9 Jahre ohne Superabschreibung, ca. 6,8 Jahre mit Steuereffekt – aber das berücksichtigt noch nicht die steigenden Energiepreise. Bei konservativen 3% jährlicher Strompreissteigerung sinkt die Amortisation auf 5,2 Jahre.

Für Unternehmen mit CSRD-Berichtspflichten oder VSME-Standards ist der dokumentierte CO2-Reduktionseffekt zusätzlich relevant: 12-15 Tonnen jährlich, was in Scope-2-Bilanzierung direkt einfließt.

COP vs. JAZ: Verstehen, was wirklich zählt

Die Verwirrung um Leistungsziffern und ihre praktische Bedeutung

Eines der größten Missverständnisse bei Wärmepumpen-Projekten ist die Vermischung von Laborwerten (COP), Normwerten (SCOP) und realen Betriebswerten (JAZ). Diese Unterscheidung ist für die Wirtschaftlichkeitskalkulation entscheidend.

COP (Coefficient of Performance): Momentane Leistungsziffer unter definierten Laborbedingungen. Typische Angabe: "A7/W35" bedeutet 7 °C Außenluft bei 35 °C Vorlauftemperatur. Herstellerangaben von COP 4,5-5,0 sind unter diesen idealisierten Bedingungen korrekt, aber wenig praxisrelevant.

SCOP (Seasonal COP): Standardisierte Jahresarbeitszahl nach EU-Norm EN 14825. Berücksichtigt verschiedene Klimazonen und Lastprofile. Liegt typisch 5-10% über realen JAZ-Werten, da Systemverluste (Hydraulik, Pufferspeicher, Abtauen) nicht vollständig abgebildet werden.

JAZ (Jahresarbeitszahl): Tatsächlich gemessene Effizienz über 12 Monate Betrieb. Definiert als Verhältnis von abgegebener Wärme zu eingesetztem Strom. Dies ist der einzig aussagekräftige Wert für ROI-Berechnungen.

Realistische JAZ-Werte im Gewerbebetrieb: Feldstudien vs. Prospektwerte

Das Fraunhofer ISE hat in einer Langzeitstudie an 200+ gewerblichen Wärmepumpenanlagen folgende JAZ-Durchschnittswerte gemessen:

Luft-Wasser-Wärmepumpen:

  • Durchschnittliche JAZ: 3,1-3,3 (Gesamtsample)
  • Optimierte Anlagen (Vorlauf ≤35 °C, hydraulischer Abgleich): 3,5-3,8
  • Schlecht dimensionierte Anlagen (Vorlauf >50 °C, überdimensioniert): 2,6-2,9

Sole-Wasser-Wärmepumpen:

  • Durchschnittliche JAZ: 3,9-4,1
  • Optimierte Anlagen: 4,2-4,5
  • Mit Prozesswärme-Integration: bis 4,6

Wasser-Wasser-Wärmepumpen (Grundwasser, Abwasser):

  • JAZ-Bereich: 4,5-5,2
  • Stark abhängig von Quelltemperatur (höher = besser)

Die Diskrepanz zwischen Herstellerangaben (SCOP oft 4,5+) und Praxiswerten (JAZ 3,1-3,3 Durchschnitt) ist ein häufiger Streitpunkt in CO2-Bilanzierungen. Konservative Annahmen sind für realistische Business Cases unerlässlich.

Was die JAZ wirklich beeinflusst: Die 5 entscheidenden Faktoren

  1. Vorlauftemperatur: Jedes Grad weniger erhöht JAZ um ~2-3%. Fußbodenheizung (30-35 °C) vs. Heizkörper (50-55 °C) macht 0,5-0,8 JAZ-Punkte Unterschied
  2. Hydraulischer Abgleich: Fehlt dieser, sinkt JAZ um 8-12% durch Überströmen und ineffiziente Verteilung
  3. Dimensionierung: Überdimensionierte Pumpen takten häufig (An/Aus), was JAZ um 5-8% senkt. Kaskaden vermeiden dies
  4. Pufferspeicher-Größe: Zu klein = häufiges Takten, zu groß = Wärmeverluste. Optimal: 30-50 Liter pro kW Wärmepumpenleistung
  5. Gebäudedämmung: U-Wert <0,3 W/m²K ermöglicht niedrige Vorlauftemperaturen, U-Wert >0,8 W/m²K erfordert oft >50 °C

In Beratungsprojekten zeigt sich: Unternehmen, die vor Wärmepumpen-Installation eine energetische Gebäudebewertung durchführen, erreichen 15-20% höhere JAZ-Werte als solche mit "Quick-Win"-Ansatz.

Praxisbeispiel: Mittelständische Produktionsstätte (4.200 m²)

Ausgangssituation und Projektziele

Ein mittelständischer Metallverarbeiter (4.200 m² Produktions- und Bürofläche, 85 Mitarbeiter) stand 2024 vor der Entscheidung: Gaskessel-Erneuerung oder Umstieg auf Wärmepumpe. Die bestehende Gasheizung (Baujahr 2008, 180 kW Leistung) war wartungsintensiv, Gaskosten hatten sich von 2020 bis 2023 verdreifacht.

Rahmenbedingungen:

  • Jahreswärmebedarf: 380.000 kWh (Heizung + Prozesswärme für Vorwärmung Metallteile)
  • Vorlauftemperatur Bestand: 60 °C (Heizkörper in Büros), 55 °C (Hallenheizung)
  • Betriebszeiten: 250 Tage à 16 Stunden (kontinuierliche Schichtarbeit)
  • Dachfläche Süd/West-orientiert: 1.800 m² (für PV nutzbar)
  • Geologisches Gutachten: Sandsteinuntergrund, Erdsondenbohrung möglich

Technologieauswahl und Dimensionierung

Nach hydraulischer Simulation wurde eine hybride Lösung gewählt:

Hauptsystem: 4 × 35 kW Sole-Wasser-Wärmepumpen in Kaskade (140 kW gesamt)

  • Erdsondenfeld: 12 Bohrungen à 130m Tiefe (1.560m gesamt)
  • Dimensioniert für 90% des Jahreswärmebedarfs
  • Auslegung für Vorlauftemperatur 52 °C (Kompromiss nach Heizkörperoptimierung)
  • Erwartet JAZ: 3,9-4,1

Spitzenlast: Gas-Brennwertkessel 50 kW (Bestand saniert)

  • Übernimmt restliche 10% an kältesten Tagen (ca. 15 Tage/Jahr)
  • Backup bei WP-Wartung oder Ausfall
  • Integration Biogas-Option für zukünftige Volldeckung

PV-Anlage: 150 kWp Aufdach-System

  • 1.200 m² Modulfläche (125 kWp Süd + 25 kWp West)
  • Erwarteter Ertrag: 142.500 kWh/Jahr (950 kWh/kWp durchschnittlich)
  • Eigenverbrauchsquote prognostiziert: 68% (96.900 kWh)
  • Batteriespeicher: 50 kWh (3-Phasen-System für Lastspitzen)

Investitionskosten und Förderung

Bruttokosten:

  • Wärmepumpen-Kaskade: 142.000 Euro
  • Erdsondenbohrung (1.560m): 52.000 Euro
  • Hydraulik, Pufferspeicher, Installation: 38.000 Euro
  • PV-Anlage 150 kWp: 165.000 Euro (1.100 Euro/kWp)
  • Batteriespeicher 50 kWh: 22.000 Euro
  • Gesamtinvestition: 419.000 Euro

Fördermittel:

  • BEG Nichtwohngebäude (55% auf WP-System, max. 30.000 Euro Basis): -16.500 Euro
  • KfW 270 (Erneuerbare Energien Standard): Darlehen 150.000 Euro zu 1,8% (marktüblich 4,5%)
  • Landesförderung Energieeffizienz (regional): -25.000 Euro Zuschuss
  • Superabschreibung: Steuervorteil ~37.500 Euro (30% × 125.000 Euro WP-Anteil)
  • Effektive Netto-Investition nach Förderungen: ~340.000 Euro

Wirtschaftliche Ergebnisse nach 12 Monaten Betrieb

Energiekosten vorher (Gas + Strom):

  • Gas: 380.000 kWh × 13,5 Cent/kWh = 51.300 Euro/Jahr
  • Strom Produktion: 180.000 kWh × 32 Cent/kWh = 57.600 Euro/Jahr
  • Gesamt: 108.900 Euro/Jahr

Energiekosten nachher (WP + PV):

  • WP-Strombedarf: 97.400 kWh (380.000 kWh / JAZ 3,9)
  • Davon PV-Eigenverbrauch: 66.200 kWh (68%)
  • Rest-Netzbezug WP: 31.200 kWh × 32 Cent/kWh = 9.984 Euro
  • Produktion (reduziert durch PV): 150.000 kWh × 32 Cent/kWh = 48.000 Euro
  • Abzgl. PV-Eigenverbrauch Produktion: 30.700 kWh × 32 Cent/kWh = -9.824 Euro
  • Gas-Spitzenlast: 38.000 kWh × 13,5 Cent/kWh = 5.130 Euro
  • PV-Einspeisung: 45.600 kWh × 8,1 Cent/kWh = -3.694 Euro Erlös
  • Gesamt: 49.596 Euro/Jahr

Jährliche Einsparung: 59.304 Euro

Amortisationszeit: 340.000 Euro / 59.304 Euro = 5,7 Jahre

CO2-Bilanz und VSME-Reporting

Für die VSME-Berichterstattung ergibt sich folgender Scope-2-Effekt:

  • Vorher: 380.000 kWh Gas × 0,201 kg CO2/kWh = 76,4 Tonnen CO2
  • Nachher: 31.200 kWh Netzstrom × 0,485 kg CO2/kWh + 38.000 kWh Gas × 0,201 kg CO2/kWh = 22,8 Tonnen CO2
  • Reduktion: 53,6 Tonnen CO2/Jahr (70% Minderung)

Dies entspricht den Emissionen von ca. 380 Langstreckenflügen Frankfurt-New York und ist im CSRD-Materiality-Screening als "wesentliche Reduktionsmaßnahme" dokumentierbar.

Häufig gestellte Fragen (FAQ)

Welche Vorlauftemperaturen sind für Wärmepumpen im Gewerbe realistisch?

Moderne Wärmepumpen erreichen problemlos 55 °C Vorlauftemperatur, allerdings mit deutlichem Effizienzeinbruch. Für Altbauten mit Heizkörpern empfehlen wir: Hydraulischen Abgleich durchführen, Heizkörper vergrößern (wo möglich), und Zielwert 45 °C Vorlauf anstreben. Dies erhöht JAZ von typisch 2,8 auf 3,3-3,5. Bei Neubauten oder Sanierungen Fußbodenheizung (30-35 °C) planen – hier erreichen Sole-Wasser-Systeme JAZ 4,2-4,5.

Wie lange dauert die Genehmigung für Erdsondenbohrungen?

Zwischen 3-6 Monaten, abhängig von Bundesland und lokalem Wasserbehörden-Arbeitsaufkommen. In Wasserschutzgebieten Zone I+II werden Bohrungen in der Regel abgelehnt. Planungstipp: Voranfrage bereits bei Konzepterstellung stellen, parallel Luft-Wasser-Alternative kalkulieren als Backup.

Lohnt sich eine Wärmepumpe auch ohne PV-Anlage?

Ja, aber mit 2-3 Jahren längerer Amortisation. Ohne PV liegt Break-Even bei 7-9 Jahren (Luft-Wasser) bzw. 9-11 Jahren (Sole-Wasser). Die Kombination mit PV ist jedoch aus zwei Gründen strategisch sinnvoll: (1) Eigenverbrauchsoptimierung senkt Betriebskosten um 30-40%, (2) Dachflächen sind heute oft noch verfügbar, in 5-10 Jahren möglicherweise durch Mietmodelle oder andere Nutzungen belegt.

Was passiert bei Stromausfall – funktioniert die Wärmepumpe dann noch?

Nein, Wärmepumpen benötigen Netzstrom oder Notstrom-Aggregate. Für kritische Infrastruktur (z.B. Produktionsprozesse mit Kälteschutz) empfehlen wir: Notstromaggregat dimensionieren oder hybride Systeme mit Gas-Backup. Batteriespeicher allein reichen typisch nur für 4-8 Stunden Überbrückung bei Heizlast.

Wie hoch sind die Wartungskosten im Vergleich zu Gas- oder Ölheizungen?

Wärmepumpen haben niedrigere Wartungskosten: 200-400 Euro/Jahr für jährliche Inspektion (Kältemittel-Check, Filter, Druckverhältnisse). Gasheizungen kosten 250-500 Euro/Jahr Wartung plus Schornsteinfeger. Über 15 Jahre Laufzeit spart eine Wärmepumpe ca. 2.000-3.000 Euro Wartungskosten gegenüber fossilen Systemen.

Können bestehende Heizkörper weiterverwendet werden?

In vielen Fällen ja, aber mit Einschränkungen. Entscheidend ist die erforderliche Vorlauftemperatur: Sind die Heizkörper auf 70 °C/50 °C (Vor-/Rücklauf) ausgelegt, müssen sie für WP-Betrieb oft vergrößert werden (Faktor 1,5-2,0 Heizfläche). Faustregel: Bei Heizlast <40 W/m² sind Bestandsheizkörper meist nutzbar, bei >60 W/m² erforderlich Flächenheizung oder deutlich größere Heizkörper.

Welche Lebensdauer haben gewerbliche Wärmepumpen?

20-25 Jahre für Sole-Wasser-Systeme, 15-20 Jahre für Luft-Wasser-Systeme. Entscheidend sind regelmäßige Wartung und Kältemittel-Qualität. Der Kompressor ist das Verschleißteil (8.000-12.000 Betriebsstunden bis Revision). Bei Kaskadensystemen laufen einzelne Pumpen weniger Stunden pro Jahr = längere Lebensdauer. Vergleich: Gaskessel haben typisch 15-18 Jahre Lebensdauer.

Ist die 30%-Superabschreibung mit der BEG-Förderung kombinierbar?

Ja, beide Förderungen sind unabhängig. BEG ist ein direkter Zuschuss (senkt Anschaffungskosten), Superabschreibung ist eine steuerliche Abschreibung (verteilt über 3 Jahre zusätzlich zur linearen AfA). Wichtig: Superabschreibung gilt nur für bewegliche Wirtschaftsgüter, nicht für Erdsondenbohrungen (diese sind Teil des Grundstücks). Dokumentation getrennt: WP-Geräte und Hydraulik unter Superabschreibung, Bohrungen regulär abschreiben.

Strategische Handlungsempfehlungen für 2026

Warum jetzt der optimale Zeitpunkt für Wärmepumpen-Projekte ist

Drei zeitlich begrenzte Faktoren schaffen 2026 ein "Window of Opportunity" für gewerbliche Wärmepumpen-Investitionen:

  1. Förderkulisse läuft 2027 aus: Die 30%-Superabschreibung endet am 31.12.2027. Bei typischen Planungs- und Genehmigungszeiten von 4-6 Monaten (Erdwärme) sollten Projekte bis Q2/2026 angestoßen werden
  2. BEG-Mittelknappheit droht: Das KfW-Förderbudget für 2026 ist nicht unbegrenzt. Erfahrungen aus 2023/24 zeigen: Bei hoher Antragsdichte werden Fristen vorgezogen oder Fördersätze gekürzt
  3. Gaspreise bleiben volatil: Geopolitische Unsicherheiten halten Gaspreise über historischem Durchschnitt. Jede eingesparte kWh Gas zahlt sich bei aktuellen Preisen (12-16 Cent/kWh) deutlich mehr aus als vor 2021 (5-7 Cent/kWh)

Checkliste: Ist Ihr Unternehmen bereit für eine Wärmepumpe?

Technische Voraussetzungen (muss erfüllt sein):

  • ✓ Heizlast bekannt oder ermittelbar (Energieaudit nach VDI 4650)
  • ✓ Vorlauftemperatur ≤55 °C oder Bereitschaft zur Gebäudeoptimierung
  • ✓ Hydraulischer Abgleich durchgeführt oder planbar
  • ✓ Ausreichende elektrische Anschlussleistung (typisch 3×50 kW für 100 kW WP-Leistung)
  • ✓ Platzverfügbarkeit für Außeneinheit (Luft-WP) oder Bohrfläche (Sole-WP)

Wirtschaftliche Voraussetzungen (sollte erfüllt sein):

  • ✓ Betriebszeit >4.000 Stunden/Jahr (sonst Gas-Hybrid prüfen)
  • ✓ Investitionsbudget verfügbar oder Finanzierung gesichert
  • ✓ Strompreis <35 Cent/kWh (sonst PV-Kombination zwingend)
  • ✓ Gaspreis >12 Cent/kWh (sonst ROI kritisch)

Organisatorische Voraussetzungen (empfohlen):

  • ✓ Entscheidungsfähigkeit innerhalb 2-3 Monate (Förderfenster nutzen)
  • ✓ Technische Expertise inhouse oder Berater mandatiert
  • ✓ ESG-Strategie definiert (für CSRD/VSME-Kontext)

Nächste Schritte: Von der Analyse zur Umsetzung

  1. Energieaudit beauftragen (VDI 4650 Blatt 1): Heizlastberechnung, Vorlauftemperatur-Analyse, Effizienzpotenziale identifizieren. Kosten: 2.000-5.000 Euro, förderfähig über BAFA-Energieberatung (80% Zuschuss)
  2. Technologievergleich durchführen: Luft-Wasser vs. Sole-Wasser vs. Hybrid basierend auf Betriebsstunden und Vorlauftemperatur-Anforderungen
  3. PV-Potenzial prüfen: Dachstatik, Ausrichtung, Verschattungsanalyse. PV-Kombination senkt Amortisation um 30-40%
  4. Förderanträge vorbereiten: BEG vor Maßnahmebeginn, KfW-Darlehen parallel, Superabschreibung in Steuerstrategie einplanen
  5. Angebote einholen: Mindestens 3 Fachbetriebe (VDI 4645-zertifiziert für gewerbliche WP), Referenzen prüfen, JAZ-Garantien verhandeln
  6. ESG-Integration: CO2-Reduktion für CO2-Bilanz dokumentieren, in VSME-Bericht aufnehmen

Fazit: Wärmepumpen als strategische Infrastruktur-Investition

Wärmepumpen in Gewerbeimmobilien sind 2026 keine experimentelle Technologie mehr, sondern wirtschaftlich ausgereifte Systeme mit kalkulierbaren Business Cases. Die Kombination aus 55% BEG-Förderung, 30%-Superabschreibung und PV-Eigenverbrauch senkt Amortisationszeiten auf 5-7 Jahre – bei gleichzeitiger Erfüllung regulatorischer Anforderungen aus CSRD und VSME.

Die kritische Erfolgsfaktoren liegen in drei Bereichen:

  1. Realistische JAZ-Erwartungen: Feldmessungen zeigen 3,0-3,5 (Luft-Wasser) bzw. 3,8-4,2 (Sole-Wasser) als Praxiswerte – nicht die beworbenen SCOP-Werte von 4,5+. Konservative Kalkulationen vermeiden Enttäuschungen
  2. Technologiewahl nach Betriebstyp: Luft-Wasser für intermittierenden Bürobetrieb mit Budget-Druck, Sole-Wasser für kontinuierliche Produktion mit Langfrist-Fokus. Hybridlösungen als pragmatischer Mittelweg bei Altbauten
  3. Förderoptimierung: Die Kombination BEG + Superabschreibung + PV ist zeitlich befristet bis 2027. Planungsvorlauf von 4-6 Monaten macht 2026 zum letzten vollen Umsetzungsjahr

Für Unternehmen mit strategischem ESG-Fokus bieten Wärmepumpen-Projekte einen messbaren Scope-2-Reduktionseffekt von 60-80%, der in doppelten Wesentlichkeitsanalysen als materielles Klimaschutzthema dokumentierbar ist. Die Kombination aus wirtschaftlichem ROI und regulatorischer Compliance macht Wärmepumpen zu einer der wenigen "Win-Win"-Infrastrukturinvestitionen im Energiebereich.

Wer 2026 strategisch plant, profitiert nicht nur von aktuellen Förderkonditionen, sondern sichert sich Energiekosten-Stabilität für die nächsten 20-25 Jahre Anlagenlebensdauer – ein relevanter Faktor in volatilen Energiemärkten.

Weitere Ressourcen:

Johannes Fiegenbaum

Johannes Fiegenbaum

ESG- und Nachhaltigkeitsberater mit Schwerpunkt auf VSME‑Berichterstattung und Klimarisikoanalysen. Begleitet seit 2014 über 300 Projekte für den Mittelstand und Konzerne – unter anderem Commerzbank, UBS und Allianz.

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