RCP & SSP Klimaszenarien 2026: Komplettanleitung für eure Klimarisikoanalyse
Wie plant ihr für eine Zukunft, die ihr nicht vorhersagen könnt? Die Antwort liegt in der...
Von Johannes Fiegenbaum am 19.07.25 13:25
Dieser Artikel ist Teil meiner Klimaszenarien-Serie. Für eine umfassende Übersicht aller RCP- und SSP-Szenarien, ihre wissenschaftlichen Grundlagen und die Kombination beider Frameworks lest meinen RCP & SSP Klimaszenarien 2026: Komplettanleitung für eure Klimarisikoanalyse.
Die Wahl des richtigen Klimaszenarios ist entscheidend, um euer Unternehmen auf die Herausforderungen und Chancen des Klimawandels vorzubereiten. Die Shared Socioeconomic Pathways (SSP) kombinieren sozioökonomische Entwicklungspfade mit Klimaprojektionen und lösen die früheren Representative Concentration Pathways (RCP) konzeptionell ab. Die SSP modellieren nicht nur physische Klimaveränderungen, sondern auch gesellschaftliche Faktoren wie Bevölkerungswachstum, wirtschaftliche Entwicklung, technologische Innovation und Governance-Strukturen – von nachhaltigen Transformationspfaden (SSP1-1.9) bis hin zu fossilen Entwicklungsszenarien (SSP5-8.5).
Die SSP wurden im Rahmen des Sechsten Sachstandsberichts (AR6) des IPCC entwickelt und stellen eine wesentliche Weiterentwicklung gegenüber den RCP dar. Während die RCP ausschließlich auf Treibhausgaskonzentrationen und Strahlungsantrieb fokussierten, integrieren die SSP sozioökonomische Narrative, die es ermöglichen, Anpassungs- und Minderungsherausforderungen differenzierter zu bewerten.
Ein wichtiger Praxishinweis vorab: Die SSP sind noch nicht vollständig für EU-CORDEX hochaufgelöst durchgerechnet. Das bedeutet, dass für viele europäische Standortanalysen noch keine regionalen SSP-Klimaprojektionen in der benötigten Auflösung von 11,5 km vorliegen – die verfügbaren SSP-Daten decken gröbere Rasterauflösungen ab. In der praktischen Klimarisikoanalyse bedeutet das: Für hochaufgelöste Standortbewertungen werden weiterhin RCP-Szenarien eingesetzt – ergänzt durch Delta-Verarbeitung verfügbarer SSP-Daten als methodische Kontrolle und Konsistenzprüfung. Das ist kein Rückschritt, sondern state-of-the-art für europäische Unternehmensanalysen.
Was das in der Praxis bedeutet, zeigt ein konkretes Projekt: Bei einer Klimarisikoanalyse für ein mittelständisches Automobilunternehmen mit mehreren deutschen Standorten war die Szenario-Auswahl keine akademische Übung, sondern Grundlage für Investitionsentscheidungen mit direkter Auswirkung auf die Capex-Priorisierung. Hagelrisiko für Außenlagerflächen, Hitzestress in nicht klimatisierten Gebäuden, CO₂-Kostenwirkung fossiler Heizungssysteme ab 2028 – all das wurde erst durch die kombinierte Betrachtung physischer und Transitionsszenarien quantifizierbar.
Die SSP-Szenarien unterscheiden sich fundamental durch ihre sozioökonomischen Annahmen und die daraus resultierenden Klimaprojektionen. Jedes Szenario beschreibt eine andere Zukunftsvision – von kooperativen, nachhaltigen Gesellschaften bis hin zu fragmentierten, ressourcenintensiven Welten. Diese unterschiedlichen Entwicklungspfade haben direkte Auswirkungen auf regulatorische Rahmenbedingungen, Marktdynamiken, technologische Verfügbarkeit und gesellschaftliche Erwartungen.
Kernpunkte für eure Entscheidung:
Mit einer klaren Analyse und gezielten Maßnahmen könnt ihr Risiken minimieren, regulatorische Vorgaben wie die CSRD erfüllen und neue Geschäftschancen erkennen.
Ein oft übergangener, aber methodisch entscheidender Punkt: Die konzeptionelle Ablösung der RCP durch SSP ist in der wissenschaftlichen Literatur vollzogen – in der angewandten Unternehmensberatung für europäische Standorte ist die Situation differenzierter.
EU-CORDEX, das zentrale regionale Klimamodell-Ensemble für Europa, liefert hochaufgelöste Klimaprojektionen auf 11,5-km-Raster – aber bislang primär für RCP-Szenarien. Die SSP-Läufe für EU-CORDEX sind noch nicht vollständig durchgerechnet, was bedeutet, dass für viele Parameter und Regionen noch keine SSP-Daten in der benötigten räumlichen Auflösung vorliegen. Gröbere globale SSP-Projektionen (z.B. CMIP6) sind verfügbar, reichen aber für standortspezifische Risikoanalysen in der Regel nicht aus.
Der praktische Ansatz, der sich bewährt hat: RCP 4.5 und RCP 8.5 als Hauptszenarios für die hochaufgelöste Standortanalyse, ergänzt durch Delta-Verarbeitung verfügbarer SSP-Daten – also die Berechnung von Veränderungssignalen aus groben SSP-Projektionen und deren Übertragung auf die RCP-Basisdaten. So entsteht methodische Konsistenz mit dem aktuellen wissenschaftlichen Standard (IPCC AR6/SSP), ohne auf die räumliche Präzision zu verzichten, die für konkrete Standortentscheidungen notwendig ist.
| Framework | Verfügbarkeit EU-CORDEX | Räumliche Auflösung | Praktische Nutzung |
|---|---|---|---|
| RCP 4.5 / 8.5 | Vollständig | 11,5 km (hochaufgelöst) | Standortspezifische Hauptanalyse |
| SSP2-4.5 / SSP5-8.5 | Teilweise / laufend | ~100 km (grob, CMIP6) | Delta-Kontrolle, Konsistenzprüfung |
Für die Wahl zwischen RCP und SSP gilt damit: Wer eine CSRD- oder Taxonomie-konforme Klimarisikoanalyse mit echter Standortpräzision benötigt, arbeitet heute mit RCP als Hauptdatenbasis – methodisch begründet und wissenschaftlich vertretbar, solange die SSP-Downscaling-Lücke besteht.
Die SSP kombinieren gesellschaftliche Entwicklungspfade mit Klimaprojektionen. Jedes SSP beschreibt eine unterschiedliche Zukunftsvision mit spezifischen Annahmen zu Bevölkerungsentwicklung, wirtschaftlichem Wachstum, Technologiewandel, Energiesystemen und Governance-Strukturen.
SSP1 beschreibt eine Welt, die sich konsequent in Richtung Nachhaltigkeit entwickelt: kooperative internationale Gemeinschaft, Priorität auf Umweltschutz und sozialer Gerechtigkeit, sinkende Bevölkerungszahlen nach Mitte des Jahrhunderts.
Zielt auf maximale Erwärmung von 1,5 °C – im Einklang mit dem ambitioniertesten Ziel des Pariser Abkommens. Für Unternehmen bedeutet das: Nettonull bis 2050, schneller Phase-out fossiler Energieträger, sehr hohe Stranded-Asset-Risiken. Entscheidend dabei: Das Szenario setzt auf massive Carbon Removal-Technologien ab 2030 – deren technische Skalierbarkeit jedoch wissenschaftlich umstritten bleibt und in der strategischen Planung nicht als gesicherte Grundlage einkalkuliert werden sollte.
CO₂-Emissionen sinken ab 2020 kontinuierlich, Nettonull bis 2070. Hohe Transitionsrisiken, aber mit Anpassungszeit. Als Paris-aligned Szenario relevant für CSRD und TCFD-Reporting sowie für die strategische Planung bei erneuerbaren Energien und CleanTech.
Emissionen erreichen um 2040 ihren Höhepunkt, dann schrittweiser Rückgang. Temperaturanstieg zwischen 2 und 3 °C bis 2100. Balance zwischen physischen und transitorischen Risiken, graduelle regulatorische Verschärfungen, realistische Baseline für viele Branchen. Als zentrales Szenario für mittelfristige Planung und als Baseline für CSRD-Analysen etabliert – und als RCP 4.5 das meistgenutzte hochaufgelöste Szenario in der europäischen Praxis.
Fragmentierung, Nationalismus, schwache internationale Kooperation. Temperaturanstieg von 3–4 °C bis 2100. Hohe physische Risiken, fragmentierte regulatorische Landschaft, Handelsbarrieren. Der häufig unterschätzte „vergessene Worst Case" – weil selbst bei moderatem Klimawandel schwache Governance zu katastrophalen Geschäftsauswirkungen führen kann. Besonders relevant bei Lieferkettenanalysen und geopolitisch exponierten Portfolios.
Rapides Wachstum auf fossiler Basis. CO₂-Konzentrationen könnten bis 2100 etwa 2.000 ppm erreichen, Temperaturanstieg von 4–5 °C. Höchste physische Risiken (Extremwetter, Dürren, Meeresspiegelanstieg bis 1 m+), niedrige Transitionsrisiken bis ca. 2040 – dann potenziell disruptive „Late Action"-Politikänderungen. Als RCP 8.5 das etablierte Worst-Case-Szenario in hochaufgelösten europäischen Analysen.
| Szenario | Temp. 2046–2065 (°C) | Temp. 2081–2100 (°C) | Physische Risiken | Transitorische Risiken |
|---|---|---|---|---|
| SSP1-1.9 | 1,3 | 1,4 | Sehr niedrig | Sehr hoch |
| SSP1-2.6 | 1,5 | 1,8 | Niedrig | Hoch |
| SSP2-4.5 | 1,8 | 2,7 | Mittel | Mittel |
| SSP3-7.0 | 1,9 | 3,6 | Hoch | Niedrig-Mittel |
| SSP5-8.5 | 2,4 | 4,4 | Sehr hoch | Niedrig (bis ~2040) |
Kritischer Hinweis: Die Unterschiede zwischen Szenarien bis zur Mitte des Jahrhunderts sind oft geringer als die langfristigen Divergenzen. Das liegt an der trägen Reaktion des Klimasystems auf veränderte Treibhausgaskonzentrationen. Über 2050 hinaus werden die Unterschiede fundamental – und müssen bei Investitionsentscheidungen mit langen Lebenszyklen zwingend berücksichtigt werden.
Wie bei den RCP-Szenarien helfen auch die SSP dabei, zwei zentrale Risikotypen zu bewerten. Der Mehrwert der SSP: Die sozioökonomischen Narrative beeinflussen beide Risikotypen maßgeblich.
Physische Risiken entstehen durch die direkten Folgen des Klimawandels – Extremwetter, Temperaturanstieg, Überschwemmungen, Dürren, Meeresspiegelanstieg. Ihre Intensität hängt nicht nur von Klimaprojektionen ab, sondern auch von sozioökonomischen Faktoren wie Infrastrukturqualität und Anpassungskapazität.
Übergangsrisiken resultieren aus der Umstellung auf eine klimafreundlichere Wirtschaft: neue Regulierungen, Technologiewandel, veränderte Marktbedingungen. Besonders relevant: das EU ETS 2 ab 2028 als direkter CO₂-Kostentreiber für Gebäudeheizung und Transport, und das „Late Action"-Risiko in SSP5-8.5: niedrige Transitionsrisiken bis ca. 2040, dann potenziell disruptive abrupte Politikänderungen.
Praxisbeispiel: Wenn physische und Transitionsrisiken dieselbe Lösung verlangen
Das mittelständische Automobilprojekt illustriert die Kernlogik besonders gut: Die Außenlagerflächen zeigten in RCP 8.5 das höchste physische Hagelrisiko. Gleichzeitig trieben fossile Heizungssysteme die Transitionsrisikokosten ab ETS2-Einführung 2028 nach oben. Die integrierte RCP 4.5/RCP 8.5-Betrachtung machte sichtbar, dass PV-Überdachungen beide Risikoarten gleichzeitig adressieren – Hagelschutz (physisch), Eigenstromerzeugung und Ladeinfrastruktur (Transition). Dieses Synergiepotenzial bleibt in isolierten Einzelanalysen verborgen. Case Study lesen →
| Szenario | Adaptation Challenges | Mitigation Challenges | Strategische Implikation |
|---|---|---|---|
| SSP1 | Niedrig | Niedrig | Beste Voraussetzungen für Klimaschutz und Anpassung |
| SSP2 | Mittel | Mittel | Moderate Herausforderungen in beiden Bereichen |
| SSP3 | Hoch | Hoch | Worst Case: Hohe Herausforderungen bei Schutz UND Anpassung |
| SSP5 | Niedrig | Hoch | Gute Anpassungskapazität, schwierige Dekarbonisierung |
Empfohlene Szenarien: SSP2-4.5 / RCP 4.5, SSP3-7.0, SSP5-8.5 / RCP 8.5
Besonders kritisch in SSP3-7.0: hohes Bevölkerungswachstum trifft auf klimatische Risiken und schwache internationale Kooperation – das Ergebnis ist extreme Rohstoffpreisvolatilität. In SSP5-8.5 überfordern physische Extremrisiken selbst hochgradig technisierte Produktionssysteme. Für die Lieferkettenresilienz ist das Fragmentierungsszenario SSP3 oft der gefährlichere Worst Case als das reine Klimaextremszenario SSP5.
Empfohlene Szenarien: Vollständiges Spektrum SSP1-2.6 bis SSP5-8.5
Neue fossile Infrastruktur ist nur in SSP5-8.5 über 2030 hinaus wirtschaftlich vertretbar – und selbst dort droht „Late Action"-Risiko. Erneuerbare Energien sind in allen Szenarien relevant. Solar und Batteriespeicher profitieren besonders in SSP1 und SSP2 von starker Nachfrage und sinkenden Kosten.
Empfohlene Szenarien: Vollständiges Spektrum für Portfolio-Diversifikation
Für den ESG Investment Quick-Check und Portfolio-Risikobewertungen gilt: SSP3-7.0 ist der häufig vergessene Worst Case. Das Fragmentierungsszenario kombiniert moderate physische Risiken mit sehr hohen sozioökonomischen Risiken – politische Instabilität und schwache Institutionen erhöhen Ausfallrisiken auch bei moderatem Klimawandel.
Empfohlene Szenarien: SSP2-4.5 / RCP 4.5, SSP5-8.5 / RCP 8.5
Lebenszyklen von 30–100 Jahren machen langfristige Szenariodivergenz geschäftskritisch. In SSP5-8.5: Meeresspiegelanstieg bis 1 m+ bis 2100, fundamentale Neubewertung von Küsten- und Flussgebietsimmobilien. In SSP3-7.0: Klimamigration und politische Instabilität verschieben Immobilienwerte zwischen Regionen dramatisch. Relevant auch für die kommunale Wärmeplanung als neuer Stresstest für Gewerbeportfolios.
Empfohlene Szenarien: SSP2-4.5 / RCP 4.5, SSP5-8.5 / RCP 8.5, ggf. SSP1-2.6 für Transitionsrisiken
Handel und Dienstleistungsunternehmen werden in Szenarioanalysen häufig unterschätzt – weil sie keine produzierenden Anlagen betreiben. Das ist ein Fehler. Die physische Exposition über Standortinfrastruktur und die Transitionsrisiken durch regulatorische Anforderungen an Flotten und Gebäudeheizsysteme sind erheblich.
Aus der Praxis: Szenario-Auswahl im Automobilprojekt
Im Projekt mit einem mittelständischen Automobilhändler (Fahrzeughandel, Transport, Immobilien, mehrere Standorte in Deutschland) fiel die Wahl auf RCP 4.5 und RCP 8.5 als Hauptszenarien – methodisch äquivalent zu SSP2-4.5 und SSP5-8.5, da die zugrundeliegenden Klimapfade vergleichbar sind und EU-CORDEX-Hochauflösung für SSPs noch nicht vollständig vorlag. SSP-Daten wurden über Delta-Verarbeitung als Kontrolle einbezogen. Die Projektionszeiträume 2031–2040 und 2041–2070 wurden gegen die historische Referenzperiode 1991–2020 gespiegelt – so wurden standortspezifische Veränderungen sichtbar statt pauschaler Branchentrends.
Das Ergebnis: Hagelrisiko für Außenlagerflächen als Top-Risiko, Hitzebelastung in älteren Gebäuden als chronisches Risiko, ETS2-Kosteneffekte für fossile Heizungssysteme als klarer Transitionstrigger. Erst die Kombination beider Szenarien machte den ROI für PV-Überdachungen – als Dreifachnutzen aus Hagelschutz, Stromerzeugung und Ladeinfrastruktur – rechnerisch nachweisbar. Zur vollständigen Case Study →
Empfohlene Szenarien: SSP2-4.5, SSP3-7.0, SSP5-8.5
In SSP3-7.0 entsteht ein „Perfect Storm" für globale Lieferketten: Fragmentierung, Handelskonflikte und klimavulnerable Zulieferer treffen gleichzeitig. Regionalisierung wird zur Pflicht, nicht zur Option. Relevant auch für die Lieferkettentransparenz als regulatorische Anforderung der CSDDD.
Empfohlene Szenarien: SSP1-2.6, SSP2-4.5, SSP3-7.0
Weniger direkte physische Risiken, aber stark beeinflusst durch regulatorische Entwicklung und Marktnachfrage. In SSP1: Boom für ClimateTech und ESG-Analytics. In SSP3: Technologie-Nationalismus und Datenschutz-Fragmentierung erhöhen Markteintrittsbarrieren. Relevant auch für Nachhaltigkeitssoftware – die Nachfrage variiert stark zwischen den Szenarien.
Beginnt mit einer gründlichen Bestandsaufnahme eurer aktuellen Klimarisiken und sozioökonomischen Exposures. Eine doppelte Wesentlichkeitsanalyse hilft, die wichtigsten Handlungsfelder zu priorisieren. Ergänzend empfiehlt sich das CSRD Materiality Screening als strukturierter Einstieg. Zentrale Fragen: Welche Standorte sind physisch exponiert? Wie abhängig seid ihr von klimasensitiven Ressourcen? Wie kritisch ist politische Stabilität für eure Lieferketten?
Wählt mindestens zwei bis drei Szenarien, um unterschiedliche Zukunftspfade abzudecken. Dabei gilt für europäische Standortanalysen: Bis EU-CORDEX-Downscaling für SSPs vollständig vorliegt, sind RCP 4.5 und RCP 8.5 die Hauptszenarien für hochaufgelöste Analysen – ergänzt durch SSP-Delta-Kontrolle.
Entscheidungsmatrix:
Für europäische Standortanalysen: EU-CORDEX (RCP 4.5 / RCP 8.5, 11,5 km), DWD für Deutschland, EU Copernicus für Satellitendaten. SSP-Daten aus CMIP6 für die Delta-Kontrolle. Für die CO₂-Bilanzierung und Transitionsrisikobewertung zusätzlich IEA World Energy Outlook und IPCC AR6 Scenario Explorer.
Priorisiert nach Robustheit über Szenarien hinweg:
Szenarien sind keine Prognosen, sondern Explorationswerkzeuge. Etabliert ein Monitoring-System, das sowohl Klimaindikatoren als auch sozioökonomische Signale verfolgt – quartalsweise für Leading Indicators, jährlich für den vollständigen Review, und event-getriggert bei großen Investitionen, M&A oder geopolitischen Schocks. Digitale Monitoring-Tools helfen, diesen Prozess zu skalieren.
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Die Berücksichtigung von Klimaszenarien ist nicht nur eine strategische Entscheidung, sondern wird zunehmend zur regulatorischen Pflicht.
Die CSRD verlangt nach ESRS E1:
Auch für KMU, die nach dem VSME-Standard berichten, ist eine vereinfachte Szenariobetrachtung sinnvoll – nicht als formale Pflicht, sondern als Grundlage für Lieferantenanfragen, Bankgespräche und strategische Investitionsentscheidungen. Wer große Kunden mit CSRD-Berichtspflicht beliefert, wird zunehmend nach klimabezogenen Scope-3-Daten gefragt – eine einfache Szenariobewertung schafft dafür die Grundlage.
Investoren erwarten vollständige Szenarioanalysen für Portfolio-Risikobewertungen, Versicherer fokussieren auf SSP5-8.5 für physische Extremrisiken, Banken bewerten Kreditrisiken unter verschiedenen SSP – besonders SSP3 für geopolitische Risiken. B2B-Kunden fordern zunehmend Scope-3-Daten und Lieferkettenresilienz-Nachweise. Die Erwartungen wachsen branchenübergreifend, unabhängig von formalen Berichtspflichten.
Von der Szenario-Auswahl über die standortspezifische Risikoanalyse bis zur CSRD- und Taxonomie-konformen Dokumentation – ich unterstütze euch bei der vollständigen Klimarisikoanalyse nach UBA-Leitfaden und TCFD-Standard. Hochaufgelöst auf Basis von EU-CORDEX-Daten, mit SSP-Delta-Kontrolle und interaktivem Dashboard für kontinuierliches Monitoring.
Für Mittelstand, Konzerne und Unternehmen mit Berichtspflicht nach CSRD oder EU-Taxonomie
RCP (Representative Concentration Pathways, IPCC AR5) fokussieren ausschließlich auf Treibhausgaskonzentrationen und Strahlungsantrieb. SSP (Shared Socioeconomic Pathways, IPCC AR6) integrieren zusätzlich sozioökonomische Narrative – Bevölkerung, Wirtschaft, Technologie, Governance. Für europäische Standortanalysen werden aktuell noch RCP-Szenarien als Hauptdatenbasis genutzt, da EU-CORDEX-Downscaling in 11,5-km-Auflösung für SSPs noch nicht vollständig vorliegt. SSP-Daten fließen über Delta-Verarbeitung als Kontrollschicht ein.
Es gibt kein einzelnes „richtiges" Szenario – das ist konzeptionell nicht vorgesehen. SSP und RCP sind Explorationswerkzeuge, keine Prognosen. Die Mindestanforderung für CSRD: zwei Szenarien, davon eines Paris-aligned. Für die meisten Mittelständler ist der bewährte Einstieg RCP 4.5 (realistisches Mittelszenario) und RCP 8.5 (Worst Case für physische Risiken). Als dritte Option empfiehlt sich SSP1-2.6 / RCP 2.6 für die Bewertung von Transitionsrisiken und regulatorischem Druck.
Weil EU-CORDEX – das zentrale regionale Klimamodell-Ensemble für hochaufgelöste europäische Projektionen auf 11,5-km-Raster – die SSP-Szenarien noch nicht vollständig durchgerechnet hat. Verfügbare SSP-Daten aus CMIP6 liegen in grober Auflösung (~100 km) vor, die für standortspezifische Risikoanalysen nicht ausreicht. Der methodisch korrekte Ansatz: RCP als hochaufgelöstes Hauptszenario, SSP-Daten über Delta-Verarbeitung als Konsistenzprüfung. Sobald EU-CORDEX-SSP-Läufe vollständig verfügbar sind, wird der direkte Umstieg erfolgen.
Weil die Zukunft fundamental unsicher ist – und weil verschiedene Szenarien verschiedene Risikotypen beleuchten. SSP1-2.6 zeigt hohe Transitionsrisiken, SSP5-8.5 / RCP 8.5 zeigt extreme physische Risiken, SSP3-7.0 zeigt Governance- und Fragmentierungsrisiken. Nur die Kombination ermöglicht die Identifikation von „No-Regret"-Maßnahmen, die unter allen Szenarien sinnvoll sind – wie die PV-Überdachung im Automobilprojekt, die Hagelschutz, Stromerzeugung und Ladeinfrastruktur gleichzeitig adressiert.
ESRS E1 fordert mindestens zwei Klimaszenarien (empfohlen drei), davon mindestens eines Paris-aligned (typischerweise SSP1-2.6 oder äquivalent). Drei Zeithorizonte müssen abgedeckt werden. Methodik, Annahmen und Datenquellen sind transparent zu dokumentieren – inklusive Begründung, warum bestimmte Szenarien gewählt wurden, und transparenter Darstellung von Datenlücken wie fehlenden hochaufgelösten SSP-Projektionen.
Grundlagen: RCP & SSP Klimaszenarien
Neu bei RCP und SSP? Der vollständige Einstieg in beide Frameworks und ihre praktische Anwendung: RCP & SSP Klimaszenarien: Praxis-Guide 2026 →
ESG- und Nachhaltigkeitsberater mit Schwerpunkt auf VSME‑Berichterstattung und Klimarisikoanalysen. Begleitet seit 2014 über 300 Projekte für den Mittelstand und Konzerne – unter anderem Commerzbank, UBS und Allianz.
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